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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Bern

Amtsbezirk Frutigen

Die Bezeichnung des Teilorts Rainbrügg, auch als Reinbrügg, Reinbrück oder Ribrigg bekannt, bezieht sich auf die Brücke über die Kander, an der Verbindungsstrasse Frutigen–Kandersteg.

1850 - 1855 Rainbrügg (Fabrik I)

Abraham Aellig, Krämer,

Zündholzfabrik

Auf die Verhältnisse in der Zündholzfabrik Abraham Aellig, Abrahams sel., Krämer von Adelboden geht bereits Amstutz in seine Dissertation ein. Er berichtet hierzu folgendes: «In den ersten 15 Jahren ab 1845 kümmerte man sich wenig um eine Fabrikation und Betriebsgenehmigung, und wo dies einmal geschah, nahm man es nicht allzu genau, da bei der Erteilung eines Gewerbescheines hauptsächlich feuerpolizeiliche Motive massgebend waren. Es ist deshalb nichts Außergewöhnliches, wenn wir zu jener Zeit eine Wirtschaft, eine Bäckerei und eine Zündholzfabrik vereint in einem Gebäude finden. Krass waren die Verhältnisse bei Abraham Aellig, Krämer zu Rainbrück bei Frutigen, der die Fabrikation von chemischen Handzündhölzchen ohne irgend einer Bewilligung betrieb. Er fabrizierte in seinem über 150 Jahre alten baufälligen Hause; die chemischen Manipulationen nahm er auf dem Kochherd seiner Küche vor.

Die Aufsichtsbehörde meldet, dass sie trotz dieser primitivsten Einrichtung im Hinblick auf die bedrängten Zeitumstände und die herrschende Arbeitslosigkeit sich veranlasst fühle, dem Aellig die Fortsetzung der Zündholzfabrikation zu gestatten!»

Durch Abraham Aellig wurden noch im Jahr 1855 mit Bewilligung kompetenter Behörden Handzündhölzer verfertigt, wobei eine Anzahl von Personen eine Beschäftigung gefunden hat.

Diese Bewilligung ist allerdings, bloss für 3 Monate erteilt worden. Abraham Aellig sieht ein, dass die Fertigung von Zündhölzern sich bloss in einen Neubau wird fortführen lassen. Er stellt ein Gesuch fü eine Baubewilligung auf seinem Acker im Bifigstutz, diese wird ihm auch seitens der Direktion des Innern am 11.04.1855 erteilt.

1866 - 1870 Rainbrügg (Fabrik II)

Christian Stoller

Zündholzfabrik

Mit der am 6.06.1865 erstellten Kaufbeile kommt Christian Stoller, Peters Sohn von Kandergrund in den Besitz einer 5454 Quadratfuss grossen Hausmatte, die er von Albrecht Egger erwirbt. Er muss hier sofort mit den Bau begonnen haben und erstellte das unten beschrieben Gebäude.

Der erste Hinweis auf eine Zündholzfabrik des Christian Stoller ist im Bericht des Amtsarztes für das Jahr 1865 zu finden. Er berichtet hier folgendes: «Ganz freistehend, neu und sehr sauber, zweckmässig eingerichtet, alles feuerfest. Von mässigen Umfang aber mit sehr hohen Räumen, welche gut getrennt sind. Im Packzimmer trafen wir auf den Ofen wo viele Milch oder Kaffeetöpfe standen und den Phosphordämpfen ausgeliefert waren.» Im Lagerbuch der Gemeinde Frutigen finden wir unter Nummer 1126 weitere Einzelheiten zu dieser Fabrik. Die Brandversicherung erfolgte am 11.01.1866 auf 10.500 Fr. Das Gebäude besteht aus 2 Stockwerken und hat die Masse 110 x 23 m, ist mit Ziegel gedeckt.

Aus dem Bericht vom 25. Juli 1865 von der Untersuchung der Zündholzfabriken im Berner Oberland erfahren wir, dass die Fabrik Stoller sowohl rohe Zündhölzer, wie auch Schachteln kauft, um selbst sich bloss auf das anbringen der Zündmasse zu beschränken.

Obwohl die Fabrik von Stoller sich ziemlich abseits befindet, betreibt der letztere im Dorfe selbst einen Kramladen, wo die Arbeiter teilweise auch mit den Lebensmitteln versorgt werden.

1870 - 1873 Rainbrügg (Fabrik II)

Gottlieb von Känel

Mit der Kaufbeile vom 22. Juli 1870 kommt der Besitz, darunter das neu erbaute Fabrikgebäude, der Holzschopf nebst Magazin, in den Besitz von Gottlieb von Känel, Jakobs Sohn von Reichenbach.

Aus dieser Zeit wird berichtet, dass hier Arbeiter beschäftigt gewesen sind, die auf Phosphornekrose erkrankt seien. Es besteht auch der Hinweis, daß am 24.07.1870 durch Zufall ein Brand ausbrach, wobei ein Schaden von 64,70 entstanden ist. Bei der Brandangabe wird auf die Zündholzfabrik des Gottlieb v. Känel hingewiesen. An anderer Stelle wird aber auch über Jakob von Känel gesprochen. Wahrscheinlich sind die Geschäfte sowohl vom Vater, wie auch dem Sohn wahrgenommen worden.

1874 - 1876 Rainbrügg (Fabrik II)

Gilgian Brügger

Am 6. Januar 1874 wird das jetzt unter Nr. 1126 für Fr. 10.500 gegen Brandschaden versicherte Gebäude an Gilgian Brügger allié von Känel, Gilgians sel. Sohn aus Adelrain verkauft.

Es wird am 1.04.1875 über einen Brand berichtet, der im Raum wo sich der Dörrofen befand, ausgebrochen ist. Der Brandschaden wird auf 178 Franken festgelegt.

über den Zeitraum von Gilgian Brügger ist eigentlich nicht viel bekannt, ausser, dass im Bericht des Amtsarztes für das Jahr 1876 sechs Verbesserungen zu finden sind, die auszuführen wären. Es kommt im Jahr 1876 zu einen weiteren Besitzerwechsel, wobei Brügger durch den Obmann zu Rekenthal vertreten ist.

1876 - 1877 Rainbrügg (Fabrik II)

Johannes Stoller & Johannes Kambly

Zündholzfabrik

In der Kaufbeile vom 7. November 1876 werden als neue Besitzer Johann Stoller allié Jungen, Christians Sohn von und in Kandergrund, und dessen Schwager, Johann Kambly allié Stoller von Zürich, Negotiant in Frutigen genannt.

Es ist bloss ein ganz kurzer Zeitabschnitt, wo im Zusammenhang mit dieser Fabrik, sowohl der Name Stoller, wie auch Kambly erscheint.

1878 - 1883 Rainbrügg (Fabrik II)

Johannes Kambly

Zündholzfabrik

Ab den Jahr 1878 wird die Zündholzfabrik als die des Johann Kambly bezeichnet, seine alleinige Unterschrift ist auch unter der gemeinsamen Fabrikordnung für die Zündholzfabriken im Amte Frutigen vom 23.10.1878 zu finden.

Zum eigentlichen Besitzerwechsel kommt es erst mit der Kaufbeile vom 18. Mai 1880, wo Johannes Stoller seinen Teil an Johann Kambly verkauft.

Bereits vor diesem Vertrag stellt Johann Kambly im Januar 1880 das Gesuch für eine Bau- und Einrichtungsbewilligung zwecks Fertigung schwedischer Zündhölzchen. Es soll ein Anbau an die bestehende Fabrik erfolgen. Der Amtsarzt spricht dafür in seinem Bericht für das Jahr 1880 von einem Neubau, der erstellt worden sein musste. Im Bericht für das Jahr 1881 erfahren wir dazu mehr: «Die Fabrik ist ganz neu erbaut und nach dem Gesetz hergestellt; nur der Dörrofen befindet sich daneben im alten Gebäude, das nun zu einer Wohnung hergerichtet ist. Die Entfernung zwischen beiden Gebäuden beträgt bloss 120 cm.»

1883 - 1912 Rainbrügg (Fabrik II)

J. C. Kambly fils

Zündholzfabrik

Johann Kambly muss die Fabrik auf seinen Sohn Johann Karl Kambli übertragen haben, denn am 24.02.1883 ist folgender Eintrag ins Handelsregister zu finden: «Inhaber der Firma Jn. Chs. Kambly, fils à Frutigen, ist Jean Charles Kambly allié Stoller, Zündwarenfabrikant, von Zürich, bei der Rainbrügg zu Frutigen.»

An der im selben Jahr statt gefundenen Landesausstellung Zürich wird Kambly mit einen Diplom ausgezeichnet, Spezialität Chem. Zündhölzchen.

Für das Jahr 1887/1888 berichtet der Amtsarzt, dass in der Fabrik die gewissenhafte Ordnung auffällt. Sie sei gut eingerichtet und die Haltung der Arbeiter sei vorschriftsmässig.

Am 11.02. 1890 tritt Jean Kambly der Zündwarengesellschaft Frutigen bei. Er gehört zu den grösseren Fabrikanten mit einen Limit von 80 Kisten pro Woche. Die im Jahr 1891 durchgeführte Inventarschätzung bewertet die Liegenschaft auf 17.780 Fr., die Maschinen und Einrichtungen nur auf 355 Fr.

Im Jahr 1890 soll die Fabrik lt. des Berichts des Amtsarztes zeitweise an J. Caspar Kambly-Strüby aus Reichenbach verpachtet gewesen sein. Er benutzte das ganze Jahr durch aber bloss das Füllzimmer.

Der Haftpflichtliste aus dem Jahr 1894 nach waren in der Fabrik durchschnittlich 14 Arbeiter eingestellt gewesen.

Im Jahr 1897 ist die Unterschrift von Jean Kambly auch unter dem Gesuch an die Hohe Bundesversammlung zu finden, wo um eine Entschädigung wegen des Phosphorverbots nachgesucht wird. Im Zusammenhang mit den nun erforderlichen erneuten Fabrikationsbewilligung ist auch ein schreiben vom 12.03.1900 vorhanden, in dem J.C. Kambly genau alle Fabrikationsräume und Abläufe beschreibt. In dieser Zeit kämpft Kambly auch um die richtige Zündmasse. Die erste, die genehmigt worden ist, erzielt bei der Verwendung keine guten Resultate. So wird eine zweite Rezeptur eingereicht, die seitens der Direktion des Innern am 25.05.1901 genehmigt wird. Die richtige Verwendung der Rezepturen wird seitens des Kantons Chemikers geprüft, am 27.06.1901 berichtet er dazu:«Die Fabrik befindet sich im vollen Betrieb. Herr Kambly habe noch keine Reklamationen erhalten. Er fabriziere genau nach dem bewilligten, modifizierten Rezept für die Zündmasse und sei mit den Verfahren zufrieden. In der Fabrik scheint gute Ordnung zu herrschen. Indessen wird auch hier nur durch Handbetrieb gemahlen. Die Hölzchen, die gleich wie bei den anderen Fabrikanten in kleinere und größere Schachteln verpackt sind, brennen zwar leicht an und spritzen dabei nicht. Sie vertragen aber selbst heftiges Werfen der Schachteln auf harten Cementboden, ohne sich zu entzünden.»

Noch bis in das Jahr 1901 verfügt die Fabrik über keine Elektrizität, was Kambly zwingt, alle Arbeiten manuell auszuführen. Um aber den notwendigen Exhaustor (Entlüfter) in Betrieb zu nehmen musste die Elektrizität her, was dann auch im Jahr 1901 auch geschehen ist.

Im Jahr 1903 wird von Kambly das Rezept für die Fertigung von mit Lack überzogenen Zündhölzern vorgelegt, die letzten lassen sich schwerer entzünden, wie die nicht lackierten. Die geforderte Genehmigung wird vom Regierungsrat erteilt. Aus was für Gründen auch immer, im Jahr 1912 entschließt sich J.C. Kambli die Fabrik in Rainbrück aufzugeben. Sie wird amtlich am 4.11.1912 als eingegangen bezeichnet und von der Fabrikliste gestrichen. Die Streichung im Handelsregister erfolgt mit Eintrag vom 26.03.1913: «Die Firma Jean Charles Kambly, fils. Zündwarenfabrikant bei der Rainbrücke zu Frutigen (SHAB vom 3. März 1883), ist infolge Wegzugs des Inhabers erloschen.»

1913 - 1916 Rainbrügg (Fabrik II)

Albert Klopfenstein

Zündholzfabrik

Kambly hat die Fabrik aufgegeben und ist als Privatier nach Neuenstadt weggezogen. Vordem hat er aber am 13. November 1913 alle Immobilien bei der Rainbrügg an Albert Klopfenstein, Peters sel. Sohn, Fabrikant und Gemeinderat bei Rainbrügg zu Frutigen verkauft.

Nach Feststellung des Statthalters in Frutigen war Albert Klopfenstein nun im Besitz von zwei Fabriken, der obigen, sowie der Fabrik die er im Jahr 1903 vom Peter Klopfenstein, Vater, gekauft hat. Es handelt sich hierbei um die hier hervorgehobene Zündholzfabrik, Grundbuchblatt 972, unter 1127 A für Fr. 7.700 brandversichert, sowie um die im Grundbuchblatt 1014A und unter 997 A brandversicherte Zündholzfabrik, beide bei der Rainbrücke.

Die Fabrik in Rainbrügg war trotz Übernahme nicht im Betrieb. Die Lage ändert sich erst 1917, nach dem Tod von Albert Klopfenstein, er ist am 15.10.1916 verstorben.

1916 - 1918 Rainbrügg (Fabrik II)

W-we Albert Klopfenstein

Inh.: Ida Klopfenstein geb. Schneider

Die übernahme der Fabrik seitens der Witwe wird im Handelsregister mit Eintrag vom 23.01.1917 dokumentiert: «Die Firma Albert Klopfenstein in Frutigen (SHAB Nr. 27 vom 1. Februar 1907, Seite 181) ist infolge Todes des Inhabers erloschen. Aktiven und Passiven sind übergegangen an die Firma "W-we. Albert Klopfenstein" in Frutigen.»

Inhaberin der Firma W-we. Albert Klopfenstein ist Frau Witwe Ida Klopfenstein, geb. Schneider, von und in Frutigen. Die Firma übernimmt Aktiven und Passiven der erloschen Firma "Albert Klopfenstein" in Frutigen. Zündholzfabrikation.

Im Zusammenhang mit der Übertragung der Fabrikationsbewilligung besucht der Fabrikinspektor wieder die Fabrik und stellt fest, dass er im allgemeinen alles in Ordnung gefunden hat. Er empfielt die übertragung der Bewilligung. Er nutzt aber die Gelegenheit und breitet zwei Auflagen vor:

Die Füllzimmer müssten mit mechanischen Ventilatoren ausgestattet werden.

Die Firma wird verflichtet, Angaben über zukünftige Verpackungs- und Transportweise der Zündhölzer vorzulegen, wie auch Muster der Verpackungen einzusenden.

1919 - 1927 Rainbrügg (Fabrik II)

Gotthold Gehring

Zündholzfabrik

Mit Kauf-Vertrag vom 31. Dezember 1918 verkauft Frau Ida klopfenstein, geb. Schneider, Peter Alberts sel. Witwe bei der Rainbrücke die Immobilie Grunbuchblatt Nr. 972 an Gotthold Gehring, Mathias sel. von Riedlingen, Fabrikant in Frutigen.

Gotthold Gehring ist bereits Besitzer einer Zündholzfabrik am anderen Ufer der Kander, die er zusammen mit seinen Bruder betreibt. Es wird weiter mit 14 Arbeitern produziert, auch eine neue Fabrikordnung wird zur Genehmigung vorgelegt. Bereits im Jahr 1923 hat Gehring in Zrydsbrügg eine gebrauchte Kompletmaschine instaliert. Die Interesse für die Fabrik an der Rainbrügg ist somit nicht mehr gross. Im Jahr 1926 fällt der Entschluss die ganze Fertigung auf die andere Seite der Kander, an die Zrydsbrügg zu verlegen.

Der Besitz unter der Grundbuchnummer 972 an der Rainbrück wird an den Fabrikarbeiter Ernst Horisberger allié Trummer, Jakobs sel. verkauft. Als letzter Besitzer ab 1987 ist Rudolf Schmid bekannt.

1870 - 1877 Rainbrügg (Fabrik III)

Peter Klopfenstein

Zündholzfabrik

Der erster Hinweis auf die Zündholzfabrik von Peter Klopfenstein, Vater ist im Lagerbuch der Gemeinde Frutigen zu finden, wo unter Nummer 1237 die 41x20 m grosse Immobilie mit der Versicherungsumme von 3.500 Fr. eingetragen ist.

Das Baugesuch für die Zündholzfabrik an der Rainbrück seitens des Fuhrmanns Peter Klopfenstein, Abrahams Sohn, stammt vom 7.02.1870. Noch im selben Jahr ist der Bau fertig und wird in Betrieb genommen. Die Fabrik von Peter Klopfenstein wird von einigen Brandfällen heimgesucht. Bereits im Jahr 1873 und 1875 kommt es zu kleineren Bränden. Am 5.05.1877 brennt die Fabrik vollständig ab. Im damaligen Zeitungsbericht lesen wir dazu: «In Frutigen brannte am 5. d. in Morgenfrühe die Zündholzfabrik des Peter Klopfenstein bei der Rhynbrücke gänzlich nieder. Das Mobilar wie der beträchtliche Warenvorrath sind mitverbrannt. Einzig an leeren Zündholzschachteln ist Hrn. Klopfenstein ein Schaden von 2.000 Franken entstanden.»

1877 - 1891 Rainbrügg (Fabrik III)

Samuel Klopfenstein

Zündholzfabrik

Das Fabrikgebäude wird wieder aufgebaut und weiter in Betrieb genommen. Als Eigentümer der Fabrik tritt jetzt Samuel Klopfenstein, Sohn von Peter, auf. Wahrscheinlich ist die Fabrik von Samuel Klopfenstein in Pacht genommen worden. Genaueres dazu ist vorerst nicht bekannt.

Unter der Fabrikordnung vom 23.10.1878 für die Zündholzfabriken im Amte Frutigen ist bereits die Unterschrift von Samuel Klopfenstein zu finden. Bereits im Jahr 1879 wird Klopfenstein mit den neuen Bundesgesetz betr. Verbot des gelben Phosphor konfrontiert. Auch er ist nicht im Stande, sich sofort mit der Produktion umzustellen, es sind Anzeigen aus dieser Zeit bekannt, auch wegen nicht Einhaltung des Fabrikgesetzes. Erst im Jahr 1881 wird das Gesuch um eine Baubewilligung für die Fertigung neuer Zündhölzer gestellt, zum Streitpunkt wird hier der Dörrofen, dessen Aufbau ausserhalb des eigentlichen Fabrikgebäudes stattfinden muss. Samuel Klopfenstein bekommt auch Ärger mit der schweizerischen Centralbahn, seine in Thun zur Beförderung aufgegebene Sendung wird wegen Feuergefahr beanstandet. Der Amtsarzt beschreibt uns die Fabrik in seinem Bericht für das Jahr 1881 folgend: «Die alte Fabrik ist umgeändert mit einen neuen Anbau für ein Füllzimmer. In der Schwefelküche ist der Fussboden besser herzustellen. Im Tunkzimmer ist die &Ouuml;ffnung gegen den Tröcknerraum zumauern. Die Öfen müssen mit einen Mantel umgeben werden. Der Dörrofen im Gebäude soll nicht mehr benutzt werden, sondern in einiger Entfernung neu erstellt werden. Die Reibfl¨chenmasse soll in eine zweite Reibnühle weggeschafft werden. Das Magazin für die Rohmaterialien ist neu erbaut.»

Am 28.04.1883 wird die Fabrik folgend ins Handelsregister eingetragen: «Inhaber der Firma Samuel Klopfenstein, Fabct. in Frutigen ist Samuel Klopfenstein, Peters Sohn, Zündwarenfabrikant bei Rainbrügg von und zu Frutigen.»

Im Jahr 1886 beschäftigt Samuel Klopfenstein 13 Arbeiter.

Am 11.2.1890 tritt auch Samuel Klopfenstein der Zündwarengesellschaft Frutigen bei, sein Ausstoss wird auf 60 Kisten festgelegt. In der Inventarschätzung aus dem Jahr 1891 wird die Liegenschaft mit 4.000 Fr. bewertet und Maschinen und Einrichtungen auf 995 Fr. Die Fertigung muss also hauptsÄchlich manuell vor sich gehen. Auch vieles andere liegt im argen, was von Fabrikinspektor beanstandet wird. Wahrscheinlich fehlt es auch an Kapital, um die geforderten Arbeiten durchzuführen. Warum Samuel Klopfenstein die Fabrik aufgegeben hat ist nicht bekannt.

1891 - 1903 Rainbrügg (Fabrik III)

Peter Klopfenstein

Zündholzfabrik

Am 3.03.1891 kommt die Fabrik durch Abtretungsvertrag an den Bruder von Samuel, Peter Klopfenstein allié Allenbach, Peters Sohn.

In der Fabrik findet zunächst keine Fertigung statt, der Eigentümer erhält dafür vom sog. Comptoir eine Entschädigung. Nachdem nun das Comptoir auseinandergefallen ist, bemüht sich Peter Klopfenstein um eine erneute Betriebsbewilligung. Diese wird auch am 24.12.1896 mit einigen Auflagen erteilt. Am 6.11.1897 wird auch eine Fabrikordnung genehmigt.

Im Dezember 1897 unterschreibt Peter Klopfenstein auch das Gesuch an die Hohe Bundesversammlung, in dem um eine Entschädigung wegen des Verbots des gelben Phosphor gebeten wird. Nun, wo es zum endgültigen Verbot des gelben Phosphor kommt fangen die Probleme für Peter Klopfenstein erst richtig an. Bereits die Expertenkommission berichtet, dass ihr seitens Klopfenstein keine Packungen zur Begutachtung vorgelegt worden sind. Es werden auch einige Rezepturen zur Genehmigung vorgelegt, die danach in der Praxis sich nicht so richtig verwenden lassen. Alle diese Probleme führen dazu, dass Peter zum 8.12.1903 die Fabrik seinem Sohn Albert übergibt.

1903 - 1916 Rainbrügg (Fabrik III)

Albert Klopfenstein

Zündholzfabrik

Albert Klopfenstein übernimmt die Zündholzfabrik von seinem Vater Peter im Jahr 1903. Als Eigentum wird die Immobilie aber erst am 8. August 1910 per Abtretungs-Vertrag überschrieben.

Im Handelsregister wird mit Eintrag vom 30. Januar 1907 festgehalten: «„Inhaber der Firma Albert Klopfenstein in Frutigen ist Albert Klopfenstein, Peters, Zündholzfabrikant, von und in Frutigen. Natur des Geschäftes: Zündholzfabrikation.»

Albert Klopfenstein muss nun die Fabrik an die neuen Verhältnisse und Anforderungen anpassen. Als Bauvorhaben steht der Trockenofen auf dem Plan, dieser soll ausserhalb des Fabrikgebäudes entstehen. Nachdem der Fabrikinspektor seine Bedenken angemeldet hat, kommt es im Jahr 1904 auch zum Umbau der Schwefelküche. Es werden zwei zusätzliche Fenster geschaffen, 1.80 x 0.9 m. gross. Alle diese Bauvorhaben werden einzeln zur Genehmigung vorgelegt. Als weitere Massnahne soll auch das F&uumL,llzimmer verlängert werden.

Nach einen Bericht des Amtsarztes beschäftigt Klopfenstein im Jahr 1904 10 Arbeiter. In den durch den Fabrikinspektor durchgeführten Inspektionen in allen Zünholzfabriken des Amtsbezirkes werden immer wieder neue Mängel gefunden, eine Fabrik ohne Mängel gibt es eigentlich nicht. Auch bei Albert Klopfenstein wird bei einen Besuch vom 1.09.1905 folgendes festgestellt:

«a. Die Reinlichkeit lässt überall, namentlich aber im Magazin, zu wünschen übrig.

b. Die Kleiderschränke fehlen.

c. In den angeschlagenen Krankheit Verhütungsvorschriften sind Bussbestimmungen enthalten.

d. Die Arztvisiten sind im Buch nicht eingetragen.»

Im Jahr 1909 sind die Fabrikräumlichkeiten wieder zu klein, es wird die Vergrösserung des Einlegezimmers und der Anbau eines Packzimmers beantragt. Im Jahr 1913 folgen weitere Baupläne. Es entstehen jetzt Räume in denen Schachtel und Holzdraht hergestellt werden soll. In den neuen Räumen sollen 6-8 Maschinen aufgestellt werden, mit elektrischen Antrieb. Es fehlt die Aussage über die genaue Art dieser Maschinen.

Interessant der Hinweis: Es wird hier ferner das anstreichen und etikettieren der Schachteln vorgenommen.

Im Jahr 1914 nimmt Albert Klopfenstein an der Landesausstellung Bern 1914 Teil. Zur Ausstellung kommen ca. 700 Zündholzschachteln, gefüllt mit «tollen» Zündhölzchen.

Die Fabrik soll nun nach dem Ausbau 25-30 Arbeiter beschäftigen. Für ihre Exposition wird die Fabrik mit der silbernen Medaille ausgezeichnet.

Am 15.10.1916 stirbt Albert Klopfenstein. Der Besitz geht auf die Witwe Ida Klopfenstein-Schneider über.

1917 - 1921 Rainbrügg (Fabrik III)

Emilie Klopfenstein

Zündholzfabrik

Frau Emilie Klopfenstein ist die Schwester des verstorbenen Albert und kommt auf Umwegen in den Besitz der Fabrik in Rainbrügg, vormals Kambly. Die Witwe von Albert Klopfenstein und Alleinerbin Frau Ida Klopfenstein, geb. Schneider, trennt sich von der Fabrik in Rainbrück, indem sie diese an ihre Schwiegermutter Frau Luise Klopfenstein-Allenbach, Peters sel. Witwe, Gutsbesitzerein in Hasli, verkauft. Frau Luise Klopfenstein vertraut nun dem Betrieb der Fabrik ihrer Tochter Frau Emilie Klopfenstein an.

Am 12.06.1917 bemüht sich nun Frau Emilie Klopfenstein bei der Direktion des Innern um die Fabrikationsbewilligung, sowie die Erlaubnis, die Rezepte vom Bruder Albert benutzen zu dürfen. Am 14.08.1917 wird seiten Frau Emilie Klopfenstein ein Fragenschema ausgefüllt, in dem auf 13 Arbeiter hingewiesen wird. In der Fabrik befindet sich weiter bloss eine Maschine, Elektrizität ist vorhanden, was den Antrieb der Abluft erlaubt. Frau Emilie Klopfenstein scheint noch keine Etiketten verwendet zu haben, denn der Landjäger berichtet am 25.09.1917 über einen Stempel mit der Aufschrift «Emilie Klopfenstein, Zündholzfabrik Frutigen», der in Verwendung sei. Aber noch im Jahr 1920 gibt es Beanstandungen, im Verkauf befanden sich Zündhölzer von Frau Emilie Klopfenstein, auf denen die Firmenbezeichnung fehlte.

Die Zündholz Fabrikationsbewilligung wird vom Regierungsrat am 29.12.1917 erteilt.

Im Juni 1919 wird auch eine neue Fabrikordnung für die Fabrik genehmigt, eine weitere Ausführung ist vom 21.12.1920 bekannt.

Das ledige Fräulein Emilie Klopfenstein heiratet Gottlieb Bircher.

1921 - 1927 Rainbrügg (Fabrik III)

Gottlieb Bircher-Klopfenstein

Zündholzfabrik

Nachdem Emilie Klopfenstein geheiratet hat, wird die Fabrik weiter unter den Namen des Ehemanns betrieben. Aus den nächsten Jahren sind Fälle bekannt, wo die Fabrik gänzlich stillgelegt ist und dann wiederum unerlaubt in Überzeit auch an Samstagen Zündhölzer fabriziert. Nach den Bemerkungen des Fabrikinspektors ist die Fertigung bereits Anfang 1924 eingestellt und nicht mehr aufgenommen worden. Am 6. Oktober 1927 wird zwischen Frau Louise Klopfenstein und den schwedischen Trust ein Dienstbarkeitsvertrag abgeschlossen, in dem sie sich verpflichtet, in der ehemaligen Zündholzfabrik keine Fabrikation mehr zu betreiben. Die schwedische Seite wird durch folgende, in der Schweiz ansässigen Zündholzfabriken repräsentiert: Diamond in Nyon, J. H. Moser AG in Kanderbrück, Fabrique Suisse d´Allumettes S.A. Fleurier, E. Theilkäs-Gyseler in Wengi, Zündholzfabrik Hans Zumstein A.G. in Wimmis, Kanda AG in Kandergrund. Der Vertrag selbst, wie auch die beigefügten Vollmachten sagen leider nichts über eine gezahlte Abfindung aus.

Am 4.07.1927 ist die Fabrik bereits stillgelegt und von der Fabrikliste gestrichen. Die ganze Immobilie bleibt aber weiter im Besitz der Familie und wird erst im Jahr 1948 an die Eheleute Rudolph und Margritha Steiner-Moser verkauft.