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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Bern

Amtsbezirk Interlaken


1847 - 1860 Interlaken

Joachim Legler & David Legler, Sohn, Zündholzfabrik in Aarmühle

Dem Bericht des Regierungsstatthalters aus Interlaken für die Jahre 1846/1848 können wir entnehmen, dass in Aarmühle und Unterseen sich zwei Zündholzfabriken befinden in welchen bis 200 Personen angestellt sind, wobei noch eine grosse Anzahl von Personen ausserhalb der Fabriken Beschäftigung bei der Fertigung von Hölzchen und Kisten findet.

Die Fabrik in Aarmühle, dem heutigen Ortsteil von Interlaken ist seitens der Handelsleute J. Legler & Sohn aus Thun im Hause der Erbschaft des Dr. Ebersold gegründet worden.

In den Adressbüchern aus dem Jahr 1850 und 1856 erscheint zwar der Hinweis, dass J. Legler & Sohn in Thun eine Zündhölzchen- und Regenschirmfabrik betreiben, was sich aber bloss auf die Geschäftsleitung der Fabrik in Aarmühle beziehen kann.
Bei den Geschwistern Legler und dessen Zündholzfabrik in Aarmühle handelt es sich wahrscheinlich um Joachim Legler und dessen Bruder David aus Diessbach Kanton Glarus. Anderseits gab es auch den Joachim und David Legler aus Hätzingen, Gemeinde Glarus, dessen Namen in der Genealogie der Kirchengemeinde Betschwanden mit den Hinweis „ 1860, Aarmühle “ versehen worden sind.

Es ist zwar kaum wahrscheinlich, dass die Gebrüder Legler die Zündholzfabrik aus eigener Initiative gegründet haben. Es ist vielmehr anzunehmen, dass es der Verdienst eines der uneigennützigsten und beliebtesten oberländischen Volksmänner ist, der die Legler und Streit veranlasste „ Zündholzwerkstätten“ zu eröffnen. Dies war der im ganzen Lande bekannte „ gute Papa Seiler“.

Das die Zündholzfabrik in Aarmühle überhaupt in Betrieb genommen werden durfte, lag wohl daran, dass es zu dieser Zeit noch keine Gesetze in dieser Hinsicht gegeben hat, und der Betrieb ohne einer Bewilligung aufgenommen werden konnte. Ein Gewerbegesetzes ist im Kanton Bern erst im Jahr 1849 erlassen worden.
Aus den Berichten des Regierungsstatthalters geht hervor, dass in der Fabrik sehr viele Kinder beschäftigt worden sind, was den ärmsten Familien einigen Verdienst ermöglichte. Nach einigen Gutachten und durchgeführten Kontrollen wird seitens der Direktion des Innern des Kantons Bern am 7.03.1849 beschlossen, dass der Fortbestand dieser Fabrik in den derzeitigen Einrichtungen wegen Mängeln in sanitärer und feuerpolizeilicher Hinsicht weiter nicht geduldet wird. Die Fabrik müsste innerhalb von vier Monaten ein anderes Lokal vorzeigen und das gegenwärtige Lokal müsste danach innerhalb von sechs Monaten geschlossen werden.

Ob es zum Umzug und Erfüllung der gestellten Bedingungen gekommen ist, konnte vorerst nicht ermittelt werden. In den Berichten des Regierungsstatthalters wird aber auf diese Fabrik bis in das Jahr 1860 Bezug genommen. Erst im Jahr 1864 wird berichtet, dass sich im Amtsbezirk Interlaken keine Zündholzfabriken mehr befinden.

1850 - 1860 Lauterbrunnen

Gurtner Johann, Zündholzfabrik auf dem „ Furreli“

Johann Gurtner bemühte sich bereits Ende 1849 um die Bewilligung für die Errichtung einer Zündholzfabrik in Oey bei Diemtigen. Dieses Gesuch ist aber nicht weiter verfolgt worden. Bereits im Januar 1850 liegt ein neues Gesuch vor, die Fabrik soll auf dem Furreli bei Lauterbrunnen entstehen.

Im Schreiben vom 26.04.1850 wird die Fabrik seitens Gurtner folgend beschrieben:

Das für obige Gewerbe bestimmte Lokal ist ganz aus Steinen erbaut, hat mehr als die gesetzliche Höhe, Packzimmer und Schwefelküche sind feuerfest, der Dörrofen ist ausserhalb des Hauses angebaut. Für die Gesundheit der Arbeiter sind die entsprechenden Vorschriften beachtet worden.

Seitens eines Gutachters wird allerdings dieses Lokal beanstandet, denn im selben Gebäude befindet sich auch eine Wohnung und eine Bäckerei.

Am 2. Juli 1850 wird seitens der Direktion des Innern die Bewilligung für eine Zündholzfabrik erteilt , die aber mit einigen Bedingungen verbunden ist. Die gestellten Forderungen konnte Gurtner nicht erfüllen und wendete sich in dieser Angelegenheit an den Regierungsrat des Kanton Bern. Die von hier berufenen Sachverständigen besichtigten die Räumlichkeiten und kamen zum Ergebnis, das die geforderten Umbauarbeiten durchgeführt werden müssten, die Räumung der Bäckerei und der Wohnung sei aber nicht notwendig. Die Fertigung ist danach wahrscheinlich aufgenommen worden und die Herstellung der Zündhölzer erfolgte bis um das Jahr 1860. Die Fabrik musste von der Grösse her unbedeutend gewesen sein, denn ein Hinweis auf sie in den Adressbüchern ist nicht zu finden.

1847 - 1856 Unterseen

Streit & Seiler, Zündholzfabrik im Schlossgebäude

1856 - 1857 Unterseen

Wildi und Hefti, Zündholzfabrik

Die Eröffnung der Zündholzfabrik im Schlossgebäude zu Unterseen ist den Herren Streit und Seiler zu verdanken. Die Gründungsgeschichte dieser Fabrik ist mit der Entstehung der Fabrik in Aarmühle eng verbunden. Auch die Räumlichkeiten dieser Fabrik sind im Jahr 1848 seitens eines Gutachters, des Staats Apothekers Sprünglin besucht worden. In seinem Gutachten schreibt er folgendes: Die Zündhölzchenfabrik befindet sich im Schlossgebäude zu Unterseen in Gebäuden die zum grössten Teil mit einer Hofmauer umgeben sind. Die Mischküche befindet sich in einem hohen , gewölbten , geräumigen Lokal in dem auch die Chemikalien aufbewahrt werden. Über dem Ofen ist ein Kamin mit Mantel angebracht, es ist vorgesehen, dass hier bloss eine Person arbeitet und keinen weiteren der Zutritt gestattet ist. Das Schwefeln und Eintauchen der Hölzchen in die Zündmasse geschieht in einem Raum im ersten Stock. Dieser scheint dafür zu klein zu sein und auch eine ausreichende Lüftung ist nicht gewährleistet. Die hier überwiegend auf engem Raum beschäftigten Mädchen waren ganz den Phosphordämpfen ausgesetzt. Diese Mängel will Herr Streit durch abbrechen einer Zwischenwand und das verlegen des Eintauchen in neue Räume beheben.

Zum trocknen der frisch getunkten Rahmen ist ein kleiner gewölbter Keller im Erdgeschoss eingerichtet, dessen Lüftung auch verbessert werden sollte. Der Packraum befindet sich in einem geräumigen Zimmer in dessen Fenster aber nur ein Luftventil eingebaut ist. Es müsste auch hier um eine entsprechende Lüftung gesorgt werden. Alle übrigen Zimmer, wo die Schachteln zugeschnitten, gemacht und bestrichen, die Hölzchen geschnitten und niedergelegt werden, stellen, da keine Zündmasse in dieselben kommt, aus sanitären Gründen keine Bedenken.

Die hier festgestellten Mängel werden danach in einen Schreiben der Direktion des Innern hervorgehoben. Sie mussten beseitigt worden sein, denn die Fabrik ist erst vor dem Jahr 1860 aufgegeben worden.

Von wo Streit stammte wird nicht genauer berichtet. Es gibt aber den Hinweis, daß sich die alte Streit`sche Werkstätte in der Chalet- und Parkettfabrik befand, die noch Seiler errichtet hatte.

Die Zündholzfabrik Streit & Seiler wird in den Adressbüchern für das Jahr 1850 und 1856 ausgewiesen. Im Jahr 1857 muss es aber einen Besitzerwechsel gekommen sein, denn es wird nun von der Zündholzfabrik Wildi und Hefti gesprochen. Weitere Dokumente zu diesem Vorgang waren leider vorerst nicht auffindbar.