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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Schwyz


Die Entwicklung der Zündholzindustrie im Kanton Schwyz erfolgte unter ähnlichen Umständen, wie dies bereits für andere Kantone beschrieben worden ist. Auch hier handelt es sich fast ausschliesslich um kleinste Manufaktur-Betriebe oder gar um rein handwerksmässige Herstellung, die sich der einfachsten Technik bediente.

Eine Verordnung über den Bau und die Einrichtung der Zündholz-Fabriken ist im Kanton Schwyz erst am 4. März 1873 erlassen worden. Es gab hier aber bereits fabrikbezogene Vorschriften vom 19.06.1858 und 15.03.1861

1849-1857 Brunnen, Gemeinde Ingenbohl Fabrik I

Franz Dominik Hürlimann, Zündholzfabrik, sog. „Ribi“ am Lehwasser

Der erste Hinweis auf diese Fabrik ist im Adressbuch aus dem Jahr 1850 zu finden, wo als Eigentümer Fassbind und Hürlimann ausgewiesen werden. In allen Archivunterlagen ist der Name Fassbind aber nicht ausgewiesen. Weitere Einzelheiten über diese Fabrik, wie über Franz Dominik Hürlimann sind uns dank der Publikation von seinem Sohn Karl bekannt.

Franz Dominik Hürlimann kam im Jahr 1843 von Walchwil nach Brunnen. Er erwarb von Anton Aufdermauer um 9.600 Gulden die schon 1583 erbaute Säge samt Wohnhaus und betrieb fortan die Sägerei, mit Zündholzfabrikation und Holzhandel. Das Geschäft mit der Säge verlief wegen Streitigkeiten um die Wasserrechte sehr ungünstig. So entschloss sich Hürlimann zur Einrichtung einer kleinen Zündholzfabrik mit Trocknerei im Gebäude bei der Leerlauffalle, wobei die ganze Familie sowie drei bis vier Hilfskräfte Arbeit fanden. Letztere besorgten das Schwefeln, Tunken und Trocknen. Die Kinder fertigten die Schachteln und Hürlimann selbst die Versandkisten. Der grösste Abnehmer von Zündhölzern war damals ein gewisser Arnold von Uri, in Basel. Arnold wusste es so einzurichten, dass er Ware für 3000-4000 Franken erhielt, die er dann nicht bezahlen konnte. Um sich weiteren Ärger zu ersparen ist die Zündholzfabrikation an J. Kambli abgegeben worden. Hürlimann blieb aber als Zulieferer von Schachteln und Kisten tätig, was einen guten Nebenverdienst sicherte. Ein weiterer Grund weswegen Hürlimann die Fertigung von Zündhölzern aufgegeben hat, mag auch damit verbunden sein, dass die Fabrik im Jahr 1854 vom Sanitätsrat kontrolliert worden ist, wobei einige Auflagen erteilt worden sind.

1857-1868 Brunnen, Gemeinde Ingenbohl Fabrik I

Kaspar Kambli, Zündholzfabrik

Franz Hürlimann verpachtet zum 6.04.1857 die Räumlichkeiten für die Zündholzproduktion dem J. M. Kambli, der war aber wahrscheinlich früher in Brunnen tätig, denn im Adressbuch 1856 wird er bereits als Zündholzfabrikant ausgewiesen. Aus dem Adressbuch geht ebenfalls hervor, dass Kambli bereits eine Zündholzfabrik in Cernay Frankreich betreibt. Bereits im Jahr 1858 wird Kambli mit Problemen konfrontiert die seitens des Sanitätsrats, nach einer Kontrolle der Fabrik angesprochen werden. Ein weiterer Betrieb der Fabrik wird nun von folgenden Umbauten abhängig gemacht:

1. Die Schwefelung und das Eintauchen der Hölzchen sowie die Bereitung der Zündmasse und auch das Trocknen der Hölzchen müsse in einen besonderen von den übrigen Räumen abgeschlossenen Raum versetzt werden.

2. In allen Arbeitszimmern sei genügende Ventilation anzubringen.

3. Den Arbeitern soll ein besonderes Esszimmer angewiesen werden, das zu keinem anderen Zweck gebraucht werden dürfe.

4. Nebstdem werden noch Vorschriften über das Alter der Arbeiter, die zu verschiedenen Arbeiten gehalten werden dürfen, sowie über deren Reinlichhaltung gegeben.

Die Anweisung erfolgt als Beschluss des Regierungsrats an dem Herr F. Abegg für sich und zu Handen der mitbeteiligten Herren Kambli und Franz Hürlimann. Wie die Eigentumsverhältnisse genau ausgesehen haben, kann heute nicht mehr nachvollzogen werden, denn in anderen Akten wird immer bloss Kambli erwähnt.

Im Jahr 1861 bezeichnet der Bezirksarzt die sanitären Verhältnisse in der Fabrik weiter als ungenügend. Auch der Gemeinderat Ingenbohl protestiert, dass die Fabrik alle Abfälle in den Bach werfe, was zu Verunreinigung des Wassers führe.

Im selben Jahr wird aber auch berichtet, dass die Zündholzfabrik in neue Räumlichkeiten umgezogen ist. An alter Stelle werden die Kisten gelagert sowie das Holz zerstückelt.

Die neue Lokalität entstand am Platz wo sich früher die Pulvermühle befunden hat, ausserdem ist die Holzsäge zu einen Zündholzbetrieb umgebaut worden. Im Bericht des Bezirkarztes aus dem Jahr 1867 ist eine genaue Beschreibung aller Arbeitsräume enthalten.

1860-1872 Brunnen, Gemeinde Ingenbohl Fabrik II

Rudolph Gross, Zündholzfabrik

Rudolph Gross gründet seine Zündholzfabrik in Brunnen wahrscheinlich im Jahr 1860. Eine Betriebsgenehmigung seitens des Regierungsrats liegt uns leider nicht vor. Bereits im Jahr 1863 kommt es aber zu Streitigkeiten zwischen Gross und Kambli, wegen der Behauptung des ersten, er habe die alleinige Zündholzfabrik an Ort. Eine genaue Beschreibung der Fabrik ist im Bericht des Amtsarztes für das Jahr 1867 zu finden. Die Fabrik besteht aus zwei Gebäuden. Davon ein grösseres Gebäude, ohne besonderer Lüftung in dem bloss die Holzarbeiten verrichtet werden. Im anderen Gebäude geschieht das Schwefeln, Tunken u.s.w. In der Fabrik waren bei engsten Verhältnissen bis 20 Arbeiter beschäftigt. Der Sanitätsrat des Kanton Schwyz führt aus, dass Rudolph Gross, später auch als Groß-Scheuchzer bekannt, sich nie ganz genau durch Einhaltung der erteilten Verordnungen ausgewiesen hat. Um die Fabrik in Brunnen weiter zu betreiben, wäre ein entsprechender Umbau notwendig gewesen. Dies veranlasste Gross im Jahr 1872 hier die Fertigung aufzugeben und eine neue Fabrik in Lachen zu eröffen.

1870-1878 Brunnen, Gemeinde Ingenbohl Fabrik III

Fridolin Strübi, Zündholzfabrik

Der erster Hinweis auf die Zündholzfabrik F. Strübi ist im Adressbuch aus dem Jahr 1870 zu finden. Eine Bewilligung seitens des Regierungsrats für diese Einrichtung hat es wahrscheinlich vorerst nicht gegeben.

Im Jahr 1872 beschreibt der Bezirksarzt zunächst bloss eine Fabrik mit der Bezeichnung in Ingenbohl. Es werden hier die einzelnen Fertigungsräume beschrieben, ausser denen wo die Holzarbeiten stattfinden. Die rohen Hölzchen gelangen in die eigentliche Zündholzfabrik, die aus zwei Fertigungsräumen besteht. Im ersten Raum befinden sich der Dörrofen, hier wird aber auch das Tunken und das Trocknen der Zündhölzchen vollzogen. Das Packen erfolgt in einem weiteren, getrennt liegenden Raum. Beide Räume sind durch einen Anbau verbunden, von dem Türen in die einzelnen Arbeitsräume, wie auch nach draussen führen. Durch so eine Anordnung der Räumlichkeiten können die giftigen Phosphordämpfe überall durchdringen. Der Arzt berichtet auch über eine Phosphornekrose-Erkrankung, der eine Frau die bereits bei Kambli und Gross gearbeitet hat erlegen ist. Auf Grund dieses Berichts wird Strübi vom Regierungsrat aufgerufen, zwei der Verbindungstüren zuzumauern. Das Polizeidepartement wird verpflichtet durch einen zuverlässigen Polizeidiener die Fabrik monatlich zu kontrollieren. Das Bezirksamt Schwyz selbst möge die früheren Beschlüsse des Regierungsrats aus dem Jahr 1858 und 1861 durchführen. Im Januar 1873 stellt das Bezirksamt fest, dass die Fabrik von Strübi nun den Beschlüssen des Regierungsrats entspricht.

Im Juni 1873 berichtet das Bezirksamt an das Polizeidepartement, dass die Zündholzfabrik Strübi aus der oberen und unteren Fabrik besteht, die sich in einiger Entfernung befinden. Die obere Fabrik ist ganz neu, wobei die Baubestimmungen eingehalten worden sind, was wie Strübi später feststellt mit grossen Kosten verbunden war. Die untere befindet sich in einem alten Gebäude, welches diesen Vorschriften nicht ganz genau entspricht. Im selben Monat legt Strübi dar, dass er durch seinen Schwager Kambly auch das ehemalige Geschäft von Hürlimann übernommen hat. Bereits am 18.6.1873 beschliesst der Regierungsrat, dass die ehemalige Fabrik Hürlimann geschlossen werden muss, bis sie nach Massgabe der Verordnung umgebaut sein wird.

Ob in der unteren Fabrik die Fertigung von Zündhölzern überhaupt aufgenommen worden ist, ist eher fraglich. Denn es wird jetzt bloss über eine Fabrik gesprochen, die ohne Konzession arbeitet. Die letzte mit Beschluss des Regierungsrats vom 28.2.1874 erteilt. Die Erteilung der Konzession richtete nach der Verordnung über den Bau und die

Einrichtung von Zündholzfabriken, die vom Kanton Schwyz am 4.03.1873 erlassen worden ist. Die Konzession wird unter folgenden Bedingungen erteilt,: Die Tür des Warenmagazins muss direkt nach aussen und nicht in den Gang führen. Die Ventilation der Arbeitsräume so eingestellt wird, dass auch im Winter eine entsprechende Heizung vorhanden ist. Dass Strübi eine Kaution von CHF 1.000 hinterlegt.

Fridolin Strübi scheint, nachdem die Bürgschaft seines Vaters nicht angenommen worden ist, mit der verlangten Kaution in echte Schwierigkeiten geraten zu sein. Er ruft den Bundesrat an, was den Kanton in dieser Angelegenheit zu einer umfangreichen Stellungnahme zwingt. Die Kaution wird weiter verlangt.

Am 6.07.1875 bietet Fridolin Strübi als Kaution die Einrichtung eines Hypothekentitels auf sein Wohnhaus an, was seitens des Polizeidepartements noch geprüft werden soll.

Lt. Personalunterlagen im Staatsarchiv Schwyz ist Fridolin Strübi bereits am 7.4.1872 gestorben. So musste bereits seit damals die Interessen der Witwe, wie auch der Kinder sein Bruder Anton Strübi vertreten haben. Bei der Erstellung eines Kaufschuldbriefs im Jahr 1877 wird Frau Carolina Strübi und deren Kinder durch den Vormund Anton Strübi vertreten. Vorübergehend wird die Fabrik im Jahr 1878 von J.C. Kambli betrieben, der aufgerufen wird eine Konzession zu beantragen, sowie eine Kaution zu hinterlegen. Es scheint derselbe J.C. Kambli zu sein, der vordem zwischen 1871 bis 1877 eine Zündholzfabrik in Beckenried, Kanton Unterwalden betrieben hat. Eine Übernahme scheint aber an der Kaution zu scheitern.

1878-1884 Brunnen, Gemeinde Ingenbohl

Anton Strübi, Zündholzfabrik

Pächter J. F. Kammerer aus Zürich.

Die im Jahr 1878 bestehenden Eigentumsverhältnisse sind etwas undurchsichtig. Die Fabrik scheint nun Eigentum von Anton Strübi zu sein, der wahrscheinlich seine Schwägerin, wie auch die Kinder des Bruders ausbezahlt hat. Anton verpachtet die Fabrik an J. F. Kammer aus Zürich. Dieser beruft zum Leiter der Fabrik J.C. Kambli und beantragt beim Regierungsrat am 21.8.1878 eine Konzession, weist dabei als Kaution den bereits oben erwähnten Kaufschuldbrief aus. Diese Kaution, wie auch eine weitere auf ein Wohnhaus mit Garten in Brunnen werden nicht angenommen. Erst eine Garantieverpflichtung der Kreditanstalt in Zürich vom 1.10.1878 wird als annehmbar befunden. In der Zwischenzeit ist für die Fabrik bereits eine Fabrikordnung vom 1.09.1878 erstellt und vom Regierungsrat am 9.10.1878 genehmigt worden. Die Fabrikordnung ist von J. F. Kammerer und dem verantwortlichen Leiter J.C. Kambly unterschrieben worden.

Im Zusammenhang mit dem Bundesgesetz vom 23.12.1879 stellt J. F. Kammerer, Zündwaren und Gypsfabrik in Brunnen, am 18.10. 1880 die Eingabe um eine Konzession für die Fertigung von schwedischen Zündhölzern.

Noch im November 1880 beantragt Kammerer die Erlaubnis für eine tägliche 13 stündige Arbeitszeit. Diese wird auch vom Regierungsrat bewilligt, obwohl demnächst das Bundesgesetz mit dem Verbot der Fabrikation, Einfuhr und Verkauf von Zündhölzchen mit gelbem Phosphor zum Tragen kommt. Im Jahr 1881 ist die Fabrik zunächst gänzlich ausser Betrieb, es werden verschiedene Umbauten vorgenommen, um den vom Fabrikinspektor präzisierten Anforderungen nachzukommen. Ob es aber überhaupt bis zum 25.6.1882 (Aussetzung des Verbots von gelbem Phosphor) zu Fertigung von schwedischen Zündhölzern gekommen ist, ist nicht nachgewiesen. Bereits im März 1881 verlässt J.C. Kambly die Fabrik, als neuer Geschäftsführer wird ein Herr Blattmann eingestellt. Zum Martini 1884 geht der Pachtvertrag zu Ende. Unter der Bezeichnung J. F. Kammerer ist in der Zwischenzeit eine neue Fabrik am Fallenbach gebaut worden, deren Inhaber Robert Hüni aus Horgen ist.

1884-1904 Brunnen, Gemeinde Ingenbohl

Anton Strübi, Zündholzfabrik

Nach dem Bericht des Bezirksarztes hat die Fabrik am 12.12.1884 den Betrieb aufgenommen. Dies geschah obwohl zunächst keine Konzession beantragt, wie auch vom Regierungsrat erteilt worden wäre. Nun wird Anton Strübi aufgefordert im Termin bis zum 15.03.1885 eine Kaution von 1.000 Franken einzureichen. Die Kaution wird in Form einer Bürgschaft von Rudolf Strübi hinterlegt und auch akzeptiert. Strübi fabriziert Gelbphoshorzündhölzer und beschäftigt in der Firma 7 Arbeiter. Am 4.02.1886 wird die Fabrik wie folgt in das Handelsregister eingetragen: „Inhaber der Firma Anton Strüby, Zündholzfabrikant in Brunnen ist Anton Strüby von und in Ingenbohl-Brunnen. Natur des Geschäftes: Zündholzfabrikation“. Von nun an ändert sich auch die Schreibweise des Namens Strübi auf Strüby.

Im August 1890 erhält Strüby vom Fabrikinspektor eine weitere Auflage, die mit dem Zumauern der Tür zu den Räumen in denen das Einlegen und Ausnehmen der bereits getunkten Hölzchen geschieht. Er ist dieser Auflage bis September nicht nachgekommen, was nun den Regierungsrat beschäftigt.

Eine im Jahr 1891 vorgenommene Inventarschätzung bewertet die Liegenschaft auf 15.000 Fr. und den Wert der Maschinen & Inventar auf 6.035 Fr.

Bei seinen Besuchen werden vom Fabrikinspektor immer wieder neue Auflagen formuliert, die Strüby erfüllen muss. Da die geforderten Änderungen meistens mit Kosten verbunden sind, kommt es zu Verzögerungen und entsprechenden Beschlüssen des Regierungsrats. Am 4.09.1894 wird für die Holztrock -& Zündholzfabrik von Anton Strüby eine neue Fabrikordnung erstellt, die auch vom Regierungsrat genehmigt wird.

Im Dezember 1897 ist die Unterschrift von Anton Strüby auch unter der Eingabe an die Hohe Bundesversammlung zu finden, wo die Fabrikanten um eine Entschädigung im Zusammenhang mit der erneuten Einführung des Verbots von gelbem Phosphor nachsuchen. Wie sorglos mit den letzten, bei allen bereits bekannten Erkrankungen an Phosphornekrose umgegangen worden ist, zeugt der Bericht des Fabrikinspektors vom Mai 1898, wo A. Strüby vorgeworfen wird, dass er seinen noch schulpflichtigen Sohn Joseph beim Drehen des Rührwerks für die Zündmasse beschäftigt. Auch im Jahr 1900 wird noch auf Vorrat produziert und um eine Genehmigung für Überstunden nachgegangen. Beim Bundesrat wird in selber Zeit erneut um eine Entschädigung nachgesucht, dem aber nicht stattgegeben wird.

Ab 1.Juli 1900 durften die alten Zündhölzchen nicht mehr hergestellt werden. Eine Eingabe für die Bewilligung der Fabrikation von phosphorfreien Zündhölzern, der auch ein Rezept beigefügt ist erfolgt seitens Strüby erst im August 1900. Der Bundesrat erteilt die Bewilligung zum 12.10.1900, wobei darauf hingewiesen wird, dass zunächst alle Auflagen des Fabrikinspektors erfüllt werden müssen. Nachdem die Fabrik zunächst stillgelegt war erfolgten Fertigungsversuche nach zunächst noch unvollkommener Rezeptur, die noch immer abgeändert wird. Ein erneutes Rezept des Anton Strüby ist vom 28.01.1901 bekannt.

Mit den Auflagen des Fabrikinspektors ist Anton Strüby nicht ganz einverstanden, es geht ihm hauptsächlich um die geforderten Exhaustoren über den Mischgefässen, wozu aber das Eidg. Industrie Departement im Schreiben vom 20.02.1901 feststellt, so lange der Gesuchsteller dieser Verpflichtung nicht eingehen zu wollen erklärt, kann die Angelegenheit dem Bundesrat nicht vorgelegt werden.

Nach einigen Versuchen und Expertisen wird eine endgültige Fabrikationsbewilligung seitens des Bundesrats erst im Monat September 1901 erteilt. Die Fabrikation von Zündhölzchen nach vom Bundesrat akzeptierter Rezeptur muss nicht bestens verlaufen sein, denn bereits im Juni 1903 wird berichtet, dass in der Zündholzfabrik von Strüby bloss noch unregelmässig gearbeitet wird. Die Lage in der Fabrik wird vom Regierungsrat am 30.09.1903 erörtert, wobei u.a. folgendes festgestellt wird,:

In der Fabrik werden die Zündhölzer bloss noch vom Sohn Strüby hergestellt, ausser ihm ist noch eine Packerin beschäftigt. Er arbeitet je nach Bedarf 2-3 Tage in der Woche und stellt wöchentlich 10-15 Kisten Zündhölzchen à 200 Schachteln her. Als Vorrat sind 200 Kisten auf Lager. Strüby beruft sich dabei auf die Geschäftslage, bei der ein richtiger Betrieb der Fabrik nicht möglich ist.

Eine Fabrikmarke hat Strüby nicht angemeldet, wozu er auch lt. Gesetz nicht verpflichtet werden kann. Jede Schachtel wird mit Firmenstempel gekennzeichnet ( Anton Strüby, Zündholzfabrik in Brunnen). Resümierend stellt der Regierungsrat fest, dass gegenwärtig in der Fabrik den gesetzlichen Vorschriften Genüge getan wird.

Die Situation war wahrscheinlich nicht mehr in Griff zu bekommen und die Fabrik ist im Jahr 1904 endgültig stillgelegt worden. Im Jahr 1907 kommt es dann zur schuldentriebrechtlichen Steigerung der Liegenschaften des Anton Strüby u.a. ein kleines Fabrikgebäude nebst Bretterhütte mit darin befindlichem Wasserrad, ferner eine Zündwarenfabrik und ein Dunkereigebäude, nebst den zu diesen Gebäulichkeiten gehörenden Umgelände und Wasserrechts zum Leewasser.

1882-1892 Brunnen, Gemeinde Ingenbohl Fabrik IV

J. F. Kammerer, Zündholzfabrik am Fallenbach Schützengasse 24

Unter der Bezeichnung J. F. Kammerer der vordem eine Zündholzfabrik von Anton Strüby in Pacht hatte wird am Fallenbach eine neue Fabrik erstellt, deren Inhaber Robert Hüni aus Horgen ist. Über das, wie es zu der Übernahme der Firmenbezeichnung kommen konnte, ist nichts Näheres bekannt. Auch nicht darüber ob Kammerer selbst noch irgendwie persönlich in Brunnen weiter tätig gewesen ist. Von den Behörden wird die Fabrik abwechselnd Hüni & Comp. oder auch J. F. Kammerer genannt. Wahrscheinlich ging es hier um die Abwendung eines neuen Antrags auf Fabrikationsbewilligung von Zündhölzern. Eine neue Bewilligung für den Betrieb am Fallenbach ist nicht auffindbar. Es scheint als ob Zündhölzer hier nicht durchgehend hergestellt worden wären. Im Jahr 1885 bei der Unterstellung unter das Fabrikgesetz wird dazu berichtet, dass in der Fabrik 10 Personen beschäftigt seien, es wird eine Holzsägerei betrieben, sowie Zündholzschachteln, Kisten und Süssbrand hergestellt.

Bereits am 30.12.1882 besucht der Bezirksarzt die neue Fabrik, die schon die Fertigung von Zündhölzern aufgenommen hat. Die Kontrolle erfolgt unter Bezugnahme auf das Reglement über die Fabrikation und Verkauf von Zündhölzchen vom 17.10.1882.

Eine Eintragung der neuen Fabrik ins Handelsregister erfolgt erst am 17.03.1883: „Inhaber der seit längerer Zeit bestehenden Firma J. F. Kammerer in Brunnen, Kt. Schwyz, ist Robert Hüni von Horgen, wohnhaft in Zürich und Brunnen (Ingenbohl). Natur des Geschäftes: Zündholzfabrikation“

Zum 5. Oktober 1892 wird der Status der Firma folgend geändert,: Die Firma J.F. Kammerer in Brunnen erlischt mit dem 31. Dezember 1892 gemäss O.R. 902, und geht mit Aktiven und Passiven auf die neue Firma Hüni & Schwarzenbach in Brunnen über. Anteilhaber dieser Kollektivgesellschaft in Brunnen, Gemeinde Ingenbohl, welche mit 1. Januar 1893 ins Leben tritt, sind Robert Hüni von Horgen, wohnhaft in Zürich und Brunnen, und Arnold Schwarzenbach-Hüni von und in Zürich. Natur des Geschäftes: Zündholzfabrikation.

Mit Eintrag vom 25.11.1895 wird die Firma in Brunnen gelöscht und nach Kloten verlegt, wo sie aber mit einer Bezeichnung Zündholzfabrikation nicht mehr erscheint. Über die Rückgabe der niedergelegten Bürgschaft wird erst im Jahr 1897 verhandelt.

1872 - 1875 Lachen, March

Gross-Scheuchzer, Zündholzfabrik

Rudolp Gross der vordem eine Zündholzfabrik in Brunnen betrieben hat verlegt seine Tätigkeit nun nach Lachen. Seine Fabrik wird hier unter der Bezeichnung Gross-Scheuchzer geführt. Im Schreiben des Gemeinderats Lachen an den Landamann vom 20.12.1872 wird aufgeführt, dass dieser erst nach der Inbetriebnahme der letzten auf sie aufmerksam geworden ist. Die Einrichtung erfolgte also ohne die benötigte Bewilligung des Kantons. Der Gemeinderat in Lachen ist beunruhigt, ob die Zündholzfabrik sich nicht gesundheitsschädlich auf die Bevölkerung auswirken könnte, und bittet den Regierungsrat um Stellungnahme. Die Anfrage wird an den Sanitätsrat weiter geleitet, der zwar ausführt, dass Gross bereits in Brunnen nicht so genau den Verfügungen nachgegangen sei, aber eine gesundheitliche Gefährdung seitens der Fabrik auf die Bevölkerung müsse er verneinen. Der Regierungsrat ordnet eine Untersuchung der Fabrik an, die vom Bezirksamt March unter Beteiligung des Bezirksarztes, wie auch des Sanitätsrats erfolgte. Die Kommission beurteilt die bauliche Einrichtung als ganz befriedigend.

Es wird bloss vermerkt:, dass das Magazin welches auch als Esszimmer benutzt wird verlegt werden muss. In der Nähe des Gebäudes soll ein Brunnen eingerichtet werden, um das obligatorische Waschen von Gesicht und Händen beim Weggehen von der Arbeit überwachen zu können. Ein Knabe von 16 Jahren der beim Eintunken beschäftigt ist müsse durch jemanden der über 18 Jahre alt ist ersetzt werden.

Erst am 3. Juni 1873 stellt Gross-Scheuchzer ein Gesuch um eine Konzession. Als Kaution über 1.000 Fr. wird die Bürgschaft des Schwagers Gottlieb Scheuchzer gestellt. Die Konzession entspricht der Regierungsrat bei seiner Sitzung am 28.07.1873.

1875 - 1877 Lachen, March

Chemische Produktefabrik Lachen

Inhaber: Gottlieb Scheuchzer und J.J. Kündig

Über die Gründe weshalb es zu einen Besitzerwechsel kam, könnte bloss spekuliert werden. Die neuen Besitzer werden als Rechtsnachfolger von Gross-Scheuchzer bezeichnet, bemühen sich um eine Konzession, die auch am 7.04.1875 erteilt wird. Es soll eine Kaution von 1.000 Fr. gestellt werden, mit deren Bereitstellung es aber Schwierigkeiten zu geben scheint. Im August 1875 wird seitens Scheuchzer beantragt die Stellung der Kaution auszusetzen, denn die Fabrikation der Zündhölzchen werde in einigen Monaten ganz aufhören. Ob Zündhölzer weiter bis ins Jahr 1877 fabriziert worden sind, ist nicht bekannt.

1877 - 1894 Lachen, March

Hürlimann-Müller, Zündholzfabrik

Inhaber: Joh. Heinrich Hürlimann

Wie es zum Besitzerwechsel im Jahr 1877 gekommen ist, ist vorerst nicht genau bekannt. Die Eingabe für die Erteilung der Konzession wird vom Regierungsrat zum ersten Mal am 12.10.1877 behandelt. Es wird auf Richtlinien hingewiesen und die Erfüllung bestimmter Vorschriften gefordert. Dank dessen gibt es ein Schreiben des Hürlimann-Müller vom 25.10.1877 in dem die ganze Fabrik genau beschrieben wird. Es wäre hier zu bemerken, dass in allen amtlichen Unterlagen, die bekannt sind der Name Hürlimann mit nn geschrieben wird, obwohl er selbst bloss die Form Hürliman verwendet.

Hürlimann berichtet:, „Das Fabrikgebäude ist 21 Meter lang, 9 Meter breit und 7 Meter hoch. Es besteht aus 5 grösseren und kleineren Räume, die alle eine Höhe von 4,5 Meter ausweisen. Die Räume sollen wie folgt genutzt werden; Aufbewahrung von Rohmaterial und fertiger Ware, Arbeitssaal, Trockenraum für fertige Hölzer, Aufbewahrung von Chemikalien.“

Am 23.11.1877 wird Hürlimann die Konzession erteilt, mit der Auflage eine Kaution von 1.000 Fr. zu hinterlegen.

In einem Bericht des Bezirksammannamts in March von 12.09.1879 wird bescheinigt, dass die sanitären Erfordernisse in der Fabrik so ziemlich befriedigend sein. Anderseits gibt es hier auch einige Bemerkungen, was geändert werden müsste. Vom Eindruck her, wird bescheinigt, müsse Herr Hürlimann –Müller ein ordnungsliebender Mann sein.

Hürlimann beschäftigte im Jahr 1879 über fünf Arbeiter, war aber dem Fabrikgesetz noch nicht unterstellt. Im Jahr 1880 wird die Bewilligung für eine Arbeitszeit von 12 Stunden täglich beantragt, obwohl die Zündholzindustrie in dieser Zeit durch das Verbot des gelben Phosphors bald gänzlich zum Stillstand gelangt ist. Es stellt sich die Frage, hat Hürlimann bereits in dieser Zeit phosphorfreie Zündhölzer hergestellt? Es konnte so aber nicht sein, denn durch Anzeige der Firma Schätti & Cie. in Fehraltorf, kam die Anschuldigung gegen den Händler G. Kling und Fabrikanten Hürlimann auf, sie hätten gegen das Bundesgesetz vom 23.12.1879 verstossen. Also Zündhölzer bei der Verwendung von gelbem Phosphor hergestellt und in den Umlauf gebracht. Diese Angelegenheit beschäftigte einige Behörden und führte zu einer Strafanzeige. Wie das Urteil ausgefallen ist konnte zunächst noch nicht ermittelt werden.

Mit Eintrag vom 29.03.1883 wird die Firma folgend ins Handelsregister aufgenommen: „Inhaber der Firma Hürlimann – Müller in Lachen ist Joh. Heinr. Hürlimann von Hombrechtikon, Kt. Zürich, wohnhaft in Lachen. Natur des Geschäftes: Zündholzfabrikation. Geschäftslokal: Lachen. „

Die Fabrik wird vom Bezirksarzt kontrolliert, was aus einem vorhandenen Protokoll zu entnehmen ist.

Im April verhandelt der Regierungsrat über die Fabrik, es befindet sich hier die Aussage,: Hürlimann-Müller wolle die Fabrikation von Zündhölzern wieder aufnehmen, welche er hier früher betrieben habe. Also muss die Fabrik einige Zeit stillgelegt gewesen sein. Einige Tage danach wird über ein weiteres Schreiben von Hürlimann berichtet, die Fabrikation von Zündhölzern soll doch nicht aufgenommen werden.

Am 8.04.1895 wird die Firma im Handelsblatt gelöscht: „Die Firma Hürlimann-Müller in Lachen ist infolge Wegzuges des Inhabers nach Wädenswil gelöscht worden. „

Hürlimann soll sich in Wädenswil in der Seefahrtstrasse mit der Fabrikation von chemischen Produkten beschäftigt haben.

1895 - 1905 Lachen, March

August Klemenz, Zündhölzer und Chemische Produkte.


Die Zündholzfabrik in Lachen geht nun in den Besitz von August Klemenz aus Zürich über. Am 11.03.1895 beantragt dieser die Übertragung der alten Konzession Hürlimann-Müller auf eigenen Namen. Die Konzession wird ihm danach unter einigen üblichen Bedingungen am 25.03.1895 auch erteilt. Es wird gleich danach auch eine Fabrikordnung vom 17.04.1895 erstellt und genehmigt. Weitere Einzelheiten über diese Fabrik sind leider nicht bekannt, obwohl Akten vorhanden sein müssten, mit denen alle Vorgänge rund um das Bundesgesetz vom 2.11.1898 (zweites Verbot der Verwendung von gelbem Phosphor) dokumentiert sein müssten. Es wäre möglich, dass die Fertigung gar nicht aufgenommen worden ist bzw. bereits viel früher aufgegeben wurde.

Voraussichtlich im Jahr 1905 zog sich August Klemenz nach Zürich , Rosengasse 10 zurück, wo er bereits vor Lachen sesshaft war und gab an, weiter Chemische Produkte und Zündhölzer zu fabrizieren.

1923 - 1924 Oberarth

Joh. Speck, Zündholzfabrik

Diese Fabrik bildet eigentlich die Fortsetzung der Zündholzfabrik Strobel, früher Bechelen in Oberwil bei Zug. Ohne das Eingreifen des Verbands Schweizerischer Zündholzfabrikanten hätte Speck diese Fabrik wahrscheinlich weitergeführt. Vor dem Neubau in Oberarth liess sich Speck genau vom Fabrikinspektor beraten. Die Eingabe für die Bewilligung zur Fabrikation von Zündhölzchen wird von Speck im Jahr 1924 eingereicht und am 8.03.1924 an den Bundesrat weitergeleitet.

Die Fabrikation soll hier nach der alten Rezeptur aus Oberwil erfolgen, auch die Verantwortung für die Zubereitung der Zündmasse trägt derselbe Mann, der da tätig gewesen ist. Als Verpackung werden runde Kartonschachteln und Wickel verwendet.

Bei dieser Gelegenheit äussert sich der Fabrikinspektor,: „Die Spanschachteln sind ganz verschwunden , Schiebeschachteln zu teuer.“

Es sollen hier die geschwefelten überall entzündbaren Hölzchen mit Verwendung von Phoshorsesquisulfid fabriziert werden. Noch eine weitere Aussage des Fabrikinspektors zur Verpackung ist interessant,: „Eine besondere Reib oder Streichfläche ist für diese Hölzchen gar nicht nötig. Aus verschiedenen Gründen bringen die Fabrikanten aber am Boden und Deckel, oder nur am Deckel einen Anstrich aus Englischrot und Leim an“

Speck will die als Verpackung benötigten Schachteln zunächst kaufen. Das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement stimmt am 7.04.1924 dem Gesuch unter der Veraussetzung zu, dass die in 15 Punkten präzisierten Bedingungen erfüllt werden.

Im September 1924 stellt der Fabrikinspektor nach einer Besichtigung fest, es sei alles so weit vorgerückt, dass mit der Fabrikation begonnen werden könne, wenn das zum Teil noch fehlende Rohmaterial zur Stelle ist. Im Jahr 1925 wird eine Fabrikordnung eingereicht und auch genehmigt. Bis wann genau hier Zündhölzer hergestellt worden sind, ist vorerst nicht genügend geklärt. Es bestehen aber Hinweise, das auch diese Fabrik vom schwedischen Konzern gekauft worden ist, was zwischen 1925 und 1926 geschehen sein musste.

Die Fabrik befand sich an der Bahnlinie der Bahn Goldau-Arth gegenüber dem kleinen Stationsgebäude von Oberarth. In der Nachkriegszeit befand sich hier die Pyrotechnische Fabrik Hilfiker & Co.,die nach einer Explosion völlig zerstört worden ist.



Quellenmaterial:

1. Handbuch für Schweizerische Kaufleute I. Abt. enthaltend die Kantone Bern, Baselstadt, Baselland, Solothurn, Aargau und Zürich. St. Gallen – Zürich 1850

2. Allg. Handels – Adressbuch von Deutschland, des österr. Kaiserstaates und der Schweiz, Mainz 1856

3. Schweizerisches Handels- Adressbuch für Fabrikanten, J. Frick, Zürich 1870

4. Karl Hürlimann-Camenzind, Lebenserinnerungen des Firmengründers, Brunnen 1982

5. Bundesarchiv Bern, Akten E23, Bd.38

6. Staatsarchiv Schwyz, Sammlung KYD, Personendossier, Protokolle des Regierungsrats, Akten 3.620, 2.3.197, Rechenschaftsbericht des Regierungsrats 1852/1853

7. Staatsarchiv Zürich, Akten P266.2

8. Ernst Hohl, Die schweizerische Zündholzindustrie und Gesetzgebung, Diss. 1929

9. Walser Amstutz, Die schweizerische Zündholz – Fabrikation, Diss., Weinfelden 1928

10. Ilians Zumstein, Die schweizerische Zündholzindustrie und der schwedische Zündholztrust, um 1929

11. Internet: www.arth-online.ch/portrait/explosion

Schweizerisches Zündholzmuseum, Dieter Weigelt November 2003