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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Thurgau


Im Kanton Thurgau hat die Zündholzindustrie nie eine grössere Bedeutung gespielt. Es lag wahrscheinlich daran, dass es hier bei der Fertigung von anderen Produkten bessere Verdienstmöglichkeiten gab. Anderseits fehlten hier die riesigen Waldbestände, wo ein günstiger Zugang zum Holz für die Spannfertigung bestand. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die ersten Zündholzfabrikanten den Holzdraht für Streichhölzer aus anderen Gegenden bezogen. Die Verpackung erfolgte damals nicht in die uns jetzt bekannten "Schwedenschuber", bloss in Papierwickel. In der Zündholzfabrik der Gebrüder Jauch in Mammern ( 1910-1913), wo bereits Sicherheitszündhölzer in Schiebeschachteln hergestellt worden sind, kam für die Fertigung sowohl der Zündhölzer, wie auch Schachteln Aspenholz zur Verwendung.

1855 Oberneuwilen

Johannes Oberhänsli gründet in Oberneuwilen unter der Nummer 203b, Bezirk Gottlieben eine Zündholzfabrik die bis 1862 betrieben wird. Es war bestimmt ein reiner Familienbetrieb zu dem leider keine weiteren Einzelheiten bekannt sind.

1859 - 1868 Arbon

Im Jahr 1859 werden in Arbon gleich zwei Fabriken gegründet, es ist die Fabrik von Mohr, sowie die von Johann Wiedenkeller in der Weitegasse, sie bestehen bis zum Jahr 1868. Dank des Berichtes einer Kommission zur Fabrikfrage im Kanton ist es möglich die Zustände in den damaligen Zündholzfabriken hier wiederzugeben.

"Zündholzfabrik von Mohr: Arbeitszeit 12 Stunden. Die Fabrik wurde 1859 erbaut, seit dieser Zeit erkrankte ein Knabe auf Phosphornekrose, und welcher 3-4 Jahre gearbeitet, gepäckelt hat. Die jetzigen Arbeiterinnen, welche seit 2-4 Jahren damit beschäftigt sind, seien gesund, doch klagen bei genauerem Befragen einige über Zahnweh. Der Tunker, seit vielen Jahren damit beschäftigt, ist gesund ; das Eintauchen dauerte aber täglich nur 1/½ Stunden. Das Zimmer hierzu ist hoch und geräumig, kann aber nur nach beendigter Prozedur geöffnet werden, so dass in der Zwischenzeit der Dampf auch in die übrigen Räume des Hauses, Trocken und Päcklerstube, welche nicht immer offen bleiben können, dringt. Die Türe von der Tröcknerstube in das Packzimmer schliesst ganz schlecht." an anderer Stelle ist weiter zu lesen: " Im Packzimmer Phosphorgeruch sehr bemerklich, und in der Küche während des Eintauchen die Phosphordämpfe sehr stark. Vorrichtungen für Zufuhr frischer Luft und Abfuhr schädlicher Dämpfe mangeln gänzlich. Arbeitsraum und Tröcknerzimmer sind nicht einander getrennt." Den Bericht lässt sich entnehmen, dass der Holzdraht selbst in der beschriebenen Fabrik nicht hergestellt worden ist. Im selben Bericht äussert sich zur Arbeit in den Zündholzfabriken auch das katholische Pfarramt in Arbon: "Kaum den Räumen der Schule entkommen, müssen die Kinder die anderen freien Stunden in von Phosphor und Schwefeldünsten angefüllten Lokalen zubringen, ohne alle Erholung und Bewegung in freier Luft und mit kaum einen nennenswerten Lohne. Da treffen diese Kinder mit halberwachsenen Personen zusammen , ohne alle Aufsicht über ihre Gespräche und nehmen so den Keim des physischen und geistigen Giftes in ihren Körper und in ihre Seele auf. Auch für die Erwachsene ist in diesen Anstalten gar nicht gesorgt. Ihr Lohn ist kaum genug, das Leben zu fristen. Für Krankheitsfälle und Arbeitseinstellung ist keine Hülfe vorgesehen, so dass sich diese Verdienstanstalten als die kläglichsten darstellen."

Wie auch in anderen Berichten geschildert wird, haben sich zur dieser Zeit die Arbeitsbedingungen in anderen Gegenden der Schweiz, von denen in Arbon kaum unterschieden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Aufgabe beider Fabriken gerade durch die publizierten Berichte beschleunigt worden ist.

Die Fabrik von Johann Wiedenkeller wird im Bericht nicht erwähnt, obwohl sie noch damals bestehen musste. Wie diese Fabrik räumlich ausgesehen hat wissen wir dank des Schreiben vom 21.03.1859 des Sanitäts-Rath des Kantons Thurgau an das Polizeidepartement. Auch die Betriebserlaubnis aus dem Jahr 1859 ist noch im Staatsarchiv Frauenfeld vorhanden. Johann Wiedenkeller hatte mit seiner Zündholzfabrik kein besonderes Glück. Das erste Fabrikgebäude bestand in Arbon unter der Nummer 151a und brannte noch im Jahr 1859 ab. Er siedelte mit der Fertigung unter die Nummer 85c und 85d um, wo es abermals im Jahr 1868 einen Brand gab, dessen Opfer das Fabrikgebäude 85c, wie auch sein Wohnhaus 85b geworden sind.

1866 - 1868 Arbon

Die Zündholzfabrik von Georg Rorschach bestand in Arbon im sog. Armenhause, Walhallastrasse 2 zwischen 1866 bis 1868. Dank des bereits bei Mohr erwähnten Berichts kann für die Fabrik von Rorschach hervorgehoben werden: "Es ist ein Rauchfang vorhanden, welcher aber nicht gut zieht. Die Arbeiter, meistens der Alltagschule entlassene Kinder, konnten nicht untersucht werden, weil keine Arbeit zum Verpäckeln vorhanden sei. Die Arbeiter seien gesund; doch wird zugegeben, daß vor einigen Jahren ein Knabe wegen der bekannten Kieferkrankheit im Spital gestorben ist". Bei der Beschreibung der Zustände in den Räumen wird angegeben,: " die selben Zustände wie bei Mohr" Die oben zitierte Aussage "vor einigen Jahren" lässt vermuten, dass die Fabrik bereits vor 1866 bestehen musste. Leider konnten keine schriftlichen Beweise für diese Vermutung gefunden werden.

1871 - 1879 Arbon

Im Jahr 1871 etabliert sich in Arbon unter der Nummer 238 eine weitere Zündholzfabrik, es ist die Fabrik von Ulrich Zürcher die bis 1878 besteht und danach an Aldes-Kreis verkauft wird. Für das Jahr 1879 wird die Fabrik vom Fabrikinspektor des III Kreises den Alb, Schlör zugeschrieben mit den Hinweis auf beschäftigte 8 Arbeiter, von der Ausstattung her, keine Motoren. Weitere Hinweise auf die einzelnen Zusammenhänge sind leider nicht zu finden. Noch im Jahr 1878 legte Ulrich Zürcher dem Regierungsrat des Kantons ein Betriebsreglement vor, welches lt. Anforderung des Fabrikgesetzes vom 23.03.1877 erstellt worden ist. Bei der Fabrik unter der Nummer 238 hat es sich um ein Gebäude mit Ziegeldach im Wert von Fr. 6.500 gehandelt.

1876 - 1877 Arbon

Eine weitere Zündholzfabrik in Arbon, ist die von Alois Senn. Ihr bestehen wird in den Adressbüchern 1876 und 1877 dokumentiert. In bestehenden Archivunterlagen ist Alois Senn leider nicht auffindbar.

1878 - 1888 Arbon

Inhaber der Firma Max Hausmann in Arbon ist Max Hausmann von Dachsen, Kanton Zürich, wohnhaft in St. Gallen. Natur des Geschäftes: Zündholzfabrik. Über diese Fabrik gibt es einige Unterlagen aus denen sich ihre Grösse ermitteln lässt. Die Fabrik ist 1878, schon unter den Anforderungen des Fabrikgesetzes von 1877 gegründet worden. In der Fabrik sind bis zu 10 Arbeiter beschäftigt gewesen. Es wird auch über eine Fabrikordnung vom 27.9.1878 berichtet, die uns aber nicht erhalten geblieben ist. Für das Jahr 1882 wird angegben, dass die Arbeitszeit für den Lohn von 1 bis 1,50 Fr. per Tag 12 Stunden beträgt. In der Fabrik selbst sind 7 Arbeiter beschäftigt, ausserhalb 3. Kündigungsfrist 14 Tage. Die gesundheitlichen Arbeitsbedingungen mussten nicht die besten sein, denn es gab eine Abmahnung und danach reguläre jährliche Untersuchungen der Arbeiter seitens des Amtsarztes. Alle Arbeiten im Betrieb sind wahrscheinlich manuell verrichtet worden, denn es gab keine Motoren. Ohne denen war auch der Betrieb einer Schälmaschine nicht möglich, ohne der wieder kein Holzspan gefertigt werden konnte. Es ist zu vermuten der Holzspan kam von auswärts, die Zündhölzer wurden in Wickel verpackt, was auch in Hausarbeit gemacht werden konnte.

Die Fabrik von Max Hausmann findet auch eine Erwähnung in den Bericht der Kantonsregierung für das Jahr 1882, wo folgendes berichtet wird: "Mit Zuschrift vom 24. Oktober 1882 hatte das schweiz. Handelsdepartement die Regierung eingeladen, die für die Durchführung des Reglements über die Fabrikation und den Verkauf der Zündhölzchen geeignet scheinenden Maßnahmen zu treffen. Demgemäß wurde der einzige( Max Hausmann) thurgauischer Fabrikant von Zündhölzchen mit gelben Phosphor aufgefordert:

a. innert der Frist bis zum 1. Juli 1883 sämtliche Fenster seines Etablissements in Klappfenster umwandeln zu lassen;

b. sofort Überkleider für seine Arbeiter einzuführen und Wascheinrichtungen für letztere anzubringen.

In den Ferneren wurde diese Fabrik unter die ärztliche Aufsicht des Physikates Arbon gestellt und dieses mit den vorgeschriebenen und durch die Umstände nötig werdenden Untersuchungen beauftragt; die allgemeine Überwachung wurde dem Bezirksamte Arbon übertragen." Im Jahr 1886 ist die Firma von Max Hausmann aufgegeben worden.

1881 - 1885 Arbon

Obwohl im oben erwähnten Bericht für das Jahr 1882 über die einzige Zündholzfabrik im Kanton Thurgau berichtet wird, kann dies so nicht stimmen. In Unterlagen, die sich im Staatsarchiv Frauenfeld befinden ist zu sehen, dass es in Arbon zwischen 1881 bis 1883 die Zündholzfabrik von Jakob Alder gab, die zwischen 1883-1884 vom Pächter Joseph Duelli geführt wurde und danach für die Zeit 1884-1885 an Johannes Gasser überging. Über diese Fabrik berichtet der Fabrikinspektor des III. Kreises in seinem Schreiben vom 15.12.1882 u.a.: " Die Fabrik ist nicht so eingerichtet, wie es das Reglement vom 17.10.1882 vorsieht. Um dies zu erfüllen müsste ein vollständiger Umbau der Fabrik vorgenommen werden. In der Fabrik sind zurzeit 6 Personen beschäftigt." Da es der Firma bei der damaligen Geschäftslage kaum möglich war einen Umbau durchzuführen, wird angemahnt wenigstens um entsprechende Lüftung zu sorgen und entsprechende Wascheinrichtungen zu installieren.

1910 - 1913 Mammern

Nachdem es im Kanton Thurgau über 15 Jahre lang keine Zündholzfabrik gegeben hat gründete im Jahr 1910 die Zündholzfabrik Gebr. Jauch in Schwenningen am Neckar in Mammern am Bodensee einen Zweigniederlassung. Der Eintrag in das Handelsregister des Kantons Thurgau erfolgte am 19.03.1910, wobei als Eigentümer die Kollektivgesellschaft zwischen Martin Jauch und Witwe Agathe Haller, geb. Jauch bezeichnet worden sind. Zweck der Firma Zündholzfabrik Mammern Gebrüder Jauch war die Zündholzfabrikation und die Fertigung chemisch technischer Produkte. Die Geschäfte in Mammern führt der Prokurist Ernst Hermann, von Neuenstein, Württemberg wohnhaft in Mammern. In der Fabrik sind 11 Arbeiter beschäftigt, davon 3 Frauen. Die Fabrik besass einen Dampfkessel mit 10 PS und soll eine Tagesproduktion von 40.000 Schachteln Zündhölzer erreicht haben. Ob der Zündholzdraht und Schachteln vollständig in Mammern hergestellt worden sind, ist bei der Belegschaft von 11 Arbeitern eher fraglich.
Bei der Gründung dieser Fabrik musste Martin Jauch alle Bedingungen erfüllen die im Bundesgesetz betr. die Fabrikation und Vertrieb von Zündhölzern vom 2.11.1898, wie auch der Vollziehungsverordnung zum obigen vom 30.12.1899 festgelegt waren. Im Art. 8 der letzten war vorgeschrieben: " Der Verkauf von Zündhölzchen und Streichkerzchen darf nur in Verpackungen, inbegriffen Pakete und Schachteln, stattfinden, welche die Firma oder die auf dem eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum in Bern deponierte Fabrikmarke des Fabrikanten tragen. Diese Bestimmung findet auch auf importierte und zu exportierende Zündwaren Anwendung". Es sind bloß zwei Warenzeichen13 von der Zündholzfabrik Mammern eingetragen worden, die Eintragungen vom 18.04.1910 stellen ein Eichhorn in bildlicher und wörtlicher Form dar. Die visuelle Eichhörnchen Darstellung ist auf einigen Zündholzetiketten zu finden, was als genügender Hinweis auf den Hersteller ausreichte. Weiter bekannt ist uns auch die Fabrikordnung vom 2.9.1910. Am 26. Juni 1913 erschien im Schweizerischen Handels Amtsblatt der Eintrag, dass die Zweigniederlassung aufgegeben worden ist. Über die Gründe der Aufgabe kann spekuliert werden für den Hinweis, dass die Fabrik von der Diamond S.A. in Nyon gekauft worden ist, gibt es keinen notariellen Beweis.



Quellenmaterial:

1. Staatsarchiv Frauenfeld, Akten 4.272.16

2. Adressbuch des Kanton Thurgau, J,J, Brugger, Weinfelden 1862, 1876

3. Bericht über das thurgauische Fabrikwesen, Frauenfeld 1869

4. Staatsarchiv Frauenfeld, Akten 4.1 Volkswirtschaftliches Departement

5. Staatsarchiv Frauenfeld, Akten 4.272.42, 4.272.43, 4.272.44

6. Neues vollständiges Handel und Gewerbe Adressbuch der gesamten Schweiz, Zürich 1877

7. Staatsarchiv Frauenfeld, Akten RRB 1937 vom 27.9.1878

8. Bundesarchiv Bern, Akten E7171(A),Akz.2, Band 1

9. Dr. Egon Isler, Industrie-Geschichte des Thurgaus, Zürich

10. Staatsarchiv Frauenfeld, Akten 4.825.4

11. Zusammenstellung der Berichte der Kantonsregierungen über die Ausführung des Bundesgesetzes betr. die Arbeit in den Fabriken in den Jahren 1878 bis 1882, Schaffhausen 1883

12. Staatsarchiv Frauenfeld, Akten Fabrikwesen 1882

13. Schweizerisches Handels Amtsblatt, verschiedene Ausgaben

14. Staatsarchiv Frauenfeld, Akten 4.12

15. Axel Winner, Alte Schachtel Nr. 1/1994

Schweizerisches Zündholzmuseum, Dieter Weigelt Dezember 2001