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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Bern

Amtsbezirk Frutigen

1863 - 1865 Künzisteg

Johann Moser

Zündholzfabrik

Johann Moser,Samuels Sohn, Handelsmann von Arni bei Biglen stellt am 19.08.1862 an die Gemeinde Frutigen ein Gesuch, um die Genehmigung des Baus einer Zündholzfabrik.

Gegen das Vorhaben werden aber zwei Einsprüche eingereicht, was die ganze Angelegenheit verzögert. Erst am 8.06.1864 wird die Bau und Einrichtungsbewilligung vom Statthalter erteilt. Am selben Tag wird auch in Frutigen der Gewerbeschein ausgestellt. Am 20.01.1863 erwirbt Moser von der Gemeinde Frutigen beim Künzisteg ein Stück Land auf dem zwischen 1864 / 1865 die Fabrik erstellt wird.

Bereits im Bericht für das Jahr 1865 ist dazu folgendes zu erfahren: «In der Nähe des Dorfes, weniger isoliert, indessen unmittelbar an einem starken Bache. Etwa 12 Arbeiter. Unzweckmässige Vereinigung von Küche, Pack und Trockenraum. Das Einlegen geschieht zum Teil durch eine Maschine, so das die Fabrik trotz ihrem geringen Umfanges doch wöchentlich bis 60.000 Schachteln zu erzeugen vermag. Von der Heizung her, fanden wir Feuergefahr und allzu rasche ungleichmässige Erwärmung, sondern auch Rauch.»

Im Lagerbuch ist die Zündholzfabrik unter der Nummer 1036 eingetragen. Das ein Stockwerk hohes Gebäude hat eine Grösse von 30 x 23 m und ist auf 2.500 Fr. versichert.

1865 - 1874 Künzisteg

Celestin Froidevaux

Zündholzfabrik

Am 6.06.1865 verkauft Johann Moser die Zündholzfabrik an Celestin Froidevaux, Jean Paptist Sohn von Noirmont, Amt Seignelegier Handelsmann aus Frutigen. Im Lagerbuch wird bei Froidevaux der Vorname Christian ausgewiesen. Der Gewerbeschein für Celestin Froidevaux stammt aus dem Jahr 1865.

Im Bericht für das Jahr 1867 ist folgende Beschreibung der Fabrik enthalten: «Fabrik nur einstöckig, 9 Fuss hoch. Die Fabrik ist schlecht eingerichtet, kann so nicht mehr existieren. Schwefelküche und Trockenzimmer ist im gleichen Lokal. Es sollte die Schwefelküche ganz neu hinten angebaut werden. Zwischen den bisherigen Lokal, der bloss als Trockenzimmer dienen wird und der Schwefelküche, sollte ein Gang eingebaut werden. Die Räumlichkeiten auch besser ventiliert werden.» Kaum umgebaut entsteht in der Fabrik durch Zufall ein Brandschaden, der mit 89,70 Fr. angeben wird. Ein weiterer Brandschaden entsteht im Jahr 1874, vermutlich durch Fahrlässigkeit, der Wert dieses Schaden 73 Fr.

Die nun seitens der Direktion des Innern gestellten Forderungen überschreiten wahrscheinlich die finanziellen Möglichkeiten von Froidevaux. Die Fabrik wird verkauft.

1874 - 1899 Künzisteg

Johann Bohny

Zündholzfabrik

Am 4.08.1874 wird die nun auf 5000 Fr. versicherte Fabrik an Johann Bohni / Bohny von Frankendorf, Abrahams Sohn, Bäcker in Frutigen gekauft.

Ob der Aufbau und die Fertigung sofort stattgefunden haben, ist nicht ganz sicher, denn im Bericht für das Jahr 1876 können wir lesen: «Der selbst hat mit durchgreifender Reparatur, Umbauten und Neubauten angefangen»

Anderseits kann der Umbau als Folge einer amtlichen Verordnung vorgenommen worden sein, da die Räumlichkeiten nicht den gesetzlichen gesundheitlichen Anforderungen entsprachen. Nach einer Inventarschätzung aus dem Jahr 1891 wird die Liegenschaft auf 2.840 Fr. und die Maschinen und Inventar auf 7.060 Fr. bewertet.

Die Unterschrift von Johann Bohny ist auf der Fabrikordnung für die Zündhölzchen-Fabriken im Amte Frutigen zu finden, die am 23.10. 1878 vom Regierungsrat genehmigt wird. Johann Bohny gehört auch zu denen, die sich am 9.12.1880 mit einer Bittschrift an das Handelsdepartement wenden. Der Verbot des gelben Phosphor möchte doch bitte um wenigstens zwei Monate verschoben werden. Da es unmöglich ist, ohne weiteres die Fertigung von sog. schwedischen Zündhölzern aufzunehmen, fertigen viele Fabrikanten im versteckten nach alter Rezeptur und probieren ihre Ware irgendwie zu verkaufen.

Der nach Frutigen zusätzlich delegierte Landjäger erhält die Aufgabe, alle Zuwiderhandlungen gegen das Bundesgesetz sofort anzuzeigen. Auch Bohny wird angezeigt und mit Busgeld bestraft. Bohny will weiter Zündhölzer fertigen, was Umbauten notwendig macht. Eine Bau & Einrichtungsbewilligung wird seitens der Direktion des Innern am 8.2.1881 erteilt. Bereits im Jahr 1881 soll der Umbau fertigt gewesen sein, ob aber überhaupt die Fertigung der schwedischen Zündhölzer aufgenommen worden ist, ist fraglich. Nach der Aussetzung des Verbots am 22.06.1882 fertigte Bohny, und bald alle anderen Fabrikanten, bloss Zündhölzer nach alter Rezeptur.

Am 16.01.1883 wird die Firma folgend ins Handelsregister eingetragen: «Inhaber der Firma Joh. Bohny in Frutigen ist Johann Bohny von Frenkendorf, Bäckermeister, Krämer und Zündwaarenfabrikant in Frutigen.»

Nach einer Statistik aus dem Jahr 1886 beschäftigt Bohny 18 Arbeiter.

In den Folgejahren wird in den Berichten des Amtsarztes immer darauf hingewiesen, dass aich die Fabrik in einem alten Gebäude befindet, welches den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügt.

Im Jahr 1890 tritt Johann Bohny der Zündwarengesellschaft Frutigen bei, wo er ein Limit von 60 Kisten erhält. Die Fabrik soll bereits seit 1889 nicht mehr im Betrieb gewesen sein. Beim Verkauf im Jahr 1902 wird darauf hingewiesen, dass die Fabrik abgebrannt gewesen sei. Trotzdem konnte Bohny der Z&uu,l;ndwarengesellschaft beitreten, sein Limit ist aber, wahrscheinlich für ein Entgelt anderen Fabrikanten zur Verfügung gestellt worden. Im Jahr 1899 wird der Betrieb von der Fabrikliste gestrichen. Nachdem ab 1900 verfügten Verbot des gelben Phosphors sieht Bohny keine Möglichkeit mehr, Zündhölzer zu fabrizieren. Die ehemalige Fabrik wird am 18.03.1902 an Jakob Brügger bereits als Wohngebäude verkauft.

Interessant, dass die Firma Bohny erst mit Eintrag vom 29.08. 1921 aus dem Handelsregister gestrichen wird: «Die Firma Joh. Bohny, Bäckerei, Krämerei und Zündwarenfabrikation, mit Sitz in Frutigen (SHAB vom 31 Januar 1883), ist infolge Verzichtes des Inhabers erloschen.»