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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Bern

Amtsbezirk Frutigen

1881 - 1905 Frutigen (Adelrain)

Abraham Trachsel

Zündholzfabrik

Bei der Zündholzfabrik von Abraham Trachsel, Abrahams sel. Sohn, handelt es sich um eine verhältnismässig späte Gründung. Im Lagerbuch ist dieses Objekt unter Nummer 1400 aufgenommen. Das aus Ziegel erstellte Gebäude bestand aus zwei Stockwerken und hatte die Grundmasse von 22.5 x 6 m. Es war auf 5.100 Fr. versichert. Dem Gesuch um eine Bau- und Einrichtungsgenehmigung nach vorliegenden Plänen stellte der Schreinermeister Trachsel am 14.04.1881. Im November scheint der Bau fertig gewesen zu sein, seine Baupläne sind uns leider nicht erhalten geblieben.

Trachsel hat auch eine Rezeptur für die Zündmasse eingereicht, die genehmigt worden ist. Es musste sich hier um die sog. schwedischen Zündhölzer handeln.

Die erste Beschreibung der Fabrik finden wird im Bericht des Amtsarztes für das Jahr 1881: „ Hier wurde eine ganz neue Fabrik erstellt mit besonders stehendem Dörrofen und Magazin für die Rohmaterialien, vollständig reglementgemäss. Die Fabrik enthält die fünf notwendigen Räume zum Schwefeln und Paraffinieren, Massekochen, Trocknen, Füllen und für die Streichfläche. Alles gehörig getrennt. Das Gebäude ist nach dem Plan des Baumeisters Merz in Thun solid und selbst gebaut und eingerichtet, allerdings gegenwärtig noch nicht vollständig fertig. Ebenso sind der Ofen und das Magazin für die Rohmaterialien nicht vollständig ausgebaut. Fabriziert ist darin noch nicht worden.“

Auch Trachsel tut es sich schwer mit der Einhaltung des Fabrikgesetzes, worüber die nicht näher definierten Anzeigen des Landjägers aus den Jahr 1882 und 1884 zeugen.

Am 13.01.1883 wird die Fabrik von Abraham Trachsel ins Handelsregister eingetragen: „ Inhaber der Firma Abr. Trachsel, am Adelrain zu Frutigen, ist Abraham Trachsel, Zündwaarenfabrikant am Adelrain, von und zu Frutigen. Natur des Geschäftes: Fabrikation von Zündwaaren, Rohrsesseln und Schreibtafeln.“

Am 3.Juni 1884 überträgt Abraham Trachsel seinen Besitz in Form einer Weibergutsabtretung auf seine Ehefrau Katharina Trachsel geb. Müller. Die Übertragung ändert nichts am Namen der Zündholzfabrik, wie auch der Korrespondenz mit den Behörden. Diese Übertragung wird zum 5.08.1890 wieder rückgängig gemacht .

Nach einer Statistik aus dem Jahr 1886 waren in der Zündholzfabrik am Adelrain bloss 9 Arbeiter beschäftigt, sie zählte also zu den kleineren Zündholzfabriken im Frutigland. Die notwendige Fabrikordnung wird seitens des Regierungsrats in Bern am 27. Juli 1889 genehmigt. Nach einem Unfall im Jahr 1889 bekommt Trachsel Schwierigkeiten mit dem Fabrikinspektorat. Nun wird festgestellt, dass die ehemalige Schreinerwerkstätte bereits vor 6-8 Jahren in Fabrikräume für die Fertigung von rohen Zündhölzchen umgewandelt worden ist. Die Hölzchen werden sowohl unten wie auch im 1. Stockwerk gefertigt, wobei zum Antrieb per Transmission die Wasserkraft dient. Die beiden Räume werden als zu niedrig beanstandet und als ungeeignet für die beschriebene Nutzung. Im Jahr 1890 bricht im Gebäude, wo der Dörrofen untergebracht ist ein Feuer aus, der Ofen war auf 400 Fr. versichert.

Eine im Jahr 1891 durchgeführte Inventarschätzung bewertet die Liegenschaft auf 6.890 Fr. und die Maschinen und Einrichtungen auf 3.660 Fr.

Bei der Nutzung des gelben Phosphors kommt es in den Zündholzfabriken immer wieder zu Nekrosefällen. Im Jahr 1895 werden bei Trachsel zwei Erkrankungen ausgewiesen.

Nach dem nun endgültigen Verbot des gelben Phosphors, Bundesgesetz vom 2.11.1898, bemüht sich Trachsel um eine Fabrikationsbewilligung sowohl für die überall entzündbaren, wie auch schwedischen Zündhölzer. Die Erlaubnis für die ersten wird ihm am 3.Mai 1900 seitens des Regierungsrates zunächst untersagt. Eine Erlaubnis nach neuer Rezeptur wird erst am 3. April 1901 erteilt. Wie Abraham Trachsel in seinem Schreiben an die Direktion des Innern selbst angibt, war seine Fabrik deshalb bald 10 Monate ausser Betrieb. Auch bei den anderen Fabrikanten musste die Situation ähnlich gewesen sein.

Der Kantonschemiker des Kantons Bern stellt in seinem Bericht vom 27.Juni 1901 über die Fabrik von Trachsel folgendes fest: „ Abr. Trachsel fabriziert genau nach dem ihm bewilligten Rezept. Er habe noch keine Reklamation erhalten. Seine Hölzchen brennen ziemlich gut und ohne spritzen. Beim Werfen entzünden sie sich nicht. Die Verpackung geschieht in Schachteln, wie bei den anderen Fabrikanten. Der Vorrat ist gering. Die vorgeschriebenen mechanischen Exhaustoren und Einrichtungen zum Mahlen der Bestandteile der Zündmasse sind vorhanden.“

In den Jahren 1902 und 1903 wird die Fabrik am Adelrain, wie auch andere Fabriken vom zuständigen Fabrikinspektor besucht, wobei immer wieder irgendwelche Mängel ausgewiesen werden. Es wird auch beanstandet, dass die Zündmasse nicht ganz genau der genehmigten Rezeptur entspricht. Wahrscheinlich ist es Trachsel unmöglich alle gestellten Forderungen zu erfüllen. Im Bericht der Gemeinde vom 22.10.1904, ist die Feststellung zu finden, dass die Fabrik am Adelrain infolge schlechten Geschäftsganges seit dem letzten Frühjahr nicht mehr im Betrieb ist. Dies wird auch durch die Feststellungen des Fabrikinspektors bestätigt.

Die offizielle Streichung im Firmenregister erfolgte aber erst im Jahr 1909, und im Handelsregister infolge des im Jahre 1917 erfolgten Ablebens des Inhabers sogar erst im Jahr 1921. Bis in das Jahr 1922 sind hier noch im kleinen Rahmen Schiefertafeln hergestellt worden.

1923 - 1926 Frutigen (Adelrain)

Abraham Trachsel, Sohn & Ryter, Schwager

Zündholzfabrik

Im Jahr 1923 bemüht sich der Sohn von Abraham Trachsel, sel. und dessen Schwager Ryter um eine erneute Zündholz-Fabrikationsbewilligung in den Räumen der alten Fabrik. Die Ausführungen des Fabrikinspektors dazu könnten hier seitenweise wiedergegeben werden. Bereits am 29.05.1923 erfolgt die Unterstellung der Fabrik, wo vier Arbeiter Beschäftigung finden sollen, unter das Fabrikgesetz. Im Jahr 1923 wird auch eine neue Fabrikordnung erarbeitet und genehmigt. Nach dem Bericht des Fabrikinspektors ist hier die Fertigung bereits im Jahr 1923 aufgegeben worden.

Es ist mehr wie wahrscheinlich, dass die Stillegung durch einen Vertrag mit dem schwedischen Konzern erreicht worden ist. Der Vertrag selbst ist vorerst nicht bekannt. Der Fabrikinspektor berichtet aber, dass der Trust 17.000 Fr. gezahlt haben soll, für die Verpflichtung 20 Jahre lang Zündhölzer nicht zu fabrizieren.

Die Streichung der Fabrik aus dem Fabrikregister erfolgte zum 04.07.1927