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Forschung


Zündholzfabriken im Kanton Zug


Obwohl der Kanton Zug sich nicht weit von den Gemeindegrenzen des Kantons Zürich befindet , wo bereits sehr früh mit der Fabrikation von Zündhölzern angefangen worden ist, sind im Staatsarchiv Zug keine Hinweise zu finden, dass auch hier diese Industrie sich im grösseren Umfang etabliert hätte. Im Gegensatz zu andern Kantonen sind vom Kantonsrat Zug auch keine Verordnungen in Bezug auf die Zündholzfabrikation erlassen worden. Die erste Zündholzfabrik im Kanton Zug entstand erst im Jahr 1890, in einer Zeit wo bereits das Bundesgesetz betr. die Fabrikation und dem Verkauf von Zündhölzern erlassen worden ist.

1890 - 1902 Oberwil b. Zug

Zündholzfabrik Johann, Baptist Bechelen

Im Jahr 1890 wenden sich die Gebrüder Franz-Xaver Bechelen & Johann-Baptist Bechelen an den Regierungsrat in Zug um eine Betriebsgenehmigung für die bereits erstellte Zündholzfabrik. Im sog. Frageschema im Zusammenhang mit dem Fabrikgesetz ist die Aussage zu finden: Die Fabrik ist ganz neu, beschäftigt vier Arbeiter und ist mit zwei Maschinen mit Handantrieb ausgestattet. Der Name von Franz-Xaver Bechelen wird weiter nicht erwähnt. Am 8.10.1890 berichtet der Landjäger an die Finanzkanzlei über die Einrichtung der Fabrik und erwähnt, dass als Arbeitskräfte der Besitzer selbst mit Ehefrau , sowie zwei Arbeiter eingesetzt sind. Die Zündholzfabrik in Oberwil zählt also zu einer der kleinsten in der ganzen Schweiz. Bechelen kann zunächst den Anforderungen des Gesetzes vom 2.11.1898 (Verbot der Verwendung von gelbem Phosphor) gar nicht nachkommen, sodass die Fabrik im Jahr 1900 vorübergehend von der dem Fabrikgesetz unterstellten Fabriken gestrichen wird. Erst im Jahr 1901 wird ein Umbauplan, sowie die notwendigen Rezepte eingereicht und nach vielen Rückfragen auch genehmigt. Anfang des Jahres 1902 wird die Fabrik wieder in Betrieb genommen, wobei die Anzahl der Arbeiter jetzt drei beträgt.

1902 - 1916 Oberwil b. Zug

Zündholzfabrik Johann Bechelen

Ab dem Jahr 1902 wird als Eigentümer der Zündholzfabrik in Oberwil Johann Bechelen genannt, es ist nicht ganz klar, ob es sich hier um den Sohn handelt oder auch der Vorname Baptist einfach übergangen worden wird. Aus Berichten des Eidg. Fabrikinspektors aus dem Jahr 1906 ist zu entnehmen, dass Bechelen die Zündmasse nicht nach genehmigter Rezeptur verwendet, ausserdem leidet Bechelen selbst noch immer an den Folgen seiner Erkrankung an Phosphornekrose. Diese Feststellung erübrigt weitere Darstellungen über die gesundheitlichen Zustände in der Fabrik. Der Fabrikinspektor mahnt auch immer wieder den Regierungsrat an, dass in der Fabrik Bechelen keine ärztlichen Untersuchungen stattfinden, auch die Arbeitszeit soll nicht immer der genehmigten Fabrikordnung entsprechen. Anderseits meint der Kantonsarzt wiedersprüchlich, dass in der Fabrik von Bechelen alles in Ordnung sei.

Im Jahr 1916 stirbt Johann Bechelen, die Fabrik wird weiter von der Witwe geführt.

1916 - 1919 Oberwil b. Zug

Zündholzfabrik Witwe Josefina Bechelen-Dula

Die Zündholzfabrik wird nun weiter von der Witwe geführt. Sie war auch bereits seit Jahren voll bei der Fertigung von Zündhölzern beschäftigt. Ausserdem gab es in der Fabrik einen Fachmann, der mit der Herstellung der Zündmasse voll vertraut war. Der Hinweis auf diesen Fachmann ist im Zusammenhang mit der Gründung der Zündholzfabrik in Oberarth (Schwyz) zu finden. Für die Verpackung der Zündhölzer sind in Oberwil runde Schachteln, wie bereits für die alten Phosphorzündhölzchen verwendet worden. Wie genau die notwendige Bezeichnung auf der Schachtel ausgesehen hat ist nicht bekannt, da uns keine der Schachteln aus Oberwil erhalten geblieben ist.

1919 - 1920 Oberwil b. Zug

Zündholzfabrik Emma Walcker-Dula

Ende des Jahres 1919 verkauft Frau Josefina Bechelen-Dula die Zündholzfabrik in Oberwil für 10.000 CHF an ihre Schwester Emma Walcker-Dula. Die Geschäfte mussten zur dieser Zeit gut gehen, denn der Konkurrenzkampf kam in der Kriegszeit zum Stillstand. Der Verkauf an Frau Walcker-Dula war bloss eine vorübergehende Lösung, denn bereits nach einigen Monaten wird die Fabrik weiter veräussert.

1920 - 1923 Oberwil b. Zug

Zündholzfabrik Fritz (Friedrich) Strobel

Die Fabrik wird nun von Fritz (Friedrich) Strobel aus Konstanz für 14.000 CHF gekauft. Leider gibt es keine Archivunterlagen für die Jahre 1920/23 in denen etwas über die Fabrik in Oberwil zu finden wäre. Die Fabrik war jedenfalls bis Anfang des Jahres 1923 im Betrieb.

1923 Oberwil b. Zug

Zündholzfabrik Heinz Fischer & Jakob Schuppisser-Leemann

Die Vorgänge im Jahr müssen noch anhand von Notariats-Unterlagen genau geklärt werden. Jedenfalls verkauft Fritz Strobel im II. Quartal 1923 die Zündholzfabrik mit Umgelände für 20.500 CHF an die Herren Heinz Fischer und Jakob Schuppisser-Leemann. Es musste sich also um einen lohnenden Verkauf gehandelt haben. Beide Herren waren im Vorstand des Vereins Schweizerischer Zündholzfabrikanten (1911-1927) und sollen, wie es heisst den Kauf in dessen Namen unternommen haben, um so die Zündholzfertigung in der Schweiz zu drosseln. Die Herren waren aber auch Eigentümer von Zündholzfabriken, Fischer in Fehraltorf (ZH) und Schuppisser-Leemann in Räterschen (ZH), wobei beide im Jahr 1927 die Fertigung von Zündhölzern, nach einer gut bezahlten Verständigung mit dem schwedischen Kreuger Konzern einstellten.

Ob es noch weitere Versuche der Übernahme von Zündholzfabriken seitens des Vereins schweizerischer Zündholzfabrikanten gegeben hat ist nicht bekannt.

Die Fabrik in Oberwil ist bloss deswegen gekauft worden, um gleich danach stillgelegt zu werden. Bereits im IV. Quartal 1923 wird die Immobilie nun als Wohngebäude für 11.000 CHF an Jakob Hettinger verkauft. Eine Fertigung von Zündhölzern wird in Oberwil nicht mehr aufgenommen.



Quellenmaterial:

1. Amtsblatt des Kanton Zug, Jahrgang 1902, 1916, 1923, 1924

2. Staatsarchiv Zug, Lagerbuch, sowie weitere Akten

3. Bundesarchiv Bern, Akten E23, Bd.38

Schweizerisches Zündholzmuseum, Dieter Weigelt August 2003