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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Aargau


1882

Die Zündholzindustrie im Kanton Aargau ist uns besonders durch die Zündwarenfabrik in Brugg bekannt, die im Jahr 1882 entstanden ist. Es ist hier versucht worden, eine starke Marktdominanz zu erlangen, was aber nicht gelungen ist. Max Banholzer schildert uns in den Brugger Neujahrsblättern Nr. 112 (2002) die genaue Geschichte dieser Fabrik.

Die Fabrik war mit den neusten Maschinen ausgestattet, wo bei einer geringen Arbeiteranzahl, schwedische Zündhölzer hergestellt worden sind.

Das alles wäre auch gut gegangen, wenn das Bundesgesetz vom 23.12.1879 , betr. Verbot der Nutzung von gelbem Phosphor, nicht bereits im Jahr 1882 aufgehoben worden wäre, also bevor die Fabrik ihre geplante Tätigkeit überhaupt aufgenommen hat. Die unbeliebten schwedischen Zündhölzer konnten danach aus verschiedenen Gründen in der Schweiz nicht Fuss fassen.

Ausser den späten Gründungen in Brugg und Rheinfelden, gab es im Kanton Aargau bereits in der Zeit um 1850 die Zündhölzchenfabrikation in Dürrenäsch, Bezirk Kulm.

1882 - 1890 Brugg-Altenburg


Schweizerische Zündwarenfabrik A.G.

Die Gründung der Zündwarenfabrik in Brugg, erfolgt auf dem Gelände welches heute von der Chemischen Fabrik Brugg A.G. genutzt wird.

Der Initiant, der Zürcher Johann Rudolf Riedtmann-Näf, sicherte sich das für den Fabrikbau benötigte Areal am 16 März 1882 vom betagten Landwirt Johann Ulrich Stauffer. Es war Mattland im sog. "Roggenboden" im Gemeindebann Altenburg mit einer Fläche von ca. 3 ha, direkt an der Bahnlinie Brugg - Aarau.

Als Erstes sind die Bauarbeiten aufgenommen worden, sie umfassten die Zündholzfabrik aus Stein und Beton, ein Anbau mit Büroräumen, ein Maschinenhaus aus Stein und Beton, ein Schuppen aus Beton und Holz sowie ein Chemikalienlager aus Stein. Für die Baukosten und die zahlreichen Maschinen mussten über 123 000 Fr. investiert werden. Selbst die Maschinen hatten einen Wert von 31 000 Fr, und geben uns einen guten Einblick in das, was die Fabrik leisten konnte. Es sind folgende Maschinen angeschafft worden: 2 Holzschälmaschinen, Abschlagmaschine, Spanteilmaschine, Gleichlegmaschine, Anstreichmaschine, Schleifmaschine, 7 Einlegemaschinen, 3 Ausziehmaschienen, Schachtelhülsenmaschine, 3 Massenmühlen, Dampfkochapparat, 1000 Einlegerahmen.

Ins Handelsregister wird die Gesellschaft erst am 17.02.1883 eingetragen:

Unter der Firma Schweizerische Zündwaarenfabrik in Brugg wurde im Jahre 1882 eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Brugg gegründet, welche den Zweck hatte, die Fabrikation von Zündhölzchen und deren Verkauf im In- und Ausland zu betreiben. Die Gesellschaftsstatuten sind unter 30. Mai 1882 festgestellt worden.

Das Gesellschaftskapital besteht aus zweihunderttausend Franken, eingeteilt in zwanzig Aktien von je zehntausend Franken, und ist voll einbezahlt. Die Aktien lauten auf Namen und können nur mit Genehmigung der Generalversammlung übertragen werden. Direktoren der Gesellschaft sind. Joh. Georg Rutishauser von Altnau, Kt. Thurgau, wohnhaft in Winterthur, und Eduard Hardmeyer von Zumikon, Kt. Zürich, wohnhaft in Brugg.

Bereits im November 1883 wird die Fabrik mit ihren Produkten auf der Zürcher Ausstellung mit dem Diplom erster Classe ausgezeichnet. Im Katalog der vierten Schweizerischen Landesausstellung in Zürich, ist über die Brugger Fabrik folgendes nachzulesen : "Parrafinierte Zündhölzer nach schwedischem System - Feuerzeuge mit immerwährender Reibfläche. Dampfbetrieb - Tägliche Produktion von 8 Millionen Hölzern mit den nöthigen Schachteln. 30 weibliche und ca. 80 männliche Arbeiter in und 150 bis 200 ausserhalb der Fabrik.- Export nach allen Ländern."

Die ausgewiesenen Zahlen waren wahrscheinlich geplant, sind aber nie erreicht worden.

Am 29.8.1883 tritt der technischer Direktor Eduard Hardmeyer zurück, seine Stelle bekommt nun als Technischer Leiter Jacob Kellner. Er ist uns anderseits als Autor des 208 Seiten starken Buches "Handbuch der Zündwaaren Fabrikation" Wien, Pest, Leipzig 1886 bekannt. Noch 1881 war er in der Zündholzfabrik Goldenkron Böhmen und hat auf der Industrie landwirtsch. Ausstellung in Triest die silberne Medaille erhalten.

Im Februar 1884 wird in der Deutschen Zündwaarenzeitung berichtet: "Die Actiengesellschaft in Brugg, technischer Director Jac. Kellner , errichtet neben ihrer Sicherheitshölzerfabrik noch eine zweite Fabrik zur Herstellung von Phosphorhölzern." Ob es zu dieser Errichtung überhaupt gekommen ist, ist nicht genau geklärt. Einen guten Einblick in die Fabrik ist im Artikel "Die Fabrikation schwedischer Zündhölzer in der Schweiz" enthalten, der im Juli. 1884 in den Baseler Nachrichten veröffentlicht worden ist:

In der Schweiz wurde die Fabrikation der Sicherheitshölzer erst im Jahre 1879 begonnen, als die Bundesversammlung die Anwendung des gewöhnlichen Phosphors zur Fabrikation, sowie die Einführung des Phosphorzündhölzer gesetzlich verboten hatte. Als aber im Jahre 1882 unerwartete Weise und zu allgemeinem Erstaunen dieses Verbot wieder aufgehoben wurde, stellte auch die Mehrzahl der Fabrikanten die Anfertigung von Sicherheitszündhölzern wieder ein, um sich auf die ausschließliche Fabrikation der Phosphorhölzer zu verlegen. Wir finden dann auch in der Landesausstellung erstere Sorte mit nur drei Ausstellern vertreten: Kambly in Frutigen, Karlen in Wimmes und die Zündwaarenfabrik in Brugg. Ueber die ausgestellten Fabrikate spricht sich die Jury in sehr günstiger Weise aus, erklärt dieselben als gut bis sehr gut und den ausländischen, die echten Jönköpings nicht ausgenommen gleichwertig und lobt auch die solide und billige Verpackung.

Die grösste der schweizerischen Fabriken ist diejenige in Brugg und ein Besuch derselben äusserst lohnend. Der Eintritt wird in zuvorkommender Weise gestattet und die Fabrikation, soweit thunlich erklärt, im Gegensatz zu auswärtigen grossen Concurrenzgeschäften. In der Fabrik sind gegen 150 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt; über 400 finden zu Hause Arbeit mit der Anfertigung von Schachteln. / Strenge genommen mit der Anfertigung der Einschiebsel, da die Hülsen für die Schwedenschuber mittels dreier Hülsenklebemaschinen in der Fabrik selbst hergestellt werden. Höchst interessant ist es, die vielen verschiedenen hier aufgestellten Maschinen in Thätigkeit zu sehen; es sind solche ,die durch ihre Leistung wahrhaft Staunen erregen. Dass die hier neu eingeführte Industrie für die ganze Gegend eine wahre Wohlthat ,ist klar, dass dieselbe aber auch noch eines blühenden Aufschwungs fähig sein wird, ersehen wir aus der Statistik der Ein- und Ausfuhr in den letzten Jahren. 1882 wurden 2067 mtr. Ctr. Zündhölzer eingeführt, 1883 nur 1827 mtr. Ctr. Ausgeführt wurden 1882 nur 75 , 1883 schon 1108 und im 1. Quartal des laufenden Jahres hat allein die Fabrik Brugg schon über 1400 mtr. Ctr. exportirt. Es lässt sich heute nicht mehr feststellen, in was für Länder die Zündhölzer exportiert worden sind.

Im November / Dezember 1885 erscheinen in der Deutschen Zündwarenzeitung zwei Annoncen von Jacob Kellner Brugg, wo wegen Aufgabe des Geschäftes verschiedene Maschinen für die Zündholzproduktion zum Verkauf angeboten werden. Ob es sich hier bereits um Zündholzmaschinen aus Brugg handelt, kann nicht mehr nachvollzogen werden.

Im Adressbuch 1888/1889 ist folgender Eintrag zu finden:

"Schweiz. Zündwaarenfabrik in Brugg. Gegr. 1882. 300 Arbeiter. Kapital 50.000 Fr. Direktor mit verbindlicher Unterschrift ist Jacques Wagner. Dampfmaschine 25 Pferdekr. Export: Spec: Paraffinierte Zündhölzer nach schwedischem System. Feuerzeuge mit immerwährender Reibfläche. Temporär ausser Betrieb."
Diese zwei Hinweise, wie auch der rasche Direktorenwechsel waren kein gutes Zeichen. Im Juli 1884 tritt Rutishauser zurück und wird durch Jaques Wagner ersetzt. Diesem oblag es, die von der Generalversammlung vom 1. Juli 1890 beschlossene Liquidation durchzuführen.

1890 - 1896 Brugg - Altenburg


Industriegesellschaft Brugg A.G.

Diese Gesellschaft trat an Stelle der Schweizerischen Zündwarenfabrik A.G. auf den Plan. Die Statuten der neuen Gesellschaft sind am 30.Juni 1890 festgelegt worden. Mitglieder des Verwaltungsrats waren : Johann Eduard Blaser in Brugg als Präsident sowie Herr Lutz und Sturzenegger, die bereits in der vorgehenden A.G. gewirkt haben. Zum neuen Direktor wurde der Sohn des Präsidenten, Johann Ernst Blaser, bestimmt.

Die Liegenschaft samt allen Gebäuden und Einrichtungen ging am 1. Juli 1890 durch Verkauf auf die neue Gesellschaft zum Preis von 140.000 Fr. über.

1891


Bereits am 28.1.1891 erscheint im "Der Bund" eine Annonce, wo schweizerische Sicherheitszündhölzer der Industriegesellschaft Brugg angeboten werden. Die Annonce ist mit der als Fabrikmarke angemeldeten Zündholzschachtel-Etikette illustriert. Es wird weiter angepriesen, diese Sicherheitszündhölzer neuester Fabrikation sind den besten Marken schwedischer und deutscher Provenienz ebenbürtig und im Preise billiger. Mit Dezember 1890 gelangen solche als Flach- und Eckhölzer zum Verkauf.

In einer Inventarschätzung der Schweizerischen-Zündholzfabriken aus dem Jahr 1891 sind über Brugg folgende Angaben zu finden: "Industrie - Gesellschaft Brugg, Liegenschaft inkl. Wasserkraft 99.730 Fr., Maschinen und Einrichtungen 47.225 Fr., Total 146.995 Fr."
Es war zur damaligen Zeit vom Inventarwert her die zweitgrößte nach Soc. Anonyme Fleurier Zündholzfabrik in der Schweiz. Brugg gehörte zu den Zündholzfabriken, die nach eventueller Einführung des Zündholzmonopols bestehen bleiben sollte. Die Gesellschaft konnte sich wegen Absatzschwierigkeiten nicht entsprechend entwickeln.

In der für das Jahr 1894 vom Fabrikinspektorat erstellten Statistik ist zu sehen, dass in Brugg bloss Sicherheitszündhölzer mit 14 Arbeitern hergestellt werden. Von den damaligen 30 schweizerischen Zündholzfabriken stellten bloss vier weitere die Letzteren her. Alle weiteren und teilweise grösseren fabrizierten weiter die beliebten Gelbphosphor Zündhölzer.
Auch die neue Gesellschaft kann nicht mit den Schwierigkeiten fertig werden, und beschliesst am 15. Februar 1896 die Auflösung. Der Beschluss wird zum 8.04.1896 ins Handelsregister eingetragen:

Die Aktiengesellschaft unter der Firma Industriegesellschaft Brugg in Brugg hat sich durch Beschluss der Generalversammlung vom 15. Februar 1896 aufgelöst; die Liquidation wird unter der Firma Industriegesellschaft Brugg in Liq. Durch den bisherigen Direktor der Gesellschaft Ernst Blaser besorgt, der per Prokura einzeln die rechtsverbindliche Unterschrift führt.

1896 - 1898 Brugg


Industriegesellschaft Brugg in Liq.

Wie die Liquidation im einzelnen ausgesehen hat, kann heute nicht mehr nachvollzogen werden. Es ist auch unbekannt was mit der teuren maschinellen Ausstattung geschehen ist. Bereits nach zwei Monaten wird Ernst Blaser als Liquidator abgerufen, an sein Stelle tritt der Zürcher Rechtsanwalt Johann Gottlieb Arnold. Die Aktiengesellschaft Industriegesellschaft Brugg in Liq. ist endgültig zum 8.Juni 1898 erloschen.

Bereits am 16.Mai 1896 wird die Fabrikliegenschaft samt Gebäuden für 78.500 Fr. seitens der Chemischen Fabrik Brugg, Grandjean , Zimmermann & Cie. in Brugg erworben, die hier sofort mit der Fertigung anfängt.

1850 - 1857 Dürrenäsch, Bezirk Kulm


Samuel Gloor, Zündhölzchenfabrikation

Dass in Dürrenäsch Zündhölzer hergestellt worden sind ergibt sich aus den Adressbüchern für das Jahr 1850 und 1857.
Es besteht bloss ein einziges Schreiben der Gemeinde Dürrenäsch an das Bezirksamt in Kulm datiert am 2. Hornung 1863, welches wie folgt lautet: "Es befinden sich in unserer Gemeinde keine Fabriken; es werden zwar in drei Häusern Zündhölzchen fabriziert, jedoch nicht mit so zahlreichen Arbeitern, dass man sie zu eigentlichen Fabriken zählen könnte."
Gloor wird hier nicht mehr erwähnt und die Fertigung als Hausindustrie angesehen.

1882 - 1890 Rheinfelden


Mathias Salathé, Zündholzfabrik

Die Bewilligung zur Gründung der Zündholzfabrik in Rheinfelden wird am 11.November 1881 seitens des schweizerischen Handels- und Landwirtschaftsdepartement erteilt.

Die Gründung der Fabrik, war wahrscheinlich als ein gutes Geschäft gedacht, denn in dieser Zeit galt das Verwendungsverbot des gelben Phosphors, in Rheinfelden sollten aber sog. schwedische Zündhölzer hergestellt werden. Die Eintragung in Handelsregister erfolgt zum 12.02.1883: "Inhaber der Firma Math. Salathé in Rheinfelden ist Mathias Salathé von Arisdorf, Kt. Baselland, wohnhaft in Rheinfelden. Natur des Geschäftes: Zündwaarenfabrikation."

Die Unterschrift von Mathias Salathé ist unter dem Schreiben der vereinigten Zündwaarenfabrikanten der Ostschweiz zu finden, welches am 16. Juni 1882 an das Tit. Präsidium des hohen Ständerats gerichtet ist. Zusammengefasst lautet die Eingabe folgend: "Der hohe Ständerat werde dem Nationalratbeschluss nicht beipflichten und die hohe Bundesversammlung werde nach nochmaliger ernstlicher Erwägung die Wiedereinführung des gelben Phosphor des Gänzlichen verbieten oder durch Einführung des Monopols in diese Niermand befriedigende und für uns geradezu ruinöse Lage ein für allemal Klarheit bringen."

Vermutlich waren alle sechs Fabrikanten welche diese Eingabe unterschrieben haben daran interessiert sog. schwedische, oder auch phosphorfreie überall entzündbare Zündhölzer herzustellen. Die Eingabe hatte keine Auswirkung, und die Firmenbesitzer die ihre Unterschrift geleistet haben, mussten bald die Tätigkeit aufgeben.
Noch im Jahr 1885 wird berichtet, dass sich in Rheinfelden eine Zündholzfabrik befindet. So scheint es, dass hier auch Zündhölzer hergestellt werden mussten.

Amstutz deutet daraufhin, dass die Fabrik in Rheinfelden im Jahr 1890, in Folge der Aufhebung des Phosphorverbots Konkurs anmelden musste.
Aus der Eintragung im Handelsregister vom 29.01.1891 lässt sich das letzte nicht ableiten: "Der Inhaber der Firma Math. Salathe in Rheinfelden betreibt nicht mehr die Fabrikation von Zündwaren, sondern ist Besitzer der Wirtschaft und Weinhandlung zum Kranz in Rheinfelden."

Schweizerisches Zündholzmuseum, Dieter Weigelt November 2003

Quellenmaterial:

1. Max Banholzer, Die Zündholzfabrik Brugg-Altenburg, in Brugger Neujahrsblätter

112(2002)

2. Staatsarchiv Aargau, Protokolle des Regierungsrats, Bezirksamt Brugg -

Gewerbepolizei EA1c, EA1.11, EA1.23, EA1.70

3. Bundesarchiv Bern, Akten E23. Bd.38

4. Ernst Hohl, Die schweizerische Zündholzindustrie und Gesetzgebung, Diss. 1929

5. Walter Amstutz, Die schweizerische Zündholz – Fabrikation, Diss. Weinfelden 1928

6. Zeitschrift für Zündwarenfabrikation, Nov. 1883, Juli. 1884

7. Schweizerischer Ragionenbuch, verschiedene Jahrgänge.

8. Schweizer Industrie & Handel in Wort & Bild. Herausgegeben auf die

Schweizerische Landesausstellung 1914 in Bern.

9. Handbuch für Schweizerische Kaufleute I. Abt. enthaltend die Kantone Bern,

Baselstadt, Baselland, Solothurn, Aargau und Zürich. St. Gallen – Zürich 1850

10. Generaladressbuch der Schweiz, H. Weber, Zürich 1857

11. Furrer, Volkswissenschaftlicher Lexikon der Schweiz, 1885

12. Schweizerische Fabrik und Handelsmarken, Bern 1883 und 1890

13. Aargauer Zeitung, Ausgabe vom 19.Dezember 2001