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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton St. Gallen


An der Idee, auch anderswo als in Zürich und im Bernbiet die Zündhölzchenfabrikation einzuführen, hatte es nie gefehlt; aber meist war das nur die Idee des mittellosen Handwerkers, der sich in diesem neuen Gewerbe versuchen wollte. Von fabrikmäßigen Anlagen können wir neben Frutigen und Zürich nur mit einigen Ausnahmen sprechen. Es handelte sich hier fast ausschließlich um kleinste Manufakturbetriebe oder gar um rein handwerksmäßige Herstellung, die sich der einfachsten Technik bediente. Diese Zwergbetriebe, die nicht mehr als 2, 3 oder höchstens ein halbes Dutzend Arbeiter vereinigten, waren gewöhnlich von kurzem Bestehen und gingen mit dem Ableben des Inhabers wieder ein. Ohne Kenntnisse, ohne Vorbereitung entstand hier über Nacht die neue "Fabrik".

Auch im Kanton St. Gallen soll es in den 40-ziger Jahren Versuche gegeben haben die Zündholzproduktion1. einzuführen, aus dieser Zeit sind uns zwei Zündholzfabriken namentlich bekannt. Leider sind die Hinweise im Landesarchiv St. Gallen, wie auch im Bundesarchiv in Bern zu diesen Betrieben nur sehr spärlich.

Im Kanton St. Gallen erschien bereits am 25.5.1849 die Verordnung betr. die Fabrikation von Zündhölzchen, wozu wahrscheinlich der Bedarf bestanden hat. In ihren Hauptpunkten stimmt sie mit der Zürcher Verordnung von 1847 überein. Sie knüpfte den Betrieb einer Zündholzfabrik auch an die Bewilligung des Regierungsrates, verlangte eine möglichst vollkommene Ventilation und bestimmte, daß das Schwefeln, das Eintauchen von Hölzchen, die Bereitung der Zündmasse und das Trocknen nicht von Personen unter 18 Jahren geschehen durfte. Sie ordnete periodische ärztliche Kontrollen an und machte den Fabrikinhaber vor allem aus Fahrlässigkeit entstandenen Schaden haftbar. Der Gesuchsteller hatte über eine Befähigung, die "Zündmasse zu bereiten und zu behandeln", eine Prüfung zu bestehen, die der Regierungsrat anordnete. Über die Reinlichkeit und das Genießen der Speisen in den Fabriken war allerdings leider auch hier nicht die Rede.

Obige Bedingungen mussten die damaligen Fabrikbesitzer erfüllen und den Fabrikbetrieb vorerst beantragen.

1849 - 1870 Neudorf, Lerchenthal

Zündholzfabrik Schoch + Waldburger J., in Tablat, zum Lerchenthal / Neudorf

Im Protokoll des Sanitätsrats. des Kanton St. Gallen vom 2.4.1849 wird die Errichtung dieser Fabrik besprochen. Vermutlich gleich danach erfolgte auch die Erlaubnis zu deren Betrieb.

Im Jahr 1861 wird diese Fabrik folgend bezeichnet: Hobel, Sägen, Werkzeug und Zündholzfabrikation. Die letzte Information zur obigen Fabrik stammt aus dem Jahr 1870, wo als Besitzer J.J. Schoch Sohn ausgewiesen wird, es muss also ein Generationswechsel stattgefunden haben. An anderer Stelle ist nämlich auch die Angabe zu finden, dass Hans Jakob Schoch, verh. mit Elisabetha Waldburger im Jahr 1866 gestorben ist. Bis wann diese Fabrik im Betrieb war, lässt sich vorerst nicht endgültig klären. Jedenfalls im Adressbuch aus dem Jahr 1877 ist sie nicht mehr ausgewiesen.

1849 - 1873 Waldkirch, Herzenwil

Zündholzfabrik Johann, Baptist Egli in 9205 Herzenwil, Gemeinde Waldkirch

Die Betriebserlaubnis für diese Zündholzfabrik erteilte der Kleine Rath des Kantons St. Gallen am 2.8.1849. Im Lagebuch über die Gebäudeschätzung wird die Zündholzfabrik erst im Jahr 1869 unter Hätzenswil Nr. 186 ausgewiesen und auf 2000 Fr. geschätzt. Möglich das die Fertigung zunächst im Schopf unter der Nummer 166 bzw. im Haus selbst Nr. 150a erfolgt ist. Johann, Baptist Egli musste um 1873 gestorben sein, denn nun wird im Lagebuch als Eigentümerin Frau Starkle Ehefrau von Egli ausgewiesen. Bis wann diese Fabrik im Betrieb war, lässt sich vorerst nicht endgültig klären, auch sie ist im Adressbuch aus dem Jahr 1877 nicht mehr ausgewiesen.

1877 - 1912 Unterterzen

Zündholzfabrik Johann Scherrer in 8882 Unterterzen, Gemeinde Quarten.

Der erste Erwähnung des Fabrikanten Joh. Scherrer ist im Adressbuch aus dem Jahr 1877, wo er als Zündholzschachtel-Fabrikant ausgewiesen wird. Wann genau hier die Zündholzfertigung aufgenommen worden ist lässt sich vorerst nicht genau feststellen. Auch nicht, ob er dies vor der gemeinsamen Fabrik mit Fridolin Gätzi getan hat. Der amtlicher Eintrag dieser Fabrik ins Handelsregister findet am 9. Juli 1894 statt, wobei unter Geschäftslokal: "neue Fabrik im Gute Fischenzen", zu lesen ist. Wo die alte Fabrik im Betrieb war erfahren wir hier nicht. An anderer Stelle erfahren wir, dass in der Fabrik 10 Arbeiter bei der Fertigung von Gelbphosphor-Zündhölzern beschäftigt waren, wobei es hier auch einen Wasserantrieb von 5 PS gab. Dies bedeutet, dass auch irgendwelche maschinelle Ausstattung vorhanden sein musste. Für die in der Fabrik beschäftigten gab es eine Fabrikordnung vom 1.11.1894. Nach amtlichen Eintrag ist die Fabrik am 29.8.1904 verkauft worden, der Fabrikinspektor bezeichnet aber den Besitzerwechsel bereits zum 30.12.1901.

Neue Besitzer der Fabrik sind Andreas Scherrer und Carl Scherrer beide von Quinten, wohnhaft in Unterterzen die eine Kollektivgesellschaft unter der Firma Gebrüder Scherrer eingegangen sind. Unter neuen Besitz werden in der Fabrik nur noch 6 Arbeiter beschäftigt. Zum 29.7.1912 wird die Kollektivgesellschaft aufgelöst und die Fabrik liquidiert.

1885 - 1898 Heiligkreuz

Zündholzfabrik Frau Gasser, im Heiligkreuz, Tablat

Diese Zündholzfabrik ist im Jahr 1885 gegründet worden und beschäftigte zunächst 6 Arbeiter, später 9 bis 10 um 1894 wieder auf 7 Arbeiter abzubauen. Es sind hier im Handbetrieb Gelbphosphor-Zündhölzer hergestellt worden. Irgendwelche Ausstattung muss aber vorhanden gewesen sein, den im Jahr 1891 wird der Wert der Maschinen und Einrichtungen auf 5'408 Fr. geschätzt. Ab 1896 muss es einen Besitzerwechsel gegeben haben, der aber amtlich nicht dokumentiert ist. Zunächst ist eine Fabrikordnung vom 9.06.1896 vorhanden, wo als Fabrikbesitzer Jacob Künzler bezeichnet wird. Ausserdem ist im Verzeichnis 1895, der dem Fabrikinspektor unterstellten Fabriken der Name Gasser gestrichen und Künzler dazugeschrieben. An obiger Stelle ist auch der Eintrag, dass der Betrieb zum 9.4.1898 eingestellt worden ist.

1890 - 1902 Unterterzen

Zündholzfabrik Johann Scherrer und Fridolin Gätzi in 8882 Unterterzen, Gemeinde Quarten

Johann Scherrer nimmt zunächst mit Fridolin Gätzi eine gemeinsame Zündholzfertigung auf. Für die Betriebsbewilligung wird auch eine Fabrikordnung vom 28.10.1890 eingereicht und genehmigt. Die Inventarschätzung aus dem Jahr 1891 bezeichnet den Wert der Liegenschaft auf 10'000 Fr. und der Maschinen und Einrichtungen auf 2'610 Fr. Im Jahr 1893 verkauft Scherrer seine Anteile an den Partner Fridolin Gätzi um danach seine eigene Fabrik zu gründen. Die Fabrik wird nun unter der Firma Fridolin Gätzi Zündholzfabrik geführt. Bei der Fertigung von Gelbphosphor-Zündhölzern sind 7 Arbeiter beschäftigt. Die Geschäfte von Fridolin Gätzi gehen wohl nicht bestens, denn er kommt in Zahlungsschwierigkeiten und muss Konkurs anmelden. Die Firma wird zum 6. März im Handelsregister gestrichen.

1930 - 1935 Bollingen - Jona

Ziehzünderfabrik, Dr. Hans Grossmann in 8715 Bollingen- Jona

Dr. Hans Grossmann aus Zürich gründete am 6.10.1930 in Bollingen- Jona in der Villa Sorpresa eine Ziehzünderfabrik. Mit Blick auf die zukünftige Produktion von Ziehzündern ist wahrscheinlich auch der Antrag auf Erteilung einer deutschen Steuer Unterscheidungsnummer gestellt worden, ohne der Export nach Deutschland nicht möglich gewesen wäre. Dem Fabrikanten Dr. Hans Grossmann in Bollingen wird am 18.7.1929 die Nummer 810 zugeteilt. Ob es überhaupt zum Export der Ziehzünder nach Deutschland gekommen ist, ist nicht bekannt. Die Ziehzünderfabrik besteht bis 1935, wo der Konkurs angemeldet wird.

1933 - 1937 Bollingen - Jona

Patentzünder Aktiengesellschaft in 8715 Bollingen-Jona, später in 8640 Rapperswil.

Die Aktiengesellschaft wird am17.8.1933 gegründet und hat ihr Geschäftslokal in den Räumen von Dr. Grossmann in Bollingen-Jona. Die neue Gesellschaft übernimmt von der Patentzünder + Union A.G. in Vaduz eine komplette automatisch arbeitende Ziehzünderanlage. Der Name Dr. Grossmann erscheint zwar im Zusammenhang mit obiger Firma nicht, doch ist die Vermutung gross, dass er auch bei der Gründung dieser Aktiengesellschaft beteiligt war. Bei der Gründung gibt es nur ein einziges Mitglied des Verwaltungsrates, es ist Dr. Richard Stäger, Rechtsanwalt, von Willmergen, in Zollikon. Was für Mengen von Ziehzünder seitens der Aktiengesellschaft gefertigt worden sind, auch deren Muster sind uns nicht bekannt. Im Jahr 1935 wird der Sitz der Gesellschaft nach Rapperswil verlegt, wo auch die Bezeichnung der Firma auf Aktiengesellschaft Patentzünder A.G. abgeändert wird. Durch Beschluss der ausserordentlichen Generalversammlung der Aktionäre vom 9. April 1937 wird die Gesellschaft aufgelöst.

1935 - 1976 Unterterzen

Zündholzfabrik Quarten A.G. in 8882 Unterterzen, Gemeinde Quarten später: Holzindustrie A.G. St. Margrethen, Abteilung Zündholzfabrik in Unterterzen.

Terza Zündholzfabrik Unterterzen, Abt. der Hiag St. Margrethen

Terza Zündholzfabrik A.G.

Die Informationen über obige Zündholzfabriken, sowie über deren Zusammenarbeit mit der Handelsgesellschaft Terza A.G. sind so umfangreich, dass sie einer separaten Bearbeitung benötigen, die später veröffentlicht wird.

1937 - 1944 Rapperswil

Tirette A.G. in 8640 Rapperswil

Die Aktiengesellschaft Tirette A.G wird am 6.8.1937 gegründet. Sie bezweckt: Fabrikation und Vertrieb von Ziehzünden nach eigenen Patenten, sowie Herstellung und Vertrieb von Reklameartikeln aller Art, ferner Beteiligung an andern Unternehmungen, soweit diese dem Zwecke der Gesellschaft dienlich sind. Die Gesellschaft erwirbt auf Grund des Übernahmevertrages und des Inventarverzeichnisses vom 6. August 1937 von Hugo Nathan, in Rapperswil, Vermögenswerte in Mobilien, Utensilien, Maschinen, Werkzeugen, Einrichtungen, Warenvorräten und Schutzrechten zum Preise von Fr. 60'000. Ob es sich bei obigen Immobilien und Ausstattung um Einrichtungen der ehemaligen Patentzünder A.G. handelt ist nicht näher bekannt. Eins ist hier aber Bemerkenswert sowohl Hugo Nathan, wie der ehemaliger Industriedirektor der Patentzünder A.G. waren deutsche Staatsbürger. Das Geschäftslokal der Tirette A.G. befindet sich in Rapperswil, Obere Bahnhofstrasse.

Im Jahr 1939 die Statuten der Gesellschaft revidiert, als Zweck der Gesellschaft wird jetzt bestimmt: Fabrikation und Vertrieb von Ziehzündern nach eigenen Patenten, von Packungen und Behältern in Verbindung mit solchen, Übernahme und Vertrieb von anderen Artikeln der Zündholzbranche, ferne Herstellung und Vertrieb von Reklameartikeln aller Art. Die Gesellschaft ist berichtigt, sich an anderen Unternehmungen zu beteiligen, oder solche zu übernehmen, soweit dies dem Zweck der Gesellschaft dienlich ist. Was für Mengen an Ziehzündern und der für sie benötigten Ständer gefertigt worden sind, ist nicht näher bekannt.

Ziehzünder samt Ständer der Tirette A.G. sind im Besitz des schweizerischen Zündholzmuseum.

Die Geschäfte dieser Aktiengesellschaft mussten nicht bestens verlaufen, denn bereits im Jahr 1940 wird das Konkursverfahren eingeleitet, welches aber erst 1944 abgeschlossen wird.

1941 - 1944 Rapperswil

Mercuria Zündholzfabrikation und Grosshandel G.m.b.H, in 8640 Rapperswil

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung wird am 2.5.1941 gegründet, deren Geschäftslokal befindet sich in der Oberen Bahnhofstrasse. Diese bezweckt die Herstellung und Vertrieb von Ziehzündern nach eigenen Patenten, von Packungen und Behältern in Verbindung mit Ziehzündern, Herstellung und Vertrieb von einschlägigen Reklameartikeln sowie Handel mit Zündhölzern aller Art. Das Stammkapital der Gesellschaft beträgt Fr. 28'000; es ist von den beiden Gesellschaftern Max Schärer, von Horgen, und Josef Troxler, von Willisau (Luzern), beide in Pfäffikon ( Schwyz), wie folgt liberiert:

a. von Max Schärer mit Fr. 1000, in bar und voll eingezahlt, und

b. von Josef Troxler mit Fr. 27'000, durch Überlassung von Maschinen, Büroeinrichtungen und Warenvorräten im Anrechnungswert von Fr. 27'000.

Es ist für diese Gesellschaft auffallend, dass sie gleich nach Anmeldung des Konkurs der Tirette A.G. gegründet wird und dies sogar in der Oberen Bahnhofstrasse. Der Zweck der Gesellschaft ist eigentlich der gleiche wie der, der vorhin bestehenden A.G. Es werden von Josef Troxler auch Maschinen und Warenvorräte gestellt, die wahrscheinlich auch von der Tirette A.G. stammen. Die genauen Zusammenhänge sind mir hier leider nicht bekannt. Die Gesellschaft besteht bis 1944, wo sie aufgelöst wird. Über die Art und den Umfang der gefertigten Zündhölzer sind keine näheren Angaben vorhanden.



Quellenmaterial:

1. Walter Amstutz, Die schweizerische Zündholz-Fabrikation, Diss. Weinfelden 1928

2. Staatsarchiv St. Gallen, verschiedene Akten

3. Adressbuch der Stadt und des Kantons St. Gallen, D. Hintermeister, St. Gallen 1861

4. Schweizerisches Handels- Adressbuch für Fabrikanten, J. Frick, Zürich 1870

5. Neues vollständiges Handel und Gewerbe Adressbuch der gesamten Schweiz, Zürich 1877

6. Schweizerisches Handelsamtsblatt, verschiedene Ausgaben

7. Bundesarchiv Bern, verschiedene Akten

8. Special + Adressbuch der industriellen Etablissements der Schweiz, Hans Schwarz, Zürich 1888/89

Schweizerisches Zündholzmuseum, Dieter Weigelt Dezember 2001