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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Uri


Im Kanton Uri gab es nur eine Zündholzfabrik, die von der Grösse her eher als ein Manufakturbetrieb gelten konnte. Die Herstellung erfolgte hier wahrscheinlich rein handwerksmässig, bei Anwendung der einfachsten Technik, anderseits wird von einer mechanischen Zündholzfabrik gesprochen.

Die bestehenden Archivunterlagen weisen daraufhin, dass es im Kanton Uri eine Zündholzfabrik in Erstfeld gegeben hat, sagen aber nicht viel mehr über sie aus. Zum Glück gibt es in Erstfeld den Heimatforscher Herrn Furrer-Spahni, der einige Begebenheiten im Zusammenhang mit der Fabrik zusammentragen konnte, und sie auch dem Zündholzmuseum zur Verfügung gestellt hat. Ich möchte mich an dieser Stelle dafür nochmals herzlich bedanken.

1861 - 1867 Erstfeld

Mechanische Zündholzfabrik Gebrüder Z´graggen

Dank zwei erhaltener Rechnungen wissen wir, dass die Mechanische Zündholzfabrik sich in der Klus bei Erstfeld befinden sollte. Dabei handelt es sich bei der Bezeichnung Klus um die offizielle Postanschrift. Hier in der Post Transitstation Klus war einer der Brüder Z´graggen als Eidg. Posthalter angestellt. Es gab noch zwei weitere Brüder Z´graggen, Alois, der als Eidg. Kondukteur die Gotthardpostkutsche von 1850 bis an sein Lebensende im Jahr 1888 begleitet hat, sowie den dritten der einige Zeit Landammann gewesen sein soll.

Im Jahr 1859 wurde am „ Altbach“ in Erstfeld auf der Gemarkung Spätach ein Zweifamilienhaus mit Wohnlaube und einer Holzsägerei gebaut. Die Holzsäge ist auch als untere Säge bezeichnet worden. In diesem Haus ist danach eine Trenn-Schutzwand bis übers Dach hinaus eingebaut worden. Die Durchgänge in der Wand sind dabei mit Blechtüren versehen worden. Dies alles da 1861 im Parterre des Wohnhauses eine mechanische Zündholzfabrikation aufgenommen worden ist. Es konnten hier ca. 20 bis 30 Personen beschäftigt werden. Am Haus entstand zusätzlich ein kleines Wohnhäuschen, wo Trockenräume für Zündhölzchen entstanden.

Anhand von Fakturen aus dem Jahr 1864 ist zu erfahren, dass die Lieferungen sog. blauer Zündhölzer an Herrn Martin Brunner & Cie. in Luzern gegangen sind. Die Lieferungen erfolgten normalerweise mit der Postkutsche via Langenthal, aber wenn die Zeit eilte auch mit dem Dampfboot.

Im Bericht des Landammanns des Kantons Uri an den Präsidenten des Bundesrats aus dem Jahr 1869 wird dargelegt, in der Zündholzfabrik arbeiten bloss zwei Kinder im Alter von 12 Jahren, die Arbeitszeit beträgt 10 Stunden, von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, mit Abzug von 2 Stunden Freizeit. Die Kinder waren mit der Herstellung von Holzschachteln beschäftigt. Wahrscheinlich sind die anderen Arbeiten von den Eigentümern selbst verrichtet worden.

Die Fabrik ist im Jahr 1867 , infolge Absatzschwierigkeiten aufgegeben worden. Die Sägerei und ein kleiner Spezereiladen mit Salzverkauf blieben bis heute erhalten.



Quellenmaterial:

1. Furrer-Spahni, Heimatforscher aus Erstfeld

2. Bundesarchiv Barn, Akten E23, Bd.8

3. Staatsarchiv Uri, Factura vom 22.05.1864

Schweizerisches Zündholzmuseum, Dieter Weigelt November 2003