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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Bern

Amtsbezirk Schwarzenburg


1865 - 1878 Wahlern

Gilgian Schmid

Zündholzfabrik in der Kilchermatt

Gilgian Schmid aus Achstetten kaufte am 1.03.1865 in der Kilchermatt ein Haus und zog mit Familie in dieses ein. Im Ofenhäusle am Haus fing er gleich danach mit der Fabrikation von Zündhölzern an, ohne das dafür eine Betriebsgenehmigung erteilt worden wäre. Nach einer Mahnung der Direktion des Innern, wird das Gesuch am 28.02.1867 nachgeholt. Im Gesuch wird dargelegt, dass die Gebäude in denen die Fabrikation stattfindet sich in sicherer Entfernung zu anderen Häusern befindet. Eine seitens des Amtsbezirks durchgeführte Untersuchung sagt aus, die Fabrik befindet sich eine Viertelstunde südöstlich von Schwarzenburg, einsam nur in der Nähe des Wohnhauses des Gesuchstellers welches etwa 60 Fuss davon entfernt ist. Die Räume werden folgend beschrieben: „

1. Küche und das Trockenzimmer 15x10 Fuss, es wird hier die Zündmasse zubereitet, wie auch die noch in Rahmen gefüllten Zündhölzchen getrocknet.

2. Dörraum 8x6 Fuss, es arbeitet hier bloss der Sohn des Gesuchstellers.

3. Füllraum 24x8 Fuss, hier sind sieben Personen mit Füllen der Schachteln beschäftigt.

4. Einlegezimmer 24x14 Fuss, es besorgen acht Kinder das Einlegen der rohen Hölzchen.“

Auch hier bleibt die Frage offen, von wo stammen die rohen Hölzchen, wie auch die Schachteln. Die Bau- und Betriebsbewilligung wird vom Kanton, nach Behebung einiger Beanstandungen am 19.06.1867 erteilt.

Bereits im Jahr 1869 wird seitens Gilgian Schmid ein Gesuch für einen Anbau gestellt, danach auch für einen Schuppen. Im Jahr 1973 erhält Schmid von der Direktion des Innern die Auflage den vom Amtsarzt in der Schwefelküche beanstandeten Kamin umzubauen, um für den genügenden Abzug der Dämpfe zu sorgen.

1878 - 1883 Wahlern

Gebrüder Schmid

Zündholzfabrik in der Kilchermatt

Im Jahr 1878 gibt es die erste Bezeichnung Gebrüder Schmid, Zündholzfabrik in der Kilchermatt. Als Eigentümer werden die Gebrüder Gilgian und Peter Schmid bezeichnet. Es bleibt offen, ob es sich hier um die Kinder von Gilgian Schmid, Vater handelt, oder um den Bruder von Gilgian.

Nach dem Bundesgesetz vom 23.3.1877 betr. die Arbeit in den Fabriken, wird die Fabrik unter das Fabrikgesetz gestellt und erstellt am 31.12.1878 eine Fabrikordnung. Die Arbeitszeit beträgt dazumal 11 Stunden täglich und es wird ein Akkordlohn je 14 Tage gezahlt. Es werden pro Woche 65 bis 70 Kisten Zündhölzer hergestellt.

Am 13.02.1883 wird die Firma mit folgender Bezeichnung eingetragen: „Gilgian Schmid und Peter Schmid, beide von Frutigen und wohnhaft in der Kilchermatt, bei Schwarzenburg sind unter der Firma Gebr. Schmid (Schmid frères), Schwarzenburg, eine Kollektivgesellschaft eingegangen, welche schon vor dem 1. Januar 1883 bestanden hat. Natur des Geschäftes: Chemische Zündwaarenfabrik.„

Der im 1890 gegründeten Zündwaarengesellschaft Frutigen treten die Gebr. Schmid nicht bei.

In einer im Jahr 1891 durchgeführten Inventarschätzung wird die Liegenschaft auf 8300 Fr. und die Maschinen inkl. Inventar auf 2240 Fr. bewertet. In dieser Zeit waren hier 20 Arbeiter beschäftigt und es sind bloss Gelbphosphorhölzchen gefertigt worden.

Das Bundesgesetz vom 2.11.1898 ( Verbot des gelben Phosphor) trifft auch die Fabrik in Wahlern, eine in diesem Zusammenhang tätige Kommission stellt folgendes fest: „Die Gebr. Schmid in Schwarzenburg wollen nichts anders machen, als die gewöhnlichen Sicherheitszündhölzchen nach bekanntem Rezept. Die Packungsmuster sind nicht geliefert worden„.

Eine Betriebsgenehmigung für die Fertigung dieser Zündhölzer wird seitens des Regierungsrates in Bern im Jahr 1901 erteilt. Es scheint aber zur dieser Fertigung bis in das Jahr 1905 nicht gekommen sein, denn das Schweizerische Industrie Departement ersucht dem Regierungsrat die erteilte Bewilligung zurückzuziehen, da von der Ausstattung her diese Fabrik keine Chancen hätte diese Art von Zündhölzern herzustellen. Es gibt jetzt eine Wende, die Gebr. Schmidt bemühen sich nun um eine Betriebsbewilligung für die Fertigung von überall entzündbaren phospforfreien Zündhölzern. Diese wird auch am 31.03.1906 mit einigen Auflagen erteilt. Peter Schmid stirbt im Jahr 1907, woraufhin sein Bruder Gilgian im Jahr 1908 in die Firma seinen Stiefbruder Gottfried Däpp als Gesellschafter aufnimmt. Die Fertigung wird immer wieder unterbrochen, da sowohl die Rezeptur wie auch Ausstattung nicht zufrieden stellend sind und danach ganz aufgegeben wird.

Im März des Jahres 1909 stellt der Gemeinderat fest, der Betrieb sei aufgehoben, die Maschinen abgebrochen. Nach Aussage des Fabrikbesitzers ist der Fabrikbetrieb definitiv eingestellt.