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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Graubünden


Die Entwicklung der Zündholzindustrie im Kanton Graubünden erfolgte unter ähnlichen Umständen, wie dies bereits für die Kantone Appenzell i.R. und Thurgau beschrieben worden ist. Auch hier handelt es sich fast ausschliesslich um kleinste Manufaktur- Betriebe oder gar um rein handwerksmässige Herstellung, die sich der einfachsten Technik bediente.

Bereits im Jahr 1846 sind seitens des Grossen Rates, so wie dies auch im Kanton Zürich geschehen ist, Massregeln gegen die gefährlichen Zündhölzchen ergriffen worden. Es kam zu einen Verbot der Fertigung und des Handels mit den neuen Reibzündhölzern. Nach Einsprüchen seitens der Kaufleute ist dieses Verbot aber bereits im Jahr 1848 wieder aufgehoben worden. Es folgte hierbei, im Gegensatz zu anderen Kantonen, leider kein Gesetz mit dem der Umgang mit Zündhölzern geregelt worden wäre.

1844 - 1856 Chur

Chur, Chemische Fabrik bei St. Salvator

Im Adressbuch aus dem Jahr 1856 ist unter Chur folgende Eintragung zu finden: „Chemische Fabrik bei St. Salvator (1844) des Richters, Florian von Sprecher & Hauptmann A. Abys .“

Es wird hier ausserdem angegeben: „ Fabrikation von Beinschwarz, Eisenvitriol, Glaubersalz, Hydrogengas (Leuchtspiritus), Salzsäure, Zündhölzchen etc.“

Ob die Fertigung von Zündhölzchen bereits bei der Gründung im Jahr 1844 aufgenommen worden ist, oder erst später, lässt sich bei hierzu fehlenden Archivunterlagen nicht sagen. Im Schreiben des Kaufmanns Scheller an den Grossen Rat aus dem Jahr 1848 betr. Aufhebung des Verbots von Handel und Fabrikation der Reibzündhölzer, wird die Fertigung beim St. Salvator nicht erwähnt, es wird aber angedeutet, dass jemand die Fabrikation von Zündhölzern aufnehmen möchte.

Auch das genaue Datum der Stillegung dieser Fabrik ist nicht ganz eindeutig, denn im Schreiben des Kreisamtes Chur vom 13.11.1860 wird im Nachhinein hierzu festgestellt, dass die frühere chemische Fabrik eingegangen sei.

1870 - 1877 Bergün


Bergün, Jos. Gregori, Zündholz- und Liquerfabrik

Auch hier bestehen unsere Erkenntnisse aus Angaben in Adressbüchern. Es handelt sich um das Adressbuch von J. Frick aus dem Jahr 1870, sowie ein weiteres aus dem Jahr 1877. In beiden Adressbüchern ist folgender Eintrag vorhanden: “ Bergün, Gregori Jos., Zündholz- und Liquerfabrik.“

In zugänglichen Archivunterlagen ist für Jos. Gregori kein Gewerbeschein, wie auch keine Betriebserlaubnis zu finden. Somit fehlen auch Hinweise, ob ein Zusammenhang zwischen dieser Fabrik und der späteren, besser bekannten von Johann Peter Obrist bestanden hat.

1872 - 1900 Bergün
Bergün, Zündholzfabrik, Johann Peter Obrist

In seinem Schreiben vom 19.02.1881 an dem Kanton, weist Fabrikinspektor Schuler darauf hin, dass in Bergün die Zündholzfabrik von Joh. Peter Obrist besteht. Für diese Fabrik sei keine Betriebserlaubnis erteilt worden. Im Kanton Graubünden gab es kein Gesetz in Bezug auf Zündholzfabriken, so ist hier die Fertigung von Zündhölzern einfach geduldet worden. Nun wird Joh. Peter Obrist aufgefordert alle Genehmigungen nachzuholen, die im Regulativ des Bundesrates vom 25.5.1880 gefordert werden. Es ist aber kaum anzunehmen, dass Obrist im Stande war die Fertigung von Zündhölzern ohne Verwendung des gelben Phosphor zu tätigen. Den Anforderungen konnte Obrist wahrscheinlich erst nach der Aufhebung des Gesetzes aus dem Jahr 1879 entsprechen.

Dazu stellt der Gemeindevorstand Bergün in seinem Schreiben vom 27.4.1884 folgendes fest: Joh. Peter Obrist dahier beschäftigt sich seit einigen Jahren nebenbei mit der Fabrikation von Zündhölzchen. Die jährliche Produktion erreichte kaum ein paar Tausend Schachteln. Die Fabrikation findet im eigenen Wohnhaus statt. Auf einer Seite wohnt die Familie, auf der anderen Parterre ist die kleine Fabrik angelegt bestehend:

1. Aus der früheren Stube , 2 m. hoch, 4 m. lang, für Holzarbeiten & Einlegen der Hölzchen in Rahmen.

2. Aus der Küche mit Gewölbe, 2 m. hoch, 4 m. lang, zum zubereiten der Zündmasse & betunken der Hölzchen.

3. Aus einer früheren Speisekammer, zum Trocknen , herausnehmen & einfüllen & verpacken.

4. Aus einem Zimmer im 1. Stock, zum Aufbewahren der Hölzchen.

5. Im Kellerraum wird etwas Phosphor und Chlorsaures Kali aufbewahrt. ... „

In Verzeichnissen des Fabrikinspektors ist die Eintragung zu finden, dass die Fabrik Obrist zum 18.07.1884 dem Fabrikgesetz unterstellt worden ist. Aus weiteren Eintragungen können wir ablesen, dass hier nur 2 bis 3 Arbeiter beschäftigt waren, die Gelbphosphor-Zündhölzer herstellten.

Die Inventarschätzung aus dem Jahr 1891 bezeichnet den Wert der Liegenschaft auf 1.000 Fr. und den Wert der Maschinen und Einrichtungen auf 96 Franken. Der Beschreibung der Räume nach, mussten die rohen Hölzchen ausserhalb der Fabrik gefertigt worden sein. Ob bei Obrist Zündholzschachteln verwendet worden sind, ist ungewiss. Bei vorhandener Ausstattung, war bloss die Fertigung von Zündhölzchen mit Köpfen aus gelbem Phosphor möglich. Mit dem Bundesgesetz vom 2.11.1898, Einführung des Verbots von Zündhölzchen mit weissem Phosphor, kam auch das Aus für die Fabrik in Bergün. Die Streichung aus der Fabrikliste erfolgte zum 27.11.1900.

Schweizerisches Zündholzmuseum, Dieter Weigelt Juli 2003

Quellenmaterial:

1. Allg. Handels – Adressbuch von Deutschland, des österr. Kaiserstaates und der

Schweiz, Mainz 1856

2. Schweizerisches Handels-Adressbuch, J. Frick, Zürich 1870

3. Adressbuch der Kaufleute, Fabrikanten und Gewerbsleute der gesamten

Schweiz, Verlag Leuchs, Nürnberg 1877

4. Bundesarchiv Bern, Akten E7171(A) Akz. 2, Bd.2 ; E7172 (A), Bd. 1

5. Ernst Hohl, Die schweizerische Zündholzindustrie und Gesetzgebung, Diss. 1929

6. Staatsarchiv Graubünden in Chur, Akten IV.23b; X11.a2