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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Bern

Amtsbezirk Frutigen


1881 - 1891 Frutigen (Stadtmatte)

Christian Hari-Stollerg

Zündholzfabrik

Am 2.02.1881 stellt Christian Hari allié Stoller, Gilgiens sel., von Kandergrund das Gesuch um die Baubewilligung einer Zündholzfabrik an der Stadtmatte zu Frutigen. Anderseits besteht auch die Bezeichnung, dass die Fabrik sich im Vordorf befindet. Es ist die Zeit, wo die Verwendung von gelben Phosphor verboten ist. Im Gesuch wird also hervorgehoben, dass es sich um einen Betrieb zur Fabrikation von schwedischen Zündhölzern handelt. Wahrscheinlich gab es bei der Fertigung von schwedischen Zündhölzern Schwierigkeiten, denn bereits aus den Jahr 1881 bestehen Anzeigen des Landjägers gegen Hari, in denen auf die Gesetzwidrige Herstellung von Phosphorzündhölzern hingewiesen wird. In einer Erklärung gibt Hari kund, er fabriziere die schwedischen nicht, weil man diese nirgends verkaufen könnte.

Die erste Beschreibung der Fabrik ist im Bericht für das Jahr 1881 zu finden: «Die neue Fabrik ist nach dem Plan von Baumeister Merz in Thun eingerichtet worden. Dieselbe ist unter Dach, aber noch nicht vollständig ausgebaut. Die Fabrik bestand aus einigen Räumen die für folgende Fabrikationsabläufe bestimmt waren: Einlegezimmer, Schwefel und Paraffinküche, Tunkraum, Trockenraum, Füllzimmer und einen Raum, wo die Streichflächen aufgetragen werden sollten. Der Dörofen befand sich in geringer Entfernung vom Fabrikgebäude und war solide gemauert. Die Lokalitäten entsprechen, wenn sie einmal ausgebaut sind, vollständig dem Gesetz». Anderseits berichtet der Amtsarzt, die Fabrik sei 1881 noch nicht in Betrieb genommen. In dieser Zeit betreibt Hari eine weitere Fabrik am Gufer, wo er die verbotenen Zündhölzer herstellt.

Die Betriebsgenehmigung für die neue Zündholzfabrik im Vordorf wird seitens der Direktion des Innern erst am 7.01.1882 erteilt. Aber auch in der neuen Fabrik scheint Hari weiter den gelben Phosphor zu fabrizieren, denn es kommt zu weiteren Anzeigen und Bussgeldern. Ein Problem ergibt sich auch auf den Bahnhof in Thun, wo die Kisten mit Zündhölzern von Hari nicht angenommen werden, und auch noch Strafanzeige erstattet wird.

In einigen Berichten aus den Folgejahren, wird bei der Firmenbezeichnung Chr. Hari & Comp. angegeben. Es ist vorerst leider nicht bekannt, wer noch Teilhaber bei Hari gewesen ist.

Am 16.04.1883 wird die Firma offiziell im Handelsregister ausgewiesen: «Inhaber der Firma C. Hari in Frutigen ist Christian Hari allié Stoller, Zündwaarenfabrikant in Frutigen. Natur des Geschäftes: Zündwaarenfabrikation»

Nach der Aufhebung des Verbots von gelbem Phosphor musste die Fabrik sich gut entwickelt haben, denn im Jahr 1883 weist die Manufacture d´Allumettes Suisses & suedoises C. Hari Frutigen aus, dass hier 30 bis 40 Arbeiter beschäftigt seien. In der Fabrik werden immer wieder bauliche Veränderungen vorgenommen, für deren Durchführung jeweils die Erlaubnis seitens der Direktion des Innern in Bern nachgesucht wird. Aus dieser Zeit sind auch einige Fälle von Erkrankungen der Arbeiter an Phosphornekrose bekannt.

Zum 2.April 1889 verkauft Hari die Zündholzfabrik und anderen Besitz an Christian Trachsel, Gilgiens sel., Zimmermeister von und zu Frutigen. Der Verkauf wird dann zum 26.Juni 1890 rückgängig gemacht. Die Hintergründe dieses Vorgehens sind nicht bekannt.

Zum 11.02.1890 tritt auch Hari der Zündwarengesellschaft Frutigen bei. Ihm wird ein Fertigungslimit von 80 Kisten zugeteilt. Ein weiteres Limit erhält er für die Fabrik auf dem Gufer, es sind hier 30 Kisten Zündhölzer.

Der Amtsarzt berichtet uns für das Jahr 1891, dass die Fabrik an August Klemenz, Handelsmann aus Zürich verkauft worden sei, die Liegenschaft wird auf 3.400 Fr. geschätzt. Die Aussage über den Wert der Ausstattung fehlt.

1891 - 1894 Frutigen (Stadtmatte)

August Klemenz

Pächter: Geschwister Kambly aus Reichenbach

Die Fabrik wird zum 5.Januar 1892 an August Klemenz, Handelsmann aus Zürich verkauft, es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser bereits vordem ein stiller Teilhaber gewesen ist.

Christian Hari beitreibt weiter seine Zündholzfabrik am Gufer.

August Klemenz verpachtet die gekaufte Fabrik in der Stadtmatte an die Geschwister Kambly, Zündholzfabriken aus Reichenbach. Die Pächter nutzen hier bloss das Füllzimmer, alles andere wird in Reichenbach vorbereitet.

Im Jahr 1894 verkauft August Klemenz die Fabrik an die Firma Kambly, Moser & Cie.

1894 - 1900 Frutigen (Stadtmatte)

Kambly, Moser & Cie.

Die Firma Kambly, Moser & Cie ist bereits früher entstanden, wozu am 13. Juli 1893 folgende Eintragung in das Handelsregister erfolgt: «Unter der Firma Kambly, Moser & Cie. hat sich eine neue Kollektivgesellschaft gebildet mit Sitz in Frutigen. Die Aktiva und Passiva der erloschenen Gesellschaft Geschw. Kambly gehen auf die neue Gesellschaft über. Mitglieder der neuen Gesellschaft sind: Hermann Moser, Hauptmann; Fridolin Kambly und Emil Kambly, alle aus Frutigen; letzterer wegen Minderjährigkeit vertreten durch seinen Vormund, den genannten Fridolin Kambly. Die neue Gesellschaft hat bereits am 1. August 1892 ihren Anfang genommen. Die Geschäftsführung steht Hermann Moser und Fridolin Kambly allein zu. Jeder derselben führt im Namen der Gesellschaft die verbindliche Unterschrift. Natur des Geschäftes: Fabrikation und Verkauf von Zündwaren»

Die neu gegründete Gesellschaft kauft von August Klemenz folgenden Besitz:

1. Die unter 216 für Fr. 9.500 gegen Brandschaden versicherte Zündholzfabrik.

2. Einen dabei stehenden aus Stein und Holz erbauten Dörofen, unter 216a für Fr. 1.500 gegen Brandschaden versichert.

3. Ein unter 216b für Fr. 3.100 gegen Brandschaden versichertes Wohnhaus.

4. Ein Holzschopf

5. Grund und Boden

Der Kauf erfolgt auf dem Namen Fridolin Kambly, Kaspers sel. von Zürich, Fabrikant und Guide-Wachtmeister in Kanderbrück, und dessen Schwager Hauptmann Hermann Moser, Fabrikant und Handelsmann in Frutigen.

Der Amtsarzt berichtet im Jahr 1895 über verschiedene Unzulänglichkeiten in den Zündholzfabriken, bei welchen die Erkrankungen an Phosphornekrose begünstigt werden. Auch in der Fabrik im Vordorf sieht in dieser Hinsicht nicht alles bestens aus. Noch im selben Jahr wird ein Gesuch für die Vergrösserung des Füllzimmers gestellt und auch bewilligt.

Im Dezember 1897 ist die Unterschrift der Firma auch unter dem Schreiben an die Hohe Bundesversammlung zu finden, wo um eine Entschädigung beim Verbot des gelben Phosphors nachgesucht wird. Zum endgültigen Verbot des Gesundheitsschädlichen gelben Phosphor kommt es mit dem Bundesgesetz vom 2.11.1898.

Im Jahr 1900 muss die Herstellung von Zündhölzern mit der Verwendung von gelben Phosphor eingestellt werden. Die Zündholzfabrikanten bemühen sich in der Zwischenzeit um eine Rezeptur mit der phosphorfreie überall entzündbare Zündhölzer hergestellt werden könnten.

Kambly, Moser & Cie entschließen sich, die aus Frankreich stammenden, überall entzündbaren Sesquizündhölzer mit ungiftigen Phosphor zu fabrizieren, diese sollen im Vordorf gefertigt werden, am Gufer dafür die sog. schwedischen. Die Fertigung der sog. französischen Zündhölzer wird aber bereits nach einigen Monaten verboten, da deren Fertigung und auch Gebrauch zu gefährlich sein. Noch bevor ein endgültiges Rezept für Zündhölzer genehmigt worden ist, kommt es zur einer Änderung in den Eigentümerverhältnissen.

1900 - 1903 Frutigen (Stadtmatte)

Kambly & Moser

Schiefertafeln- & Zündhölzchenfabrik

Über die Gründung einer neuen Kollektivgesellschaft erfahren wir aus dem Eintrag ins Handelsregister vom 14. Juli 1900: «Hermann Moser, Hauptmann, und Fridolin Kambly allié Moser, beide in Frutigen, haben unter der Firma Schiefertafeln- & Zündhölzchenfabrik Kambly & Moser in Frutigen eine Kollektivgesellschaft eingegangen, welche am 4. Oktober 1897 begonnen hat. Aktiva und Passiva der erloschenen Firma Kambly, Moser & Cie sind auf diese neue Firma übergegangen. Natur des Geschäftes, Schiefertafeln- und Zündhölzchenfabrikation.»

Auch am Ende des Jahres 1900 werden in Vordorf noch weiter Zündhölzchen nach französischen System fabriziert, obwohl es dafür keine Bewilligung gibt.

Die Behörden taten es sich leicht, verschiedene Rezepte wurden wegen ihrer Gefährlichkeit nicht angenommen, anderseits konnten die Experten kein brauchbares Rezept vorlegen. Erst am 19.12.1900 wird das sog. französische Rezept zugelassen, aber mit den Hinweis, es müssten dabei 11 Bedingungen erfüllt werden. Es muss dazu gesagt werden, dass es zu dieser Zulassung überhaupt kommen konnte, weil der Schweizerische Bundesrat sich mit der Angelegenheit beschäftigt hat und weniger strenge Vorbehalte ansetzte. Trotzt der im nachhinein erteilten Bewilligung musste Kambly und Moser einige Bussen hinnehmen, die gerichtlich festgelegt worden sind.

Der Kantons-Chemiker berichtet am 27.06.1901 folgendes: «Diese Fabrik produziert täglich ca. 180 Kisten (10.000.000 Hölzchen). Das ursprünglich bewilligte Rezept für die Zündmasse habe sich bewährt und werde genau befolgt. Reklamationen seien nicht eingelaufen. Die Zündhölzchen brennen schön, ziemlich leicht und gleichmässig. Beim Fallenlassen und Werfen der Schachteln und Packungen kam es zu keiner Entzündung.»

Die Schwierigkeiten nehmen aber kein Ende, es werden nun die Lieferungen von Phosphorsesquisulfid beanstandet, in deren Proben spuren von gelben Phosphor vorhanden sind. Mit der Zeit wird das Problem behoben, obwohl zunächst auch ungenaue Messmethoden die Lieferungen beanstandet haben.

Im Jahr 1902 wird die Fabrik in der Stadtmatte aufgegeben und die Fertigung nach Kanderbrück verlegt. Der Besitz wird am 2.Juni 1903 an Jakob Hersberger und Johann Ruof verkauft und nicht mehr als Zündholzfabrik genutzt.