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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Freiburg


Erste Angaben über eine Zündholzproduktion in Kanton Freiburg finden wir in einem Schreiben vom 21.November 1881 an das Eidg. Departement des Innern in Bern. Darin wird erwähnt, dass im Kanton Freiburg eine einzige Zündholzfabrik in Bulle existiert. Dabei handelt es sich um eine Zündholzzurichterei, das heisst, die fabrizierten Rohhölzchen wurden nach Frankreich exportiert wo sie die Phosphor Zündköpfe erhalten haben. Der Direktor dieser Fabrik hiess Alexandre Musy.


In einer statistischen Zusammenfassung der Schweizerischen Zündholzfabriken aus dem Jahr 1894 finden wir, ebenfalls in Bulle, eine Gelbphosphor-Zündhölzer Fabrik unter der Firmenbezeichnung S. Allenbach. Diese beschäftigte damals 19 Arbeiter.

Im Jahre 1924 gründete Hans Zumstein, Sohn von Johann Zumstein welcher bereits in Wimmis eine Zündholz-Fabrik besass, in Düdingen eine eigene neue Zündholzfabrik. In einem Schreiben vom 23. Januar 1924 an das eidg. Volkswirtschaftsdepartement in Bern wird die Bewilligung für die Zündholzproduktion in Düdingen unter verschiedenen Auflagen erteilt. So müssen Fluchtwege garantiert sein, Löscheinrichtungen angebracht werden oder Chemikalien müssen getrennt gelagert werden. Die Packungen müssen die Firmenbezeichnung und die amtlich eingetragenen Fabrikmarken aufweisen. Die Betriebsbewilligung wird allerdings nur provisorisch für drei Jahre erteilt. Die Zündholzfabrik Düdingen oder wie sie im zweisprachigen Kanton auf Französisch heisst, Fabrique d’Allumettes Guin sollte lediglich 23 Jahre bestehen.

Düdingen hat bereits in den Anfangsjahren Zündhölzer nach Deutschland exportiert. Für die Firma Wekoe (Zündholzkontor Wehrenberg & Koehling) in Hamburg oder für die Firma Erich Stern in Frankfurt unter der Steuernummer 805.

Hans Zumstein hat bereits 1924 bei einem Chemiker in Thun ein Gutachten erstellen lassen welches ihm gestattete seine Buchzünder per Post zu verschicken. Die erste Fabrikordnung datiert vom 1.Oktober 1924. Darin ist unter anderem zu lesen: Die Dauer der täglichen Arbeitszeit beträgt 9h 35 min. Der Samstag war bereits frei. Weiter war der Genuss geistiger Getränke während der Arbeitszeit sowie das Ausspucken auf den Boden verboten.

Von Beginn weg stellte Düdingen auf dem Schweizer Markt eine starke Konkurrenz zu Ladoc dar. Ladoc musste seine Preise auf die Stufe von Düdingen senken um überhaupt im Geschäft bleiben zu können. In Zahlen heisst das: Die Preise pro Tausend Stück fielen von 1924-1928 von Fr. 25.- bis auf Fr. 10.-

Zu Beginn des Jahres 1928 einigte sich Düdingen mit dem Schweden-Trust (Wega A.G. Zürich). Dieser übernahm die gesamte Produktion im Ausmass von 24 Millionen Stück pro Jahr zu einem Preis von Fr. 10.75. Der Vertrag wurde für 10 Jahre abgeschlossen.

1934 hat Düdingen noch immer nur eine provisorische Betriebsbewilligung. Nach mehrmaliger Betriebsbesichtigung seitens des Arbeitsinspektorates und der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt werden am 10.Sept. 1934 erneute Sicherheitsauflagen gefordert. Düdingen kann oder will diese Auflagen nur zum Teil erfüllen, und beruft sich auf andere Zündholzfabriken wie Nyon oder Kanderbrück. Es ist ein ständiger Hin und Her mit den Ämtern. Düdingen erhält während seiner ganzen Produktionszeit nie eine definitive Betriebsbewilligung!

1936 beschäftigt Hans Zumstein in Düdingen 43 Arbeiter, 1937 deren 61 und 1938 bereits 79.

Im Jahre 1937 wollen die Schweizerischen Zündholzfabrikanten für die Buchzünder eine Marktregulierung einführen. Dabei wären von jährlich geschätzten 84 Millionen produzierten Etuis deren 38 Millionen auf Lastar S.A. gefallen, 24 Millionen auf Düdingen und 22 Millionen auf die Helios Holding A.G. Zumstein sträubte sich gegen diese Abmachung, da er der Meinung war er könne problemlos mehr produzieren als das ihm zugewiesene Kontingent. Der Vertrag kam seinetwegen nicht zustande.

Für das Jahr 1937 hat Düdingen folgende Zahlen publiziert:

Verkauf für Rechnung Etincelle:16.4 Millionen Etuis

Verkauf auf eigene Rechnung: 17.7 Millionen Etuis.

Der Jahresgewinn beläuft sich auf 95'782 Fr.

Im November 1939 wird eine neue Trockenmaschine mit zwei Dampfgefässen installiert. Dies hat zur Folge, dass verschiedene Sicherheitsmassnahmen getroffen werden müssen. In einem Schreiben vom 2. Mai 1941 wird Düdingen einmal mehr gerügt, weil die angeordneten Sicherheitsmassnahmen nicht eingehalten worden sind. Unter anderem heisst es in dem Schreiben: Im Zündmasseraum sind die Triebwerke nicht verschalt und es herrscht eine unbeschreibliche Unordnung statt grösste Sauberkeit!

Am 27.April 1944 ereignet sich in Düdingen bei der Fabrikation eines neuartigen Zündstabes eine Explosion mit einem Todesopfer und vier Verletzten. Die Pulvermischung dieser Zündstäbe hatte sprengstoffähnlichen Charakter. Auch für die Verwendung dieser Mischung wurde keine Bewilligung eingeholt. Zu diesem Unfall gab es eine kriminaltechnische Untersuchung. Der Direktor, Hans Zumstein, wurde zu einer Busse von Fr. 1000.- und den Prozesskosten verurteilt. Von dieser Explosion und dem Prozess gegen die Fabrik hat sich Düdingen nie mehr erholt und war gezwungen die Tore zu schliessen. Der 15.August 1947 gilt als offizieller Schlusstag der Zündholzfabrik Düdingen.

Schweizerisches Zündholzmuseum, Ernst Glanzmann August 2010