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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Appenzell Innerrhoden.



Die Verhältnisse im Kanton Appenzell i. Rh. im Bezug auf die Zündholzindustrie sahen in den Jahren 1850 bis 1870 ähnlich aus, wie es bereits für den Kanton St. Gallen geschildert worden ist.

Im Kanton Appenzell i.Rh. soll es in den 40-ziger Jahren Versuche gegeben haben die Zündholzproduktion einzuführen, was aber wahrscheinlich ohne grösseren Erfolg geschehen sein musste. Sowohl im Landesarchiv Appenzell i.Rh., wie auch im Bundesarchiv in Bern sind keine Hinweise auf konkrete Fabriken aus dieser Zeit zu finden. Anderseits ist im Kanton Appenzell i.Rh. bereits am 7.2.1860 eine feuerpolizeiliche Verordnung erlassen worden, nach deren Bestimmungen die Fertigung von Zündhölzern eigentlich verboten war.

1870 Zündholzfabrik Josef Anton Moser / Schörpf


Der erste Hinweis auf Zündholzfabriken ist im Adressbuch aus dem Jahr 1870 zu finden. Es wird hier für Appenzell die Zündholzfabrik des Jos. Anton Moser und die von Schörpf ausgewiesen. Leider fehlen uns alle weiteren Einzelheiten dazu. Auch diese Fabriken mussten von kurzer Dauer gewesen sein, denn sowohl im Adressbuch für das Jahr 1857, wie 1877 sind für den Kanton Appenzell i.Rh. keine Angaben zu finden.

1870 - 1896 Zündholzfabrik Jos. Anton Weishaupt


Als dritte Fabrik wird im Adressbuch aus dem Jahr 1870 die Zündholzfabrik von Jos. Anton Weishaupt ausgewiesen, die Angabe wiederholt sich auch im Jahr 1877. Ein weiterer Hinweis auf diesen Betrieb ist im Fabriken-Verzeichnis zu finden, wo die Unterstellung der Gewerbeaufsicht auf den 14.1.1893 und die Streichung auf den 16.12.1896 datiert werden. Ob diese Zündholzfabrik zwischen 1877 bis 1893 auch Zündhölzer hergestellt hat, wäre noch zu klären. Jedenfalls handelt es sich hier wahrscheinlich um einen ganz kleinen Betrieb, denn in der Rubrik Anzahl der Arbeiter befindet sich keine Angabe.

1885 - 1895 Zündholzfabrik Josef Anton Dörig


Dank Carl Sutter sind uns einige Einzelheiten zur dieser Fabrik bekannt. Er schreibt dazu: “ Am 4. April 1885 überliess die Forrengemeinde dem Josef Anton Dörig, Äckeler von Schwende, wohnhaft im Forrenmühlehaus, ein Stück Boden bei der Teuchelrose beim Mühleligaden für den Bau einer Zündholzfabrik. Schon am 10. Mai des folgenden Jahres brannte das Objekt bis auf den Grund nieder. Das wieder erbaute Gebäude war 10 m lang, 3.5 m breit und 5.5 m hoch mit 48 cm dicken Mauern.“

Jakob Signer ergänzt die obigen Angaben folgend: „Haus Kataster Nr. 57a. Korporation Forren, Zündholzfabrik Forren-Unterrain, Bezirk Schwende. Handwechsel und Besitzer... . Das wiederum neu erbaute Objekt kaufte am 16. Mai 1887 Andreas Anton Dörig um den Preis von Fr. 4500.- , dann am 14. November 1888 Frau Maria Antonia Dörig geb. Heeb, um denselben Preis. Alt Säntiswirt Andreas Anton Dörigs Erbmasse hatte auf dem Objekt den letzten Zeddel; sie wurde daher am 4. Dezember 1895 Inhaberin des Objektes, nachdem am 5 . Mai zuvor Josef Anton Dörig, Zündholzfabrikant, gestorben war.“

Da die Zündholzfabrik von Josef Anton Dörig in anderen Quellen bis 1894 ausgewiesen wird, ist zu vermuten, dass er als Pächter bis zum seinen Ableben weiter mit der Zündholzfabrikation beschäftigt gewesen ist.

Im Fabriken-Verzeichnis sind für diese Fabrik folgende Angaben zu finden, Unterstellung der Gewerbeaufsicht 4.5.1883, Streichung 2.07.1900, Antrieb Wasserkraft 5 PS, Durchschnittlich beschäftigt 6 Arbeiter. Hat Dörig zwischen 1883 bis 1885 bereits an anderer Stelle Zündhölzchen gefertigt, weswegen die Streichung erst im Jahr 1900 erfolgte, dass sind Fragen die wahrscheinlich nie geklärt werden können. In seinem Beitrag zur Zündholzfabrik Dörig liefert uns Sutter einige weitere interessante Informationen: „Der Nachbar der Zündholzfabrik, Josef Inauen-Speck, Locklöslers, kann sich noch gut an die Zündholzfabrikation erinnern. Hans Graf, Ditze Häns Häns vom Ried, betrieb zu seiner Jugendzeit das *Handwerk*. In einer viereckigen Büchse war Schwefel, in einer andern Phosphor. Jedes einzelne von auswärts bezogene Hölzchen steckte Graf zuerst mit der Spitze in den Schwefel und anschliessend in den Phosphor. Nach dem Abtrocknen war die Angelegenheit schon fertig. In Päckchen verpackt wurde das Produkt dem Verbraucher abgegeben. So einfach war das.“

Es muss in dieser Gegend also doch einige Leute gegeben haben, die bei Nutzung von gekauften Holzdraht in Hausarbeit Zündhölzer herstellten.

Der Betrieb von Dörig wird schon als Fabrik bezeichnet, produziert Gelbphosphorhölzchen, hat einen Wasserantrieb , sowie Maschinen und Einrichtungen in einen Wert von Fr. 3215.-

Schweizerisches Zündholzmuseum, Dieter Weigelt Dezember 2002

Quellenmaterial:

1. Walter Amstutz, Die schweizerische Zündholz-Fabrikation, Diss. Weinfelden 1928

2. Bundesarchiv Bern, Akten E23 Bd.37, Dossier 125

3. Schweizerisches Handels- Adressbuch für Fabrikanten, J. Frick, Zürich 1870

4. Bundesarchiv Bern, Akten 7172 (A), Bd.1

5. Carl Sutter, Die Korporation Forren, in: „Innerrhoder Geschichtsfreund“ 24 / 1981

6. Jakob Signer, Chronik der Appenzell-Innerrhodischen Liegenschaften in:„ Appenzellische Geschichtsblätter“ Nr. 18 vom Sept.1945 Seite 3-4

7. Ernst Hohl, Die schweizerische Zündholzindustrie und Gesetzgebung, Diss. 1929