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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Bern

Amtsbezirk Frutigen


1858 - 1870 Reinisch (Fabrik I)

Christian Zurbrügg

Zündholzfabrik unter Nr. 948

Christian Zurbrügg, Johannes sel. Sohn von Reichenbach, Tierarzt zu Frutigen, wird auch in der Zündholzindustrie tätig.

Er kauft dafür am 17.03.1857 eine Matte in Reinisch, wo später der Fabrikbau entstehen soll. Eine Bau- und Einrichtungsbewilligung, für die Fabrik am Reinisch wird seitens des Regierungsstatthalters am 17.08.1858 erteilt. Das mit Ziegel bedecke Gebäude, bestehend aus einem Stockwerk und den Grundmassen von 33x20 m, wird im Lagerbuch unter der Nummer 948 festgehalten und ist mit 1800 Fr. versichert. Die Fabrik befand sich unweit der Zündholzfabrik von Jakob Rieder. Im Bericht des Amtsarztes für das Jahr 1865 lesen wir zu dieser Fabrik folgendes: «Es ist eine Einrichtung mit allen nur möglichen mangelnden Eigenschaften, welche in der Tat in diese Weise nicht länger geduldet werden sollte. In der einen Hütte finden wir vereint den Tunkraum, das Trocknen und das Einrahmen der Hölzchen. Der Raum besitzt bloss eine Holzdecke. Im benachbarten Hause ist das Einlegezimmer eingerichtet, ein dusterer und nicht belüfteter Raum».

Die Fabrik beschäftigt in dieser Zeit 20-30 Arbeiter. Christian Zurbrügg stirbt am 6.August 1870. Die Fabrik kommt in die Erbmasse, wobei die Witwe Frau Elisabeth Zurbrügg geb. Steiner als alleinige Noterbin ausgewiesen wird. Die Feststellung des Erbes erfolgt erst am 19.01.1871.

1871 - 1877 Reinisch (Fabrik I)

Christian Zurbrügg, Sohn

Zündholzfabrik

Bereits nach einigen Tagen, am 24.0.1871 übergibt Frau Zurbrügg mit einer Abtretungsbeile die Fabrik an ihren Sohn Christian Zurbrügg, Christians sel., Handelsmann an Reinisch. Sohn Christian betreibt auch ein Wirtshaus in Reinisch. Er muss sich mit der Konkurrenz nicht gut verstanden haben, denn im Jahr 1874 erstatten die Fabrikanten Rieder, Aellig und Gyseler eine Anzeige gegen ihm. Er soll sich nicht, an die Bestimmungen des Regulativs vom 15.12.1865 halten. Es folgen danach einige Kontrollen in deren Beschreibung die Räumlichkeiten und Bedingungen genau dargestellt werden. Die Anzeige gegen Zurbrügg verursacht nun eine weitere, die von Zurbrügg gegen weitere Fabrikanten. Die Situation eskaliert, aber bereits im Jahr 1876 lebt Zurbrügg nicht mehr, denn es gibt denn Hinweis auf dessen Witwe. Noch vor seinem Tode übereignet Christian Zurbrügg die Immobilien, darunter auch die Zündholzfabrik an seine noch minderjährigen Kinder, als deren Beistand Dr. Jakob Schären amtlich bestellt ist.

1877 - 1878 Reinisch (Fabrik I)

Jakob Schären

Zündholzfabrik

Jakob Schären, der im Amtsbezirk Frutigen auch als Amtsarzt tätig ist, kommt im Jahr 1877 in den Besitz der ehemaligen Zündholzfabrik Zurbrügg.

Der Erwerb erfolgt am 18.08.1877 im Rahmen eines Gantnachsteigerungsverkaufs, wobei Dr. Schären die Fabrik und die Immobilie wahrscheinlich in Interesse der Kinder des sel. Zurbrügg an sich brachte. Er ist zwar im Besitz der Fabrik, will aber bestimmt nicht die Fabrikation von sich aus betreiben. Er behält diesen Besitz bloss einige Monate.

1878 - 1879 Reinisch (Fabrik I)

Gottlieb Klossner

Zündholzfabrik

Bereits am 18.03.1878 kommt es zu einem weiteren Steigerungskauf, wobei als höchst bietender Herr Gottlieb Klossner, Gemeindeschreiber zur Reichenbach sich den Besitz sichert. Auch dieser dürfte nicht selbst an der Fabrikation von Zündh&oumllzern interessiert gewesen sein. Wie wir wissen, war die Fabrik zwischen 1878-1890 an Jakob Polier-Indergand verpachtet.

Gottlieb Klossner konnte seinen Verpflichtungen wahrscheinlich nicht nachkommen, denn zum 20.01.1880 folgt der nächste Gantsteigerungsverkauf.

1880 - 1887 Reinisch (Fabrik I)

Jakob Schären & Comp.

Zündholzfabrik

Bei der Gantsteigerung vom 20.01.1880 ersteigerten den Besitz die Herren Dr. Schären, Arzt; Johann Gottlieb Rieder, Amtsschfafner; Johann Reihen Landhauswirt alle aus Frutigen, sowie Johann Isaak Stoller, der letzte gab seinen Teil zugunsten der anderen Besitzer bereits am 4.01.1881 ab. Wie im Schreiben an die Direktion des Innern vom 30.12.1880 festgestellt, müssen die neuen Besitzer auch einen Um und Ausbau der Fabrik durchführen, um dem Regulativ vom 25.05.1880 zu entsprechen. Die an Jakob Polier-Indergand verpachtete Fabrik musste bereits kurz nach dem ersten Verbot des gelben Phosphors aufgegeben worden sein.

1878 - 1887 Reinisch (Fabrik I)

Jakob Schären und weitere Besitzer

Zündholzfabrik

Pächter: Johann, Jakob Polier-Indergand

Die Bittschrift an das Eidg. Handelsdepartement um Verschiebung des Verbots des gelben Phosphor um zwei Monate wird am 9.12.1880 bereits von Polier Indergand unterschrieben. Wie es zu einen Pachtvertrag gekommen ist, ist uns vorerst nicht genau bekannt. Es ist aber gewiss, dass Polier Indergand nicht ohne weiteres die sicheren Zündhölzer herstellen konnte, er lässt sich dazu verleiten, weiter Zündhölzer bei Nutzung von gelben Phosphor herzustellen. Dies bringt ihm einige Anzeigen, Bussgelder, aber auch Strafverfahren ein. Bei J.J. Polier Indergand erscheint die Bezeichnung Wirtschafter. Die Fabrik scheint nun umgebaut, denn wir lesen dazu: «Die alte Fabrik ist ganz neu umgeändert, überall ganz frisch verputzt und die Fussböden mit Cement versehen, alle Zimmer gehörig getrennt. Es finden sich von denen der Reihenfolge nach, Schwefelküche, Tunk, Trücken und Füllraum, überall vorschriftsmäßig eingerichtet».

Es folgen noch einige weitere Bemerkungen. Die Fabrik, in der zuletzt fünf Arbeiter beschäftigt waren, wird wahrscheinlich bereits im Jahr 1884 aufgegeben. Genaue Angaben dazu fehlen.

1887 - 1900 Reinisch (Fabrik I)

Gebrüder Johann & Anton Trachsel

Zündholzfabrik

Am 6.12.1887 verkaufen die vorgehenden Besitzer die Liegenschaft mit Fabrik an die Gebrüder Johannes und Anton Trachsel. Das Gebäude der Zündholzfabrik wird jetzt in der Brandassekuranz unter der neuen Nummer 1240a geführt.

Ob die Gebrüder Trachsel in der alten Fabrik die Fertigung von Zündhölzeren aufgenommen haben ist nicht bekannt. Am 14.02.1890 treten die Gebr. Trachsel der Zündwaarengesellschaft Frutigen bei, erhalten keinen Fertigungslimit, aber dafür eine jährliche Entschädigung von 200 Fr. Es gibt hier zunächst also keine Fabrikation. Erst im Jahr 1895 wird die Angelegenheit einer neuen Fertigungs-Bewilligung behandelt. Natürlich werden vom Fabrikinspektor einige Punkte aufgelistet, die vordem erledigt werden müssten. Zum Streitpunkt entwickelt sich die Forderung, es müsse ein Tunkapparat der Firma Roller installiert werden. Von dieser Pflicht seinen die anderen Fabrikanten vorerst befreit. Auch die Bewilligung der neuen Rezeptur für phosphorfreie Zündhölzer gestaltet sich schwierig. Die Gebr. Trachsel sind nicht im Stande, allen geforderten Bedingungen nachzukommen.

Wie der Fabrikinspektor in seinen Kontrollberichten zwischen 1893 bis 1900 feststellt, war die Fabrik in dieser Zeit nicht mehr in Betrieb.

Es kommt also zur keiner neuen Betriebsbewilligung und zur erneuter Aufnahme der Fabrikation.

1859 - 1861 Reinisch (Fabrik II)

Elisabeth Schmid geb. Zurbrügg

Zündholzfabrik unter Nummer 949

Dass Elisabeth Schmid geb. Zurbrügg, Abrahams Ehefrau eine Zündholzfabrik eingerichtet und betrieben hat, ergibt sich aus einen späteren Kaufvertrag, wie auch dem Eintrag ins Lagerbuch. Das Grundstück auf dem die Fabrik erbaut worden ist, bekam Elisabeth Schmid anhand einer Abtretung vom 26.10.1854.

Die Fabrik wird zum 1.01.1859 unter Nr. 949 für Fr. 1100 gegen Brandschaden versichert. Es handelt sich um ein mit Schiefer gedecktes 25 x 25 m. grosses und ein Stockwerk hohes Gebäude. Für Frau Schmid bestand keine Betriebsbewilligung, wie auch kein Gewerbeschein.

Nähere Angaben über diese Zeit können vorerst nicht festgelegt werden.

1861 - 1862 Reinisch (Fabrik II)

Gottlieb Karpf

Zündholzfabrik

Am 6.08.1861 wird die Fabrik an Gottlieb Karf, von Hilterfingen, Müllermeister zu Frutigen, verkauft. Diese Änderung ist nicht im Lagerbuch vermerkt, es ist auch ungewiss ob überhaupt in dieser Zeit Zündhölzer fabriziert worden sind. Es sind keine Betriebsbewilligung und kein Gewerbeschein vorhanden. Nähere Angaben über diesen Zeitabschnitt fehlen.

1862 - 1866 Reinisch (Fabrik II)

Jakob Rieder

Zündholzfabrik

Bereits nach einen Jahr verkauft Gottlieb Karpf am 16.07.1862 dem Besitz an Abraham Schmid, Melchiors sel. Sohn. In der Kaufbeile wird u.a. ein Gebäude ausgewiesen, dienlich zu einer «Zündhölzchen Fabrike». Ob Karpf und danach Abraham Schmid hier Zündhölzchen hergestellt haben, ist aus anderen Quellen nicht bekannt. Am selben Tag wird die Fabrik weiter veräussert, nun an Jakob Rieder Hans sel. Sohn, Bäckermeister und Handelsmann aus Frutigen, heimatberechtigt in Knolfingen.

Erst Jakob Rieder beantragt auch den Gewerbeschein für eine Zündhölzchenfabrik, der am 15.06.1864 ausgestellt wird. Die Versicherungssumme gegen Brandschaden wird nun auf 1400 Fr erhöht. Von der Versicherungssumme her ist anzunehmen, dass es sich um eine ganz kleine Fabrik handeln musste. Im Bericht für das Jahr 1865 lesen wir über die Fabrik folgendes: «Hoch über dem Dorfe gelegen, ebenfalls isoliert. Die Fabrik befand sich unweit der Zündholzfabrik von Christian Zurbrügg. Beschäftigt werden etwa 20 Arbeiter(ohne Heimarbeiter), wöchentliche Produktion 25000 Schachteln. In sehr tadelnder Weise eingerichtet, indem das Trocknen sowohl im Packraum als auch im Raum wo geschwefelt und getunkt wird stattfindet, so, dass im solchen Gerade dafür gesorgt ist, dass die Arbeiter möglichst lange und innig mit den schädlichen Dämpfen in Berührung bleiben. Ein zweiter Einlageraum in einen anderem Gebäude, sehr niedrig und düster, es ist mir ein besonderer Leichtsinn aufgefallen, mit welchem gefüllte Rahmen nach dem Tunken in grösser Nähe des geheizten Offen getrocknet werden.» Es wird in dieser Zeit auch über Nekrosefälle berichtet.

1866 - 1875 Reinisch (Fabrik II)

Heinrich Heller

Zündholzfabrik

Am 4. September 1866 wird die Fabrik an Heinrich Heller, Heinrichs sel. Sohn allié Aellig , von Wyl verkauft.

Die Fabrik ist mit allen Mängeln übernommen worden und wird in bisheriger Form im alten Wohnhaus weiter betrieben. Im Jahr 1872 wird ein zweites kleineres Gebäude gebau,t das als Einlegeraum genutzt werden soll, hier auch entsteht ein neuer Dörrofen. Heinrich Heller hatte einige Schwierigkeiten mit der Einhaltung der Schulordnung. Er beschäftigte in seiner Fabrik wahrscheinlich Schüler, was ihm eine Anzeige mit Gerichtsverfahren einbrachte.

Ob Heinrich Heller die Fabrik selbst betrieben hat, oder auch an Samuel Gyseler verpachtet hatte, dessen Name bereits im Jahr 1974 erwähnt wird, ist nicht näher bekannt.

1875 - 1878 Reinisch (Fabrik II)

Samuel Gyseler

Zündholzfabrik

Wie in der Kaufbeile vom 2.02.1875 zu lesen ist, ist die Fabrik nun an Samuel Gyseler, allié Egger, Jakobs sel. Sohn aus Adelboden, übergegangen.

Im Bericht des Amtsarztes für das Jahr 1876 ist zu erfahren: «Von den wichtigen Veränderungen sind noch einige Ventilationsflügel herzustellen.»

Am 16.09.1878 ist die Unterschrift von Samuel Gyseler unter der Fabrikordnung für die Zündhölzchen Fabriken des Amtes Frutigen zu finden.

1878 - 1879 Reinisch (Fabrik II)

Emanuel Egger & Comp.

Zündholzfabrik

Eigentümer: Emanuel Egger, Christian Zurbrügg und Peter Gyseler

Am 15.10.1878 wird die Fabrik wieder verkauft, diesmal an Emanuel Egger allié Messerli, Johannes sel., Christian Zurbrügg allié Trachsel, Jakobs sel, Bäcker beide zu Frutigen und Peter Gyseler, Jakobs sel. von Adelboden, Zündholzfabrikant in Frutigen, verkauft. Obwohl die Fabrik bereits verkauft ist, wird im Jahr 1882 als ihr Eigentümer noch Samuel Gyseler ausgewiesen. Die Geschäfte mit dieser Fabrik mussten nicht bestens gelaufen sein, denn am 6.01.1880 kommt es zu einer Gantsteigerung gegen Emanuel Egger und Peter Gyseler, danach am 6. April 1880 gegen Christian Zurbrügg, alle Anteile dieser drei werden vom Heinrich Guggenheim, Marians sel. Viehhändler, von und in Oberendingen, Kanton Aargau, erworben. Bereits am Tag der letzten Steigerung wird die Zündholzfabrik weiter verkauft.

1880 - 1901 Reinisch (Fabrik II)

Ferdinand Gehring

Zündholzfabrik

Mit Kaufvertrag vom 6. April 1880 erwirbt Ferdinand Gehring, Mathias sel. Sohn, von Schaffhausen, die Zündholzfabrik und andere Liegenschaften. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er die Fabrik bereits von den Vorbesitzern gepachtet hat, denn er wird bereits im Jahr 1878 in der Liste der Fabrikanten ausgewiesen. Gehring stellt am 28.07.1880 ein Baubewilligungsgesuch für eine Zündholzfabrik in Reinisch, deren Bauplan der Architekt Merz aus Thun erstellt hat. Die Pläne sind leider nicht erhalten geblieben. Es lässt sich vorerst auch nicht nachvollziehen, ob sich der Bau auf dem von Samuel Gyseler erworbenen Gelände befand. Das Objekt ist jetzt im Lagerbuch unter der Nummer 1224 finden.

Das Baugesuch fällt mit den Verbot des gelben Phosphor zusammen, ausserdem kommt auch das Regulativ des Bundesrates über die Einrichtung von Zündholzfabriken zu tragen. Vom Ansatz her sollen im beantragten Neubau sog. schwedische Zündhölzer hergestellt werden.

Am 27.11.1880 trägt Ferdinand Gehring als einer der ersten Fabrikanten die Fabrikmarke für Schwedische Zündhölzchen ein. Die ersten genaueren Angaben zur Fabrik sind im Bericht des Amtsarztes für das Jahr 1881 zu finden. «Die alte Fabrik ist umgeändert zur Schwefelküche, Tunk und Trockenraum. Die Öffnung zwischen Schwefelküche und Trockenraum sind nicht geschlossen, sondern gesetzwidrig offen. Dieselben sollen zugemauert werden. Für die Reibfläche und das Füllzimmer ist ein hübscher Neubau eingerichtet worden ,der vollständig den Vorschriften entspricht und fertig erstellt ist. Es wird darin bereits fabriziert. usw..».

Die Firma wird am 16.01.1883 ins Handelsregister eingetragen: «Inhaber der Firma Ferd. Gehring in Frutigen ist Ferdinand Gehring allié Schneider Zündwaarenfabrikant, von Rüdlingen, an Rheinisch zu Frutigen.» Im Bericht für das Jahr 1883 wird hervorgehoben, dass bei Ferdinand Gehring die Entlohnung in Bar erfolgt, in anderen Fabriken wird diese teilweise durch Lieferung von Lebensmitteln abgewickelt. In der Statistik für das Jahr 1886 ist die Angabe zu finden, in der Fabrik seien 28 Arbeiter beschäftigt. Von der Beschäftigung her war das damals die grösste Zündholzfabrik im ganzen Amte Frutigen.

Wie aus dem Eintrag ins Handelsregister vom 13.04.1886 zu sehen ist, tritt Ferdinand Gehring einer gemeinsamen Vertriebsorganisation für Zündhölzer bei, die aber bloss von kurzer Dauer sein soll: «Die Herren Anton Aellig, Fabrikant zu Leissingen, Gilgian Gyseler, Fabrikant in Wengi, Johann Kambly, Fabrikant zu Frutigen und Ferdinand Gehring, Fabrikant zu Frutigen, haben unter der Firma Aellig, Gyseler, Kambly & Gehring in Frutigen eine Kollektivgesellschaft gebildet, welche mit dem 15. April 1886 ihren Anfang nehmen soll. Jeder Gesellschafter vertritt die Gesellschaft und führt Firmenunterschrift. Sitz der Gesellschaft: Frutigen. Natur des Geschäfts: Handel mit Zündwaaren.»

Im Jahr 1889 hat die Fabrik einen Fall von Phosphornekrose zu beklagen, dessen Folgen aber bereits nach den Fabrikgesetz abgewickelt werden. Im Jahr 1888 wird eine Fabrikordnung für die Fabrik in Reinisch bearbeitet und auch genehmigt. Eine im Jahr 1889 durch den Fabrikinspektor durchgeführte Kontrolle hat einige Unregelmässigkeiten festgestellt.

1. Es sind trotzt Verbots für die Nachtarbeit Frauen eingeteilt worden.

2. Das Füllzimmer hat einen Cementboden, wodurch sich die Frauen über kalte Füsse beklagen.

3. Die Packerinnen arbeiten in einem Nebengebäude in einen nicht ventilierten und mit Phosphordämpfen angefüllten Raum.

4. Die ärztlichen Befunde fehlten.

Zum 11.02.1890 tritt Ferdinand Gehring auch der Zündwarengesellschaft Frutigen bei. Der Ausstoss dieser Fabrik wird auf 80 Kisten festgelegt. Am 30.01.1891 bricht im Trockensaal ein Brand aus, wobei ein Schaden zwischen 700-800 Fr. entstanden ist. Es besteht eine Inventarschätzung aus dem Jahr 1891, in der die Liegenschaft auf 9980 Fr. und die Maschinen und Einrichtungen auf 4450 Fr. geschätzt wird. Nach Statistik-Angaben aus dem Jahr 1894 beschäftigt die Fabrik 11 Arbeiter, es werden Gelbphosphor Zündhölzer gefertigt. Im Dezember 1897 unterschreibt auch Ferdinand Gehring das Gesuch an die Hohe Bundesversammlung, es geht um eine Entschädigung wegen des Verbots des gelben Phosphor. Vor der Erteilung der nun wieder vom Neuen benötigten Fabrikationsbewilligung besuchte am 2.02.1900 der Fabrikinspektor die Fabrik, zwecks Stellungnahme zu den eingereichten Plänen. Einige Bemerkungen des Fabrikinspektors von diesem Besuch:

1. Die vorgelegten Pläne sind nicht genügend detailliert, es fehlen die Grundrisse des Dörrofengebäudes und des Tunkraums.

2. Es fehlen Angaben über technische Einrichtungen, wie Maschinen, Tunkapparate usw.

3. Über die Transportweise ist nichts gesagt.

4. Abschliessbare Aufbewahrungsräume für Kleider und Wascheinrichtung sind nicht vorgesehen. usw.

Es kommt auch das Gesuch von Gehring zu Sprache, in dem er die Streichmasse an der unteren Stirnseite der jetzt eingeführten Cartonschachteln auftragen möchte. Dieses Gesuch wird abgelehnt. Kurz nachdem alle Formalitäten, die sich aus dem Gesetz vom 2.11.1898 ergeben, erledigt sind, beschliesst Ferdinand Gehring die Fabrik zu verkaufen.

1901 - 1909 Reinisch (Fabrik II)

Johann Salzmann

Zündholzfabrik (neu unter 1224)

Der Besitzerwechsel erfolgt mit der Kaufbeile vom 22. Januar 1901, die Fabrik mit einigen Liegenschaften wird von Johann Salzmann allié Rubin, Johannes sel., Landwirt in Frutigen gekauft. Der Eintrag ins Handelsregister dazu stammt vom 25. Februar 1903: «Inhaber der Firma Joh. Salzmann in Frutigen ist Johann Salzmann, Johannes sel., Von Aeschi, Fabrikant in Reinisch zu Frutigen. Natur des Geschäftes: Zündholzfabrikation und Uhrsteinbohrerei»

Es liegt uns ein Bericht des Kantons-Chemiker vom 27.06.1901 vor, in dem er zur Fabrik Salzmann folgendes ausführt: «Dieser fabriziert ebenfalls genau nach dem ihm bewilligten Rezept. Die Hölzchen brennen etwas schwer und weniger gleichmässig, als die der andern Zündholzfabrikanten. Ich schrieb dies dem ungenügend feinen Mahlen der Zündmasse und speziell des Kaliumschlorats zu. Ein Spritzen der Hölzchen wurde zwar nicht beachtet. Auch hat sich keine der Stichproben selbst bei heftigen Werfen der gefüllten Schachteln entzündet. Mechanische Einrichtungen für den Betrieb des Entlüfters und für das Mahlen fehlen auch hier noch.» Da im Jahr 1901 Johann Salzmann noch nicht im Besitz eines Elektromotors ist, wird ihm vorübergehend erlaubt, die Zündmasse in der Fabrik Aellig in Bifigen herzustellen.

Die Bemerkungen des Kantons-Chemiker führen dazu, dass eine neue verbesserte Zündmasse zur Genehmigung vorgelegt wird. Eine Zeitlang muss Salzmann aber auch eine Zündmasse verwendet haben, die in ihrer Zusammensetzung nicht genehmigt gewesen ist. Dies hat ein Nachspiel vor dem Richteramt Frutigen.

Im Jahr 1902 wird eine Fabrik-Ordnung erarbeitet und auch genehmigt. Eine Kontrolle des Fabrikinspektors vom 12.07.1904 listet bei Salzmann folgendes auf: «Die Lokale sind unsauber. der Saugtrichter des Ventilators ist zu hoch, das Rohr zu eng und deshalb die Saugwirkung zu gering. Die zweite Mühle ist seit Dezember 1903 angeblich in Reparatur. Das Tuberkelplakat fehlt. Arztvisiten würden nicht gemacht.» Im Jahr 1906 ist Salzmann in ein verfahren verwickelt, wo es zu einen Zahlungsbefehl über 20 Fr. kommt, die dem Aufsichtsarzt zustehen. Salzmann, bzw. dessen Erben, kommen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Am 7.05.1909 findet ein Steigerungsverkauf der Fabrik und anderer Liegenschaften statt. Die Firma wird bereits am 23.04.1909 im Handelsregister gestrichen: «Die Firma Joh. Salzmann, Zündhölzchenfabrikation und Uhrensteinbohrerei, in Reinisch, Frutigen (SHAB Nr. 77 vom 27. Februar 1903, pag. 305) ist infolge Todes des Inhabers erloschen.»

1910 - 1924 Reinisch (Fabrik II)

Ferdinand Gehring

Zündholzfabrik (neu unter 1224)

Neuer Eigentümer der Zündholzfabrik wird nach dem Steigerungsverkauf Ferdinand Gehring Ferdinands sel. von Rüdlingen, Kanton Schffhausen. Ferdinand Gehring, der bereits die Fabrik am Gufer betrieben hat, tut diese schliessen und verlegt die Fertigung in die Fabrik am Reinisch.

Die erste Beurteilung des Fabrikinspektors weist leider auf einige Missstände hin: "Es herrscht eine bedeutende Unordnung. Die Arbeiter sind zur grösserer Reinlichkeit anzuhalten. Es darf nicht vorkommen, das Zündmasse auf dem Boden und an den Wänden herum gespritzt wird. Der Tunker hat nicht nur die Schürze, sondern auch die Hosen mit Zündmasse beschmiert. Der Stempel zum Aufdrücken der Fabrikmarke auf die Schachteln und die Pakete gibt ein ganz unerkennbares Bild."

In den folgenden Jahren ist es um diese Fabrik ruhiger geworden. Erst im Jahr 1920 wird hier eine neue Fabrikordnung bearbeitet und auch genehmigt.

1924 - 1927 Reinisch (Fabrik II)

Geschwister Gehring

Zündholzfabrik

Über die Zündholzfabrik ist aus dieser Zeit nicht viel bekannt. Nach den Bemerkungen des Fabrikinspektors haben die Erben mit der Fabrikation nicht mehr angefangen.

Am 24.Mai 1927 schliessen die Erben von Ernst Ferdinand Gehring, wobei es sich um 12 Personen handelt, mit den schwedischen Trust ein Dienstbarkeivertrag in dem sie sich nach der Zahlung einer Abfindung verpflichten, keine Zündholzfabrikation mehr zu betreiben. Die schwedische Seite wird durch folgende in der Schweiz ansässige Zündholzfabriken repräsentiert: Diamond in Nyon, J. H. Moser AG in Kanderbrück, Fabrique Suisse d´Allumettes S.A. Fleurier, E. Theilkäs-Gyseler in Wengi, Zündholzfabrik Hans Zumstein A.G. in Wimmis, Kanda AG in Kandergrund. Im Jahr 1927 wird die Fabrik aus der Fabrikliste gestrichen. Am 3. Juli 1928 werden alle Liegenschaften an Fritz Brügg verkauft.