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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Bern

Amtsbezirk Frutigen


1857 - 1864 Frutigen (Wydi)

Susanne Maurer geb. Zurbrügg

Zündholzfabrik

Frau Susanne Maurer geb. Zurbrügg, Johannes des Bäckers und Zündhölzchenfabrikanten Ehefrau von Adelboden, im Dorfe Frutigen bemüht sich bereits im Jahr 1856 um eine Baubewilligung für die Zündholzfabrik auf dem Wydi zu Frutigen. Ob Frau Maurer den Gesuch im eigenen Namen bzw. für ihrem Vater bzw. Bruder Christian Zurbrügg, Notar aus Frutigen tut, muss noch geklärt werden. Christian Zurbrügg übernimmt später, also im Jahr 1867 die Zündholzfabrik von Friedrich Schneider.

Die Baubewilligung wird vom Regierungsstatthalter Frutigen am 26.01.1857 mit einigen Auflagen erteilt. Der Bau erfolgte auf einem Grundstück, welches zunächst im Besitz der Gemeinde war. Der Gewerbeschein für die Zündholzfabrik ist am 20.08.1857 erteilt worden. Bereits im Folgejahr mussten Zündhölzer gefertigt worden sein, denn es gab in der Fabrik einen Brand, beim dem der Knabe Wandfluh durch Samuel Rieder gerettet worden ist.

Die Versicherung der Fabrik auf 1.800 Fr. und deren Aufnahme in das Lagerbuch erfolgte unter Nummer 1006 erst zum 18.02.1862. Das Gebäude bestand aus 2 Stockwerken und hatte die Grundmasse von 33x33 m.

Frau Susanna Maurer kauft von der Gemeinde Frutigen das Gelände auf dem sich bereits die Fabrik nebst Wohnung befindet am 5. Januar 1864. Kaum sind alle Formalitäten erledigt erfolgt die Übertragung des Eigentums auf den Ehemann Johann Maurer, Johannes Sohn, Handelsmann aus Frutigen.

1864 - 1866 Frutigen (Wydi)

Johann Maurer

Zündholzfabrik

Die Abtretung der Zündholzfabrik an den Ehemann Johann Maurer erfolgt am 5.April 1864. Obwohl als Eigentümer jetzt Johann Maurer gilt, wird in verschiedenen Berichten noch über die Fabrik Maurer-Zurbrügg gesprochen.

Eine Beschreibung der Fabrik am Wydi ist im Bericht von der Untersuchung der Zündholzfabriken im Oberland für das Jahr 1865 zu finden: «Ausserhalb des Dorfes ganz vollständig freistehend neu und zweckmässig eingerichtet, aber durch allzu geringe Höhe der Arbeitsräume auffallend. Im Packzimmer ist die Lampenbeleuchtung nicht so gut, wie im Einlegezimmer. Im Tunkraum wird zugleich ein Teil der Hölzchen getrocknet, was nach bestehender Vorschrift verboten ist. Diese kleine Fabrik beschäftigt 30 bis 50 Personen und hat eine wöchentliche Produktion von 30.000 Schachteln.»

1866 - 1876 Frutigen (Wydi)

Rudolpf Urwyler

Zündholzfabrik

Am 20.02.1866 wird die Fabrik in Wydi an Rudolpf Urwyler allié Trachsel aus Frutigen verkauft. Maurer muss noch irgendwelche Umbauten vorgenommen haben, denn die neue Versicherungsumme steigt auf 8.000 Fr. Obwohl die Fabrik im Jahr 1865 eigentlich noch in Ordnung war, werden in den Berichten des Amtsarztes für das Jahr 1866 und 1867 immer wieder irgendwelche Beanstandungen hervorgehoben: «Erdgeschoss 7,5 Fuss hoch. Tür zwischen Packzimmer und Schwefelküche sollte zugemauert werden, eine neue Verbindung von aussen her geschaffen werden, durch anbringen von zwei neuen Türen, welche durch eine Laube abgetrennt sein können.

Am 17.08.1870 kommt es in der Fabrik durch Fahrlässigkeit zu einen Brand, der einen Schaden von 79,70 Fr. verursacht. Die Fahrlässigkeit hat ein Nachspiel in Form einer Gelbusse von 15 Fr. wegen Widerhandlung gegen die Feuerordnung. Die leicht entzündbaren Stoffe sind nicht so Aufbewahrt gewesen, wie es die Verordnung vom 12.06.1865 vorschreibt. Auch ein Widerspruch bei der Polizeikammer des Appelations und Kassationshofes des Kanton Bern bringt keine änderung des Richterspruchs, dafür aber zusätzliche Gerichtskosten.

Im Jahr 1875 kommt auf Urwyler ein weiters Verfahren zu, der Amtsarzt stellt fest, dass in der Fabrik ein Mädchen mit bereits beginnender Phosphornekrose beschäftigt wird. Mit Schreiben vom 27. Mai 1876, wird seitens der Direktion des Innern die Schliessung der Fabrik verordnet. Dieses Schreiben, welches auch die Begründung dieses Beschlusses enthalten musste, ist leider in den Archivakten nicht erhalten geblieben.

Die Angelegenheit ist bisschen undurchsichtig, mit grosser Wahrscheinlichkeit haben alle Widersprüche von Urwyler nichts geholfen, das Verbot wurde nicht aufgehoben und es entstanden bloss unnötige Gerichtskosten.

Zum 20.April 1880 kommt es zu einen Steigerungsverkauf des Besitzes, worauf Urwyler seitens des Statthalters bereits als ein armer Mann bezeichnet wird. Dem Eintrag aus dem Jahr 1881 ins Lagerbuch ist zu entnehmen, dass die Immobilie nun als Wohnhaus genutzt wird.